Mehrsprachige Schriftpraktiken in Frankreich

Mehrsprachige Schriftpraktiken in Frankreich

zum Preis von:
39,90€
Preis inkl. Mwst. versandkostenfrei
In den Warenkorb

Eine ethnographische und linguistische Untersuchung zum Umgang mehrsprachiger Grundschüler mit Schrift

Kartoniert/Broschiert
ibidem, Romanische Sprachen und ihre Didaktik Bd.23, 2009, 346 Seiten, Format: 14,8x21,1x2,2 cm, ISBN-10: 3898219690, ISBN-13: 9783898219693, Bestell-Nr: 89821969A
Für diesen Artikel bieten wir eine Vorschau an:

Reduzierte Artikel in dieser Kategorie

Muße
19,95€ 8,99€

Produktbeschreibung

Mit der Durchsetzung der Schulpflicht seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich europäische Staaten zu literaten Gesellschaften. Die Möglichkeit der sozialen Partizipation wird seither in zunehmendem Maße durch schriftsprachige Praktiken bestimmt.
Constanze Weth analysiert in ihrer Studie schulische und familiäre Strukturen, in deren Kontext der Schriftspracherwerb von sprachlichen Minderheiten eines Landes erfolgt. Am Beispiel Frankreichs untersucht sie parallel zu der 'neuen' marokkanischen Minderheit die Strukturbedingungen der 'alten' okzitanischen Minderheit für den Schriftspracherwerb. Der Bezug der beiden Sprechergruppen zu den jeweils ausgeübten Sprachen (Französisch und Arabisch bzw. Okzitanisch) ist grundverschieden. Beide Gruppen unterscheiden sich zudem darin, wie sie sprachlich integriert sind: Die Sprecher des Okzitanischen sind am nationalen Herstellungsprozess Frankreichs beteiligt gewesen. Damit einher ging die territoriale Begrenztheit der regionalen Minderheitensprache und deren zunehmende kommunikative Beschränkung auf das familiäre Register. Sie prägten den Topos der Bewahrung einer Minderheitensprache gegenüber der dominanten Sprache. Migration hingegen ist ohne Veränderung nicht denkbar. Die Sprecher des Marokkanischen sind nach Frankreich zugewandert. Ihre Niederlassung ist verbunden mit Erfahrungen einer anders organisierten Kommunikation und einer unbekannten, strukturell verschiedenen Sprache.
Weth zeigt die sozialen Rahmenbedingungen auf, unter denen die Sprachen gesprochen und geschrieben werden. Sie nähert sich dem Begriff der sprachlichen Minderheit und der allgemeinen Situation von Okzitanen und Marokkanern in der südfranzösischen Stadt Nîmes zunächst in sozialhistorischer Perspektive an. Anschließend beleuchtet sie in einer ethnographischen Untersuchung die familiären und schulischen Schriftpraktiken beider Gruppen, insbesondere deren Umgang mit Mehrsprachigkeit und Schriftsprache. Schließlich nimmt sie die sprachlichen Ressourcen selbst in den Blick: Eine Orthographieanalyse von Kinderschreibungen zeigt, wie mehrsprachig okzitanisch-französisch und marokkanisch-französisch aufwachsende Schulkinder ihre sprachlichen Mittel nutzen, um zu schreiben. Diese Schreibungen spiegeln wider, wie sich die Kinder ihrer sprachlichen Ressourcen bedienen, um die familiären und schulischen Anforderungen an Schriftsprache zu erfüllen.