Soziale Mechanismen im Betrieb
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| Autor(en): | Norbert Huchler, G. G. Voß, Margit Weihrich |
| Verlag: | Rainer Hampp Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2007 |
| Umfang: | 288 Seiten |
| Format: | PDF: 1,93MB |
| ISBN: | 3866181345 |
| Bestell-Nr.: | 86618134P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Dieses Buch sucht nach Antworten und wählt einen für die Arbeits- und Industriesoziologie ungewöhnlichen Zugang. Im Zentrum steht ein innovatives sozialtheoretisches Konzept, mit dem Formen der betrieblichen Steuerung von Arbeit als spezifische Ausprägungen allgemeiner Mechanismen sozialer Abstimmung begriffen werden: von Markt, Herrschaft, Solidarität und Subjektivität. Diese Mechanismen regeln Beziehungen auf allen sozialen Ebenen (der Gesamtgesellschaft, der Organisation, der Interaktion und des Subjekts) und in allen gesellschaftlichen Sphären, so auch im Bereich Betrieb und Arbeit.
Das vorgeschlagene mehrebenenorientierte Mechanismenkonzept bringt die spezifische Theorie der Arbeits- und Industriesoziologie und die allgemeine soziologische Theoriediskussion näher zusammen und versucht zugleich eine Annäherung von subjektorientierter und aktortheoretischer Perspektive. Die AutorInnen nutzen das Konzept in mehrfacher Richtung: In theoretischen Analysen wird danach gefragt, was geschieht, wenn Markt, Solidarität und Subjektivität innerhalb des genuin herrschaftlichen Zusammenhangs Betrieb eingesetzt werden, wie dies derzeit verstärkt geschieht.
Die empirischen Ausprägungen werden im Rahmen von Betriebsfallstudien untersucht, wobei Strategien der Ergebnissteuerung und insbesondere das Instrument der Zielvereinbarungen im Mittelpunkt stehen. Was Ergebnissteuerung konkret für betroffene MitarbeiterInnen bedeutet, wird aus den Interpretationen von Fallerzählungen herausgearbeitet, die von interdisziplinären Forschungsteams vorgelegt wurden. Das Mechanismenkonzept dient dabei als Basis für einen systematischen Theorievergleich verschiedener Interpretationsansätze.
Das Buch wendet sich an WissenschaftlerInnen wie PraktikerInnen, die sich speziell für das Themenfeld der "Entgrenzung" und "Subjektivierung" von Arbeit und allgemein für betriebliche Strategien interessieren. Es ist aber auch für SozialtheoretikerInnen aufschlussreich, die nach Weiterentwicklungen der derzeit diskutierten soziologischen Mechanismenkonzepte suchen.
Leseprobe:
IV Soziale Mechanismen im Betrieb – empirische Fallstudien ( S. 125)
Das folgende Kapitel wechselt nun von den theoretischen Überlegungen zu den empirischen Arbeiten der beiden soziologischen Projektstränge im „Lernenden Forschungszusammenhang" (LeFo). Wie eingangs erläutert, verfolgten diese Projektstränge zwei getrennte, aber aufeinander bezogene Vorhaben:
• Zum Einen arbeits- und industriesoziologisch angelegte Betriebsfallstudien in fünf Unternehmen zum Einsatz von Verfahren der „Ergebnissteuerung" im Zuge einer fortschreitenden Entgrenzung von Arbeit im Rahmen der so genannten „Problemdefinitionswerkstätten" von LeFo
• Zum Anderen sozialtheoretisch angeleitete theorievergleichende Analysen der in den so genannten „Interpretationswerkstätten" von LeFo produzierten Interpretationen von Fallerzählungen aus den untersuchten Betrieben.
Der arbeits- und industriesoziologische Strang hatte die Aufgabe, in einem mehrstufigen Feldprozess in den ausgewählten Kooperationsbetrieben umfangreiches empirisches Material zu generieren, das für zwei Zwecke verwendet wurde: Zum einen war es die Basis einer eigenständigen arbeits- und industriesoziologischen Auswertung mit dem Ziel, Erkenntnisse zum Themenfeld „Entgrenzung von Arbeit" am Beispiel der untersuchten Ergebnissteuerung (unter besonderer Berücksichtigung des Instruments der Zielvereinbarung) zu erarbeiten.
Zum zweiten ging es darum, für die Arbeit der Interpretationswerkstätten geeignetes empirisches Fallmaterial zu generieren. Im Mittelpunkt stand dabei ein erzählungsgenerierendes Leitfadeninterview mit einer FallgeberIn, das um eine „subjektive Handlungsproblematik"266 kreiste, die im Zusammenhang mit den betrieblichen Reorganisationsprozessen stand.
Diese FallgeberIn wurde in jedem Betrieb in einem schrittweise sich zuspitzenden Suchprozess ausgewählt und interviewt. Das transkribierte Interview wurde den ForscherInnen der Interpretationswerkstätten im Rahmen eines Materialbands zur Verfügung gestellt, der darüber hinaus umfangreiche Informationen zum untersuchten Betriebsfall und zum Forschungsprozess im Feld enthielt.
Der theorievergleichende Strang konzentrierte sich in seiner Empirie auf die Analyse der interdisziplinär angelegten Theorie-Arbeit in den Interpretationswerkstätten – ein Verfahren, das soziologisch in dieser Form erstmalig praktiziert wurde.
Das empirische Vorgehen bestand – neben der beobachtenden Teilnahme an den vor Ort durchgeführten Workshops – vor allem in der Auswertung der schriftlichen Analysen („Expertisen"), die die in den Interpretationswerkstätten tätigen ForscherInnen über ein- und dieselbe Fallerzählung erstellten. Ziel war ein metatheoretischer Vergleich der in den Analysen angewendeten konzeptionellen Perspektiven mit besonderem Fokus auf die jeweils zugrundegelegten Vorstellungen davon, was jeweils der „Aktor" oder das „Subjekt" in den untersuchten Fallerzählungen ist und welche Rolle ihm interpretativ ‚zugestanden‘ wird.
1 Entgrenzung und Ergebnissteuerung von Arbeit
Norbert Huchler
Der arbeits- und industriesoziologische Projektstrang hatte (wie angeführt) im Rahmen seiner Arbeiten in den Problemdefinitionswerkstätten die Doppelaufgabe einer eigenständigen Untersuchung von Betriebsfällen sowie der Produktion eines Materialbands pro Betrieb für die Arbeit in den Interpretationswerkstätten. Der folgende Abschnitt konzentriert sich auf die erste Aufgabe, die allerdings durch die zweite Funktion in ihrer Gesamtanlage wie auch im Detail der Durchführung geprägt wurde.
Die empirischen Arbeiten teilten sich in folgende Schritte:
1. Erste Aufgabe war es, über Firmenkontakte der Forscher selbst wie auch unter Inanspruchnahme von professionellen Netzwerken geeignete Kooperationsbetriebe für die empirische Untersuchung zu gewinnen. Geeignet war ein Betrieb dann, wenn im Unternehmen insgesamt oder in wichtigen Bereichen Prozesse der Entgrenzung von Arbeit stattfanden, vor allem wenn diese mit dem Einsatz von Verfahren der Ergebnissteuerung begleitet wurden.
Es gelang nach und nach, im Zuge aufwändiger Kontaktierungen und vielfältiger Vorgespräche mit Management und Mitarbeitervertretungen (deren Inhalte dann auch in die Auswertungen eingingen), insgesamt fünf Großunternehmen aus bewusst unterschiedlich gewählten Branchen zu akquirieren, dort jeweils einen geeigneten Bereich zu identifizieren und diesen in einen mehrstufigen Kooperationsprozess einzubinden (hier in der Reihenfolge der Kontaktierung und Bearbeitung,
Der besondere Tipp
Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!
Anhand verblüffender Experimente und einfacher Übungen lernen Sie, wie unsere Umwelt die Gedanken und die Gedanken unsere Umwelt beeinflussen.
Früher: 12,00€
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