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Professor mit Kind - Erfahrungsberichte von Wissenschaftlern
 

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Professor mit Kind - Erfahrungsberichte von Wissenschaftlern

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Julia Reuter, Günther Vedder, Brigitte Liebig (Hrsg.)
Verlag: Campus Verlag
Version: 1. Auflage, 2008
Umfang: 256 Seiten
Format: PDF: 1,7MB
ISBN: 3593386615
Bestell-Nr.: 59338661P
Artikeltyp: E-Book
 

Professoren werden selten als Väter wahrgenommen, geschweige denn als Väter, die Probleme haben, die wissenschaftliche Karriere mit ihrer Vaterrolle zu vereinbaren. An der Universität zählen uneingeschränkter Einsatz, Mobilität und überdurchschnittliche Leistung. Professoren, die engagierte Väter sein wollen, empfinden ihr Leben zwischen Familie und Beruf daher oft als schwierigen Balanceakt. Mit großer Offenheit berichten Professoren aus Deutschland und der Schweiz über ihre Berufs- und Familienbiografien. Und sie machen Vorschläge, wie Hochschulen familienfreundlicher gestaltet werden können. Die persönlichen Interviews sind aber auch ein Appell an die Kollegen, das eigene Vatersein an der Hochschule zu thematisieren und damit das Bild des Wissenschaftlers und Professors zu emanzipieren.


Leseprobe:

Professoren als Väter: Befunde und Fragestellungen (S. 9)

Julia Reuter/Günther Vedder

Von Albert Einstein wird gesagt, dass er ein schlechter Vater gewesen sei, der seine Kinder vernachlässigte, Sigmund Freud galt als Arbeitsmensch und Patriarch, Karl Marx jüngste Tochter stellte sich früh in den Dienst des berühmten Vaters, konnte aber Zeit ihres Lebens nie aus seinem Schatten heraustreten. Während wir von Biographinnen und Biographen über das Leben berühmter verstorbener Wissenschaftler viel erfahren, wissen wir vom Privatleben der lebenden Akademiker wenig. Haben sie überhaupt Familie?

Welche Herausforderungen stellen sich ihnen als Vater? Wie vereinbaren sie ihre akademische Karriere und ihr privates Leben? Beim Nachdenken über die Situation von Eltern in der Wissenschaft drängt sich hartnäckig das Bild der kinderlosen Akademikerin an deutschen Universitäten auf, die – zerrieben von den Anforderungen einer Hochschulkarriere – auf Kinder verzichtet, nicht selten verzichten muss.

Welche individuellen Ursachen, welche biographischen und gesellschaftlichen Folgen diese häufig individualisierte ›(Not-)Lösung‹ der Vereinbarkeitsproblematik hat, wurde mittlerweile hinreichend thematisiert. Akademikerinnen mit Kind haben seit einigen Jahren ihren festen Platz in der Gleichstellungs- und Förderungspolitik, wie auch in der Geschlechterforschung (vgl. Macha u.a. 2000).

Kaum aber wurde bisher über die sich nach wie vor in der Mehrheit befindenden männlichen Hochschullehrer mit Kindern nachgedacht. Wie begegnen Männer den Anforderungen, die vom Hochschulsystem und der scientific community an sie gestellt werden, wie reagieren sie auf die Bedürfnisse, die das private Umfeld, Familie, Freunde an sie herantragen, und wie gehen sie mit ihren eigenen Vorstellungen von Vaterschaft um?

Schließlich hat sich parallel zum Mythos der ›guten Mutter‹ auch das Ideal des ›engagierten Vaters‹ in weiten Teilen der Gesellschaft durchgesetzt (vgl. Pohl 2006). Haben auch männliche Wissenschaftler ein Vereinbarkeitsproblem und, wenn ja, welche Formen nimmt dieses im beruflichen und privaten Alltag an? Fragen, denen wir uns in diesem Buch anhand von Erfahrungsberichten von Professoren mit Kindern widmen.

Männer zwischen Familie und Beruf

Dass es zur Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bislang noch kein Buch über Wissenschaftler gibt, ist hierzulande sicherlich der nach wie vor wenig etablierten Männerforschung geschuldet.

Sie kann sich im Vergleich zur Frauenforschung nicht auf eine umfassende Männerbewegung berufen und wird zudem von historischen beziehungsweise sozialisationstheoretischen Themen dominiert.

Ein weiterer Grund ist, dass (Wissenschafts-)Eliten grundsätzlich wenig erforscht sind und – wenn überhaupt – stehen Fragen nach Karrieremustern und Rekrutierungssystemen und weniger nach Elternschaft und Alltagsbewältigung im Vordergrund (vgl. Bourdieu 2004, Hartmann 2004). Schließlich benötigen außergewöhnliche Buchprojekte wie dieses einen besonderen Impuls – einen Hinweis auf herausfordernde Themen, auf blinde Flecken oder einen besonderen Forschungsbedarf.

Den Anstoß zu diesem Buch verdanken wir Michael Meuser, dem Soziologen und Geschlechterforscher. Er konstatierte in seinem Kommentar zu den 2005 unter dem Titel »Kind und Karriere« veröffentlichten Erfahrungsberichten von Wissenschaftlerinnen abschließend, dass »ein Band, in dem Männer darlegen, wie sie ihre wissenschaftliche Karriere und ihre Aufgaben und Pflichten als Vater miteinander vereinbaren, […] vermutlich in absehbarer Zeit nicht geschrieben werden [wird]« (Meuser 2005: 323).

Wie kam Michael Meuser zu dieser Einschätzung? Nach seiner Überzeugung müssen sich Wissenschaftler weniger Gedanken um ihre Work- Life-Balance machen, weil ihnen die Familienarbeit ihrer Partnerinnen als unsichtbare Karriereressource zur Verfügung steht. Die Frauen sind (oder fühlen sich) für das Vereinbarkeitsmanagement in den Familien zuständig, was der beruflichen Laufbahn der Männer eine größere Planungssicherheit beschert.

Selbst bei Dual-Career-Couples, die im Hochschulbereich nicht selten sind, liegt die Zuständigkeit für den familiären Zusammenhalt und den Haushalt nach wie vor überwiegend in der Hand der Frau. Auch wenn Frauen die eigenen beruflichen Pläne nicht fallen lassen, sind sie es, die sie den jeweiligen Bedingungen anpassen (vgl. Behnke/Meuser 2003: 289).

Die Praxis zeigt aber auch, dass das Vereinbarkeitsmanagement nach wie vor ›in den eigenen vier Wänden‹ ausgehandelt wird, das heißt, dass die Geschlechterungleichheit von den Betroffenen nicht als soziale, sondern – wenn überhaupt – als personenbezogene Ungleichheit wahrgenommen wird.

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