101 Reykjavík

101 Reykjavík

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Roman. Ausgezeichnet mit dem Nordic Council Prize 1998

Gebunden
Klett-Cotta, 2013, 440 Seiten, Format: 13,3x20,9x3,1 cm, ISBN-10: 3608980075, ISBN-13: 9783608980073, Bestell-Nr: 60898007A

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Mr. Gwyn
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Produktbeschreibung

Leseprobe:

Personen

Lolla, Suchtberaterin

Hlynur Björn, Sohn von Berglind

Páll Níelsson, Zahnarzt

Þröstur, Freund von Hlynur

Ellert, Páls Sohn

Rósi

Gulli, Schwule

ein Pfarrer

Marri,

Reynir, Barbesucher

Tímur

Sigurlaug, Páls Ehefrau

Katarína, ungarische Prinzessin

Berglind, Hlynurs Mutter

Hólmfriður, Páls Tochter

Hafsteinn, Hlynurs Vater

Familienmitglieder, Taxifahrer, Organkuriere, Barkeeper, Typen, Clique, Mädel, Nutten, Verkäuferinnen, Nachrichtenleute usw.

Das Stück spielt überwiegend im Einzugsbereich der Postleitzahl 101, dem Innenstadtbereich der Hauptstadt Reykjavík

Immerhin. Ich versuche wenigstens aufzuwachen, ehe es dunkel wird. Um ein bißchen Helligkeit in den Tag zu bekommen, mich einzuchecken, einen Stempel zu kriegen. Die Sonne ist eine Stempeluhr. Ohne daß man einen Job hat, weder bei ihr noch sonstwo. He, Sonnensystem, Sozialversicherungssystem.

Es ist immer gleich schwer, aufzuwachen. Als ob man seit 400 Jahren in der Kiste läge und sich erst durch sechsFuß Erde buddeln müsse. Jeden Morgen. Helligkeit fällt durch die Gardinen. Plötzlich kommen mir die Ziffern auf dem Radiowecker wie Jahreszahlen vor: 1601. Ich erwache viel zu früh, werde doch erst in gut 400 Jahren geboren. Naja. Ich greife nach der Colaflasche und nehme einen Schluck: Ein Gutermorgenkuß mit Mundgeruch. Man soll nie ein Mädel am Morgen danach küssen, schmeckt schal und abgestanden, als wäre sie am verwesen, tot. Meist ist sie auch hinüber. Man sollte nie beischlafen. Schlaf ist Tod. Und jeden Morgen Auferstehung. Auferstehung des Fleisches. Mein kleiner Johnny steht jedesmal als erster. Ich fühle die Fernbedienung an meinen Füßen, kann sie aber noch immer nicht mit den Zehen bedienen.

Kanal 52: Interview mit einem deutschen Kneipenbesitzer. Er zapft drei Glas Bier. Ich will auch eins. Trinke noch mal von der Cola. Kanal 53: Englische Gartenpflege. Kanal 54: Ein Studio in Madrid. Kanal 36: Indische Sängerin (20.000). Kanal 37: Wettervorhersage für Südostasien. Sieht nach einem schönen Wochenende in Burma aus.

Ich zappe mich durch die ganze Skala. Keine Pussy. Warum gibt es morgens keine Pornos? Haben die noch nie was von einer Morgenlatte gehört? Dann würde man vielleicht aufwachen. The Morning Porn Show. Meiner steht immer als erster auf. Vielleicht ist das mit Bedacht so eingerichtet. Es ist leichter, den Rest auf die Beine zu kriegen, wenn er schon mal steht. Der kleine Steher. Gebaut wie ein einäugiger, halsloser Bodybuilder. Mit Kopf, aber ohne Hirn; vielleicht hat er es abgegeben, spuckt ja ständig hellgraue Zellen aus. Ich stehe nie auf, wenn er nicht vorher aufgestanden ist. Ich packe ihn am Kragen und schüttele ihn; erst auf dem Klo gibt er auf. Ich murkse an ihm herum und halte die Hand vor. Warum lesen Wahrsagerinnen lieber aus trockenem Kaffeesatz als aus der nassen Handfläche? Da liegt mein Leben schäumend in der eigenen Hand. Rinnt die Straße der Lebenslinie hinab.

Eine Zigarette. Der Tag ist wie eine weiße Zigarette, unddie Sonne die Glut, die sich durch Rauchwolken an ihr entlangfrißt und in einem abendgelben Filter verlischt. Sonne und Kippe, beide gleich krebserregend. Es wird schon wieder dunkel. Brauche also erst gar nicht die Gardinen aufzuziehen. Ich binde meine Armbanduhr um, kette mich an die Zeit, die Erdrotation, die Sonne und das ganze System, 16:16, und ich gehe in die Küche. Cheerios. Schon auf dem Teller. Was ist los? Soll ich auf einmal bemuttert werden? Das ist zu viel. Sie hat zu viel auf den Teller geschüttet. Die richtige Menge beträgt genau 365. Mit Milch nehme ich einen nach dem anderen ein. Das Radio. Das erste Lied gibt den Ton für den ganzen Tag an. Passion von Rod Stewart. Weiß nicht so recht.

Auge in Auge mit Woody Allen. Wann macht er endlich den Mund auf? Einmal muß es doch soweit sein. Dazu hat man schließlich Poster an der Wand. Ich starte den Mac. Macintosh sagt Guten Tag. Sie sollt

Autorenbeschreibung

Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, besuchte nach dem Studium an der Hochschule für Kunst und Kunstgewerbe in Reykjavík für ein Jahr die Kunstakademie in München. Den internationalen Durchbruch brachte ihm 1996 der Roman »101 Reykjavík«, der kurze Zeit später verfilmt wurde. Helgason ist einer der international erfolgreichsten Autoren Islands. Zuletzt erschienen bei Tropen »Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen« und »Eine Frau bei 1000º«.


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