Gradiva - Eine pompejanische Novelle über archäologische Obsession, Traumdeutung und die heilende Macht der Erinnerung
| Verlag | Sharp Ink |
| Auflage | 2023 |
| Format | 15,2 x 22,9 x 0,3 cm |
| Gewicht | 95 g |
| ISBN-13 | 9788028352028 |
| Bestell-Nr | 02835202SM |
Wilhelm Jensens Gradiva, 1903 als pompejanisches Phantasiestück erschienen, erzählt von dem jungen Archäologen Norbert Hanold, der sich in das Relief einer schreitenden Frau verliebt und ihr in einer wahnhaften Spurensuche nach Pompeji folgt. Dort begegnet ihm die vermeintliche Antike als lebendige Gegenwart: Zoe Bertgang, eine Jugendbekannte, löst die Projektion behutsam in Erinnerung und Begehren auf. Jensens Prosa verbindet archäologische Genauigkeit, traumlogische Symbolik und psychologischen Realismus; im Kontext des Fin de siècle steht die Novelle zwischen Kunstfantasie, Liebesgeschichte und früher Tiefenpsychologie. Jensen (1837-1911), aus Heiligenhafen stammend und später in München ansässig, war ein produktiver Erzähler, Lyriker und Journalist, dessen Bildung medizinische Studien, historische Interessen und ausgedehnte Reisen einschloss. Seine Sensibilität für Landschaft, Altertum und seelische Grenzzustände prägte Gradiva sichtbar. Dass Sigmund Freud die Erzählung 1907 in einer berühmten Studie deutete, bestätigt weniger eine bloße Krankengeschichte als Jensens erstaunliche erzählerische Intuition für Verdrängung, Ersatzbildung und Heilung durch Dialog. Empfehlenswert ist dieses schmale, doch dichte Buch für Leserinnen und Leser, die literarische Archäologie, Liebesironie und die Vorgeschichte moderner Psychoanalyse zusammendenken möchten. Gradiva belohnt genaue Lektüre: als elegante Novelle über Bilder, die Menschen beherrschen, und über Wirklichkeit, die sie erlöst.
