Die Texte spiegeln unbeschönigt, ironisch gebrochen, mit einem Blick für die verquerte Komik nicht nur des Alltäglichen wider, sondern auch der größeren Zusammenhänge politischer Geografie-Aspekte rumänischer Lebensrealität, so wie man sie als deutschsprachig Schreibende aus unmittelbarer und bodenständiger Perspektive im heutigen Siebenbürgen/Transsylvanien erlebt und verdichtet.
Die Auseinandersetzung mit Themen, die ums Altern und Sterben sowie um Weiblichkeit und Körperlichkeit kreisen, verbindet die einzelnen Geschichten.
Der Erzähldiskurs folgt den Gedankengängen der Protagonistinnen, lässt assoziative Verbindungen und Zusammenhänge entstehen, die auf gegenwärtige und frühere gesellschaftliche Zustände im östlichen Kultur- und Sprachraum, zu dem Siebenbürgen gehört, hinweisen.
Carmen Elisabeth Puchianu, geb. In Bräov (Rumänien) am 27.11.1956, dreisprachig aufgewachsen (deutsch, ungarisch, rumänisch), deutsch-evangelisch erzogen. Besuch der deutschen Schule in Kronstadt, Abitur am Hoterus-Gymnasium 1975, anschließend Anglistik- und Germanistikstudium an der Bukarester Universität bis 1979. Den damaligen Anordnungen entsprechend Zuteilung als Englischlehrerin an eine Dorfschule in rein rumänischer Umgebung (Filipe¿ti de Târg, Kreis Prahova). Ab 1983 Englisch- und ab 1987 Deutschlehrerin an der Honterusschule in Bräov.
1995 Antrittsvorlesung über Kafkas Werk und anschließende Einstellung als Lektorin, ab 2007 als Dozentin und ab 2017 als Professorin für Deutsche Literatur an der Transilvania Universität, Bräov. 2004 Promotion über Thomas Mann, 2016 Habilitation (Literatur als Performance). Ab.1.10.2022 im Ruhestand und freischaffend. Gehört zu den wenigen Vertreterinnen der rumäniendeutschen Literatur, die nicht nach Deutschland ausgewandert ist und aus der unmittelbaren Lebenserfahrung heraus über rumänische Verhältnisse schreibt.
Literarische Veröffentlichungen
1988 Debüt als Lyrikerin in der Anthologie Der zweite Horizont. Klausenburg: Dacia
1991: Das Aufschieben der zwölften Stunde auf die dreizehnte. Gedichte. Klausenburg: Dacia
1995: Amsel - schwarzer Vogel. Erzählungen. München: Lagrev
1998: Der Ameisenhaufen und andere Geschichten. Kronstadt: Aldus
2001: Ein Stückchen Hinterhof. Novellistische Familienchronik. Hermannstadt: hora
2002: Unvermeidlich Schnee. Gedichte. Passau: Stutz
2007: Der Begräbnisgänger. Geschichten. Passau: Stutz
2008: Verortete Zeiten. Gedichte. Kronstadt: Aldus
2012: Patula lacht (Roman). Passau: Stutz
2019: Die Professoressa. Ein Erotikon in gebundener und ungebundener Rede. Ludwigsburg, Pop Verlag
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