Unsere saarländischen Wälder haben eine wechselvolle Geschichte; sie sind wie ein Lesebuch, das wir entziffern können. Geprägt durch Industrie, Kriege und unterschiedliche Nutzungsarten sind die Handschriften der einzelnen Jahrzehnte heute immer noch erkennbar. Kräftige Eichen erzählen Geschichten aus der Zeit des Bergbaus. Fichten und Douglasien mussten bei der Wiederaufforstung herhalten, um nach den großen Kahlhieben nach dem 2. Weltkrieg, den Reparationshieben, möglichst schnell Flächen wiederzubewalden. Ebenso wie sich das Verständnis für die Funktion unserer Wälder über die Jahre geändert hat, hat sich auch die Art der Bewirtschaftung verändert. Heute wird der Staatswald unter Beachtung von Natur- und Artenschutz bewirtschaftet: Die Ökologie bildet den Rahmen. Die beiden Autoren betrachten den Weg dorthin unter dem Aspekt der Forstpraxis und der gesellschaftlichen Entwicklungen.
Eindrucksvolle Fotos und Grafiken illustrieren diese Reise durch die saarländische Forstgeschichte.
Uwe Eduard Schmidt, 1960 in Göttelborn/Saar geboren, ist Professor für Wald- und Forstgeschichte im Institut für Forstwissenschaften an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. Nach dem Studium der Forstwissenschaften und Promotion in Freiburg (Dr. rer. nat.) absolvierte er die Vorbereitungszeit für den höheren Forstdienst in Rheinland-Pfalz und war anschließend im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn Referent für neuartige Waldschäden.1998 habilitierte sich Schmidt an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Thema »Das Problem der Ressourcenknappheit, dargestellt am Beispiel der Holznot in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert« (Dr. rer. silv. habil.). Ein besonderes Augenmerk spielten dabei die vielfältigen Lösungsansätze der ehemaligen Fürsten von Nassau-Saarbrücken, um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung für zukünftige Generationen zu etablieren.In den folgenden Jahren lehrte Schmidt als Hochschuldozent das Fach Forstgeschichte an der Universität Freiburg. Nach einem halbjährigen Aufenthalt als Guest Lecturer an der North Carolina State University in Raleigh/USA übernahm er 2005 den Lehrstuhl für Wald- und Forstgeschichte an der Universität Freiburg und ist dort seither lehrend und forschend tätig.Forschungsschwerpunkte sind die sich verändernden gesellschaftlichen Ansprüche an natürlich vorhandene und bewirtschaftete Ressourcen. In diesem Kontext sind wirtschaftliche, soziale und politische Kontinuitäten und Umbrüche (z. B. Ressourcenengpässe, Revolutionen, Kriege) und deren Auswirkungen von hoher Bedeutung. Der räumliche Fokus liegt in Südwestdeutschland, in den USA und Kanada.
Jörn Wallacher, 1946 in Sønderborg/Dänemark geboren, ist seit 2011 im Un-Ruhestand und lebt im Alten Forsthaus Pfaffenkopf bei Saarbrücken, einem Waldgehöft aus der Barockzeit, das er vor dem Abriss bewahrte und mit seiner Familie denkmalgerecht restaurierte. Nach dem Studium der Forstwissenschaften und Geografie in Freiburg i. Br., Paris und München (Diplom-Forstwirt) und forstlichen Aufenthalten in den USA und in Indonesien verbrachte er die Referendarzeit im Saarland. Danach absolvierte er ein Zweitstudium der Landschaftsarchitektur und -planung an der Universität Kassel (Dipl.-Ing./Landschaftsarchitekt AKS) und betrieb zeitgleich mit Dr. Gerda Schneider und Carmen Dams das Planungsbüro »Landschaft und Stadt« in Saarbrücken. Später wechselte er in das Wirtschafts- bzw. Umweltministerium des Saarlandes. Er leitete dort die Referate »Planerische Koordination und infrastrukturelle Leistungen des Waldes«, »Forstpolitik« und zuletzt »Wald und Landschaft«. Arbeitsschwerpunkte waren Beiträge zur Neuorientierung der Waldwirtschaft, zur Gestaltung des WaldParks Schloss Karlsberg bei Homburg und des Forsthauses Neuhaus - Zentrum für Wildnis und Waldkultur bei Saarbrücken und zur Restaurierung kulturhistorischer Relikte im Wald, so der Forstgarten Karlsbrunn. Er arbeitete mit bei der Etablierung des Regionalparks Saar im Bereich des Saarkohlenwaldes und entwickelte eine moderne forstliche Öffentlichkeitsarbeit (Expo 2000) u.a. mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Selber aktiv in diversen Bürgerinitiativen waren ihm die Zusammenarbeit mit NGOs, Vereinen und Verbänden wichtig bei der Umsetzung des
28 des Waldgesetzes für das Saarland: »Der Staatswald dient in besonderem Maße dem Allgemeinwohl«.
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