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Autor(en): Sibylle Peters, Holger Seidel, Kai Reinhardt
Verlag: Gabler Verlag
Version: 1. Auflage, 2006
Umfang: 240 Seiten
Format: PDF: 14,83MB
ISBN: 3834903272
Bestell-Nr.: 83499277P
Artikeltyp: E-Book
 

Wie wirken sich Standortentscheidungen auf die Wissens- und Innovationspotenziale von Unternehmen, Regionen bzw. Gesellschaften aus? Diese Frage wird bisher völlig vernachlässigt. Dieses Buch betrachtet erstmalig das Phänomen internationaler Verlagerungen im Kontext der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft und der damit verbundenen Abhängigkeit von Bildung und Kompetenz. Die Autoren vermitteln dem Leser anhand vielschichtiger ökonomischer und soziologischer Facetten die Grundlagen, Risiken und Potenziale von Standortverlagerungen. Zahlreiche Modelle zeigen anschaulich Möglichkeiten und Grenzen von Verlagerungen auf.- Globalisierung und Wissensgesellschaft- Standortdebatte Deutschland- Standortverlagerungen aus volks- und betriebswirtschaftlicher Sicht- Phänomen der Rückverlagerung- Praxis wissensbasierter Standortverlagerungen- Standortverlagerungen mit dem Wissensstandort-Monitor beurteilenEin sehr informatives und praxisrelevantes Buch, das anhand zahlreicher Beispiele einen umfassenden Einblick sowie eine neue Sicht auf das komplexe Thema der Standortverlagerung bietet.Prof. Sibylle Peters lehrt Betriebliche Weiterbildung und Personalentwicklung am Institut für Berufs- und Betriebspädagogik der Universität Magdeburg. Kai Reinhardt befasst sich seit Jahren mit dem Themen der strategischen Unternehmensführung und berät Unternehmen auf dem Gebiet des Wissens- und Kompetenzmanagements. Holger Seidel leitet die Hauptabteilung Logistiksysteme und -netze am Fraunhofer Institut IFF Magdeburg.


Leseprobe:

3 Triebkrafte globaler Standortentscheidungen (S. 34-35)

Um sich den Auswirkungen der Globalisierung speziell unter dem Gesichtspunkt von Verlagerungsentscheidungen im unternehmerischen Umfeld zu nahern, stellt sich die Frage nach den Triebkraften und Ursachen. Die Literatur bietet zu den Motiven, die Untemehmen zu Standortentscheidungen bewegen, zahlreiche Erklarungsansatze. Dennoch muss, wenn man sich dem Thema der Standortverlagerung aus einer Wissensperspektive nahert, dariiber nachgedacht werden, inwieweit konventionelle Erklarungsmuster die neuen Rahmenbedingungen einer globalen Wirtschafts- und Standortpolitik antizipieren. Die Beobachtungen in der Praxis lassen den nahe liegenden Schluss zu, dass der Grofiteil aller Verlagerungen derzeit auf rein betriebswirtschaftlichen Motiven und Entscheidungen fufit.

Um die Motive verstehen zu konnen, bedarf es eines genaueren Blickes auf die Grundlagen und Hintergriinde internationaler Standortwahl sowie den Mechanismen, die Untemehmen zur Internationalisierung bewegen.

3.1 Standort, Standortfaktoren und Standortverlagerung

Engelmann, Hummel, Karl Dungs, Sanitartechnik Eisenberg, Vaillant, Viega, Viessmann - das, was sich wie die Mitgliederliste der ortlichen Handwerkskammern liefit, ist in Wirklichkeit ein kleiner Auszug deutscher Unternehmensreprasentanzen in China.l^ Diese Liste liefie sich endlos weiterfiihren, wiirde man alle deutschen Dependancen an auslandischen Standorten erfassen woUen. Es wird also deutlich, dass Internationale Standortentscheidungen schon langst zum Unternehmensalltag in Deutschland gehoren und das „Schreckgespenst'' der Verlagerung auf eine reine Medienlegende reduziert werden kann. Wenn also zum AUtag des unternehmerischen Handelns die Selektion neuer Standorte und der Transfer von wertschopfenden Leistungen gehoren, muss als Erstes geklart werden, was ein Standort im betriebswirtschaftlichen Sinne darstellt, welche RoUe in diesem Zusammenhang Standortfaktoren spielen und wie neue Standorte in der unternehmerischen Entscheidungsfindung ausgewahlt werden.

Seit etwa 150 Jahren sind im Rahmen der wirtschaftswissenschaftlichen Standorttheorie hinsichtlich der Frage nach dem optimalen Standort eine Vielzahl an Theorieansatzen unterschiedlicher Typologien entwickelt worden. Die traditionelle Standorttheorie versucht zum einen zu erklaren, aufgrund welcher okonomischen Determinanten Unternehmen eine Ansiedlungsentscheidung hinsichtlich bestimmter Standorte oder Regionen treffen. Zum anderen geht es um die Frage, welchen Einfluss der Standort des Unternehmens, hinsichtlich Kosten, Ertragen, Gewinn oder der Innovationsfahigkeit, auf den Betriebserfolg hat [Maier/Todtling 1995, 21]. Vor dem Hintergrund, dass Standort- und Produktionsverlagerungen von Unternehmen mittlerweile ein alltaglicher Trend der wirtschaftlichen Entwicklung geworden sind, stellt sich nicht nur bei der Verlagerung, sondern bereits bei der Griindung eines Unternehmens die Frage nach den Qualitaten bestimmter Standorte.

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