Psychische Distanz und Internationalisierung von KMU
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Radka Hodicovà |
| Verlag: | DUV Deutscher Universitäts-Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2007 |
| Umfang: | 318 Seiten |
| Format: | PDF: 1,75MB |
| ISBN: | 3835009001 |
| Bestell-Nr.: | 83505454P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Leseprobe:
2 Die Rolle des Unternehmers bei der Internationalisierung von KMU (S. 7)
2.1 Die Entscheidung über die Aufnahme von Auslandsaktivitäten als strategisches Entscheidungsproblem
2.1.1 Spezifika des Informations- und Entscheidungsverhaltens in KMU
Unter Entscheidung ist ein Wahlakt zwischen Alternativen zu verstehen, welcher die Existenz von mindestens einem Entscheidungssubjekt (einem Entscheidungsträger) voraussetzt (vgl. Kahle, 1997, S. 9). Dieser Wahlakt, der entweder individuell oder kollektiv getroffen werden kann, ist durch einen prozessualen Charakter geprägt. Demzufolge können unter Entscheidungen grundsätzlich „Prozesse der Gewinnung und Verarbeitung von Informationen" (Bamberger/ Evers, 1997, S. 107) verstanden werden.
Den theoretischen Grundlagen von betrieblichen Entscheidungen wird in der einschlägigen Literatur große Aufmerksamkeit gewidmet (vgl. bspw. Pfohl/Braun, 1981, S. 21ff., Kirsch, 1988, S. 1ff., Bamberg/Coenenberg, 1992, S. 1ff., Kahle, 1997, S. 9ff.). Dabei wird ein spezielles Augenmerk auf die Rationalität solcher Entscheidungen gelegt. Neben der Unterscheidung zwischen formaler und substantieller Rationalität werden in der Literatur insb. objektive und subjektive Rationalität thematisiert (vgl. bspw. March/Simon, 1976, S. 129ff., Kirsch, 1988, S. 6ff., Neulinger, 1992, S. 64ff., Kahle, 1997, S. 11).
Die auf dem Homo-Oeconomicus-Modell aufbauende objektive Rationalität kann allerdings auf Grund der in der Realität nicht anzutreffenden Bedingungen das reale Entscheidungsverhalten kaum erklären. Die Gründe dafür bestehen neben der Notwendigkeit der Kenntnis aller Alternativen sowie deren Konsequenzen auch darin, dass der Entscheidungsträger den Nutzen aller Konsequenzen kennen müsste (vgl. March/Simon, 1976, S. 130).
Die in der Realität fehlenden Informationen sowie situative Einflüsse, kulturelle Heterogenität5 oder auch das Zufriedenstellen mit einer nicht nutzenmaximierten Lösung führen dazu, dass das tatsächliche Verhalten „von den Modellvorgaben abweicht" (Zellenberg, 1994, S. 31). Die Einbeziehung von verhaltenswissenschaftlichen Aspekten in die entscheidungsorientierte Betriebswirtschaftslehre hatte zur Folge, dass der Mensch mit seiner individuellen Motivstruktur in den Vordergrund gestellt wurde (vgl. Lindert, 1993, S. 42).
Die Individuen gehen bei ihren Entscheidungen von einem subjektiven Modell der Realität aus (vgl. Kirsch, 1988, S. 12), in dem neben rationellen, logischen Kriterien auch Intuition oder Emotionen eine Rolle spielen, deren Einfluss auf betriebliche Entscheidungen eine lange Zeit als destruktiv und dysfunktional bezeichnet wurde (vgl. Nippa, 2001, S. 216). Darüber hinaus sind die Entscheidungsprozesse durch individuelle Entscheidungsanomalien (im Sinne der objektiven Rationalität) gekennzeichnet, die u. a. in Reihenfolgeeffekten, ungenügender Prognosefähigkeit oder im Konservatismus bestehen (vgl. Müller/Kornmeier, 2002, S. 456ff., Klose, 1994, S. 43ff.).
Die in der normativen Entscheidungstheorie vorausgesetzte objektive Rationalität mit ihrer formalen Entscheidungslogik wird durch für die subjektive Rationalität eher zutreffende sog. Psycho-Logik ersetzt (vgl. Neulinger, 1992, S. 64). Die Entscheidungsprozesse werden von zahlreichen Variablen beeinflusst. Aus dieser Vielfalt von Einflussfaktoren folgt, dass die komplexen Entscheidungsprobleme auf Grund kognitiver Beschränkungen des Individuums vereinfacht werden müssen (vgl. Zellenberg, 1994, S. 33).
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