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Psychische Distanz und Internationalisierung von KMU
 

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Psychische Distanz und Internationalisierung von KMU

 
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Autor(en): Radka Hodicovà
Verlag: DUV Deutscher Universitäts-Verlag
Version: 1. Auflage, 2007
Umfang: 318 Seiten
Format: PDF: 1,75MB
ISBN: 3835009001
Bestell-Nr.: 83505454P
Artikeltyp: E-Book
 

Internationalisierung ist inzwischen nicht mehr eine Domäne von Großunternehmen, sondern veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen eröffnen gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen Erfolg versprechende Perspektiven im Auslandsgeschäft. Radka Hodicová geht der Frage nach, wie die Besitzer von KMU bei der Suche nach einem ausländischen Kooperationspartner vorgehen und welche Faktoren die Überlegungen und Entscheidungen dieser Unternehmer beeinflussen. Sie greift die These auf, dass der Persönlichkeit des Unternehmers dabei eine zentrale Rolle zukommt und dass Unternehmer eher solche Auslandsmärkte in Betracht ziehen, die sie als vertraut empfinden. Die Autorin erklärt dies mit Hilfe des Konstrukts der psychischen Distanz und identifiziert anhand von qualitativen Tiefinterviews mit Unternehmern im sächsisch-tschechischen Grenzraum die Erklärungsvariablen dieses Konstruktes. Abschließend gibt sie praxisbezogene Handlungsempfehlungen zum Aufbau funktionierender grenzüberschreitender Kooperationsbeziehungen.


Leseprobe:

2 Die Rolle des Unternehmers bei der Internationalisierung von KMU (S. 7)

2.1 Die Entscheidung über die Aufnahme von Auslandsaktivitäten als strategisches Entscheidungsproblem

2.1.1 Spezifika des Informations- und Entscheidungsverhaltens in KMU

Unter Entscheidung ist ein Wahlakt zwischen Alternativen zu verstehen, welcher die Existenz von mindestens einem Entscheidungssubjekt (einem Entscheidungsträger) voraussetzt (vgl. Kahle, 1997, S. 9). Dieser Wahlakt, der entweder individuell oder kollektiv getroffen werden kann, ist durch einen prozessualen Charakter geprägt. Demzufolge können unter Entscheidungen grundsätzlich „Prozesse der Gewinnung und Verarbeitung von Informationen" (Bamberger/ Evers, 1997, S. 107) verstanden werden.

Den theoretischen Grundlagen von betrieblichen Entscheidungen wird in der einschlägigen Literatur große Aufmerksamkeit gewidmet (vgl. bspw. Pfohl/Braun, 1981, S. 21ff., Kirsch, 1988, S. 1ff., Bamberg/Coenenberg, 1992, S. 1ff., Kahle, 1997, S. 9ff.). Dabei wird ein spezielles Augenmerk auf die Rationalität solcher Entscheidungen gelegt. Neben der Unterscheidung zwischen formaler und substantieller Rationalität werden in der Literatur insb. objektive und subjektive Rationalität thematisiert (vgl. bspw. March/Simon, 1976, S. 129ff., Kirsch, 1988, S. 6ff., Neulinger, 1992, S. 64ff., Kahle, 1997, S. 11).

Die auf dem Homo-Oeconomicus-Modell aufbauende objektive Rationalität kann allerdings auf Grund der in der Realität nicht anzutreffenden Bedingungen das reale Entscheidungsverhalten kaum erklären. Die Gründe dafür bestehen neben der Notwendigkeit der Kenntnis aller Alternativen sowie deren Konsequenzen auch darin, dass der Entscheidungsträger den Nutzen aller Konsequenzen kennen müsste (vgl. March/Simon, 1976, S. 130).

Die in der Realität fehlenden Informationen sowie situative Einflüsse, kulturelle Heterogenität5 oder auch das Zufriedenstellen mit einer nicht nutzenmaximierten Lösung führen dazu, dass das tatsächliche Verhalten „von den Modellvorgaben abweicht" (Zellenberg, 1994, S. 31). Die Einbeziehung von verhaltenswissenschaftlichen Aspekten in die entscheidungsorientierte Betriebswirtschaftslehre hatte zur Folge, dass der Mensch mit seiner individuellen Motivstruktur in den Vordergrund gestellt wurde (vgl. Lindert, 1993, S. 42).

Die Individuen gehen bei ihren Entscheidungen von einem subjektiven Modell der Realität aus (vgl. Kirsch, 1988, S. 12), in dem neben rationellen, logischen Kriterien auch Intuition oder Emotionen eine Rolle spielen, deren Einfluss auf betriebliche Entscheidungen eine lange Zeit als destruktiv und dysfunktional bezeichnet wurde (vgl. Nippa, 2001, S. 216). Darüber hinaus sind die Entscheidungsprozesse durch individuelle Entscheidungsanomalien (im Sinne der objektiven Rationalität) gekennzeichnet, die u. a. in Reihenfolgeeffekten, ungenügender Prognosefähigkeit oder im Konservatismus bestehen (vgl. Müller/Kornmeier, 2002, S. 456ff., Klose, 1994, S. 43ff.).

Die in der normativen Entscheidungstheorie vorausgesetzte objektive Rationalität mit ihrer formalen Entscheidungslogik wird durch für die subjektive Rationalität eher zutreffende sog. Psycho-Logik ersetzt (vgl. Neulinger, 1992, S. 64). Die Entscheidungsprozesse werden von zahlreichen Variablen beeinflusst. Aus dieser Vielfalt von Einflussfaktoren folgt, dass die komplexen Entscheidungsprobleme auf Grund kognitiver Beschränkungen des Individuums vereinfacht werden müssen (vgl. Zellenberg, 1994, S. 33).

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