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Poetik der Kunstgeschichte
 

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Poetik der Kunstgeschichte

Zur ästhetischen Begründung der deutschen Kunstwissenschaft bei Anton Springer und Carl Justi
 
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Buchausgabe: 59,80€
Download-Version: 54,80€

(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Johannes Roessler
Verlag: Akademie Verlag GmbH
Version: 1. Auflage, 2008
Umfang: 457 Seiten
Format: PDF: 6,29MB
ISBN: 3050044519
Bestell-Nr.: 05004451P
Artikeltyp: E-Book
 

Carl Justi und Anton Springer gehören zu den herausragenden Kunsthistorikern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Texte haben die Entwicklung des Fachs Kunstgeschichte maßgeblich beeinflusst. Wegweisend sind die Beiträge Springers zum Nachwirken der Antike, zur Erforschung der Handzeichnung und zur ikonographischen Analyse. Die Velázquez-Monographie von Carl Justi ist einer der ersten großen Forschungsbeiträge zur spanischen Kunst und zählt zusammen mit Jacob Burckhardts Cultur der Renaissance zu den kulturgeschichtlichen Hauptwerken des 19. Jahrhunderts. 

Die Studie geht den ideellen Hintergründen dieser wissenschaftshistorisch kaum erschlossenen Phase der deutschen Kunstliteratur nach. Auf Basis neuer Quellen versucht sie eine umfassende Revision jenseits der Klischees über den gründerzeitlichen Historismus. Sie rekonstruiert die methodischen Impulse, die von Geschichtsphilosophie, Ästhetik und Literatur ausgingen und entscheidend auf die Werkinterpretation und die Auffassung von der künstlerischen Kreativität gewirkt haben. Mittel der Fiktion, rhetorische Elemente und Bezüge zur Romanprosa erweisen sich als zentraler Bestandteil einer methodisch reflektierten Kunstgeschichtsschreibung. 

Mit Seitenblicken auf die Schriften von Herman Grimm zeigen die Textanalysen zu Justi und Springer, wie das hermeneutische Fundament der deutschen Kunstwissenschaft im Kontext von ideengeschichtlichen Faktoren und personellen Netzwerken entstand. Erstmals werden die ästhetischen und ideellen Grundlagen der universitären Kunstgeschichtsschreibung in der Gründerzeit systematisch erschlossen.




Leseprobe:

II. Realistischer Klassizismus
Methodik und Darstellung bei Anton Springer (S. 13-14)

1. Zwischen Wissenschaft, Politik und Ästhetik: Anton Springer im Kontext

Mit Anton Springer wird gemeinhin die methodische Konsolidierung der Kunstwissenschaft und ihre universitäre Institutionalisierung im 19. Jahrhundert verbunden. Als einer der ersten Kunsthistoriker, der in der akademischen Lehre eine systematische Methodik vermittelte, ist sein Beitrag zur Etablierung und gesellschaftlichen Akzeptanzbildung des Fachs kaum zu überschätzen. Auch die Tatsache, daß er nacheinander die drei ersten kunsthistorischen Universitätslehrstühle besetzte, macht die herausragende Stellung als Gründervater deutlich. Zu seinen Hörern in Bonn, Straßburg und Leipzig zählte fast die gesamte nachfolgende Kunsthistorikergeneration. Zu nennen sind bedeutende Namen wie Konrad (von) Lange, Julius Lessing, Alfred Lichtwark, Richard Muther, Woldemar von Seidlitz, Adolph Goldschmidt, Gustav Pauli, Wilhelm Vöge, Paul Clemen, Max J. Friedländer, Friedrich Sarre, Paul Kristeller, Harry Graf Kessler, aber auch die beiden prägendsten Persönlichkeiten des späthistoristischen Denkens, Heinrich von Treitschke und Friedrich Nietzsche. Indem Springer für den Ausbau fotografischer Sammlungen eintrat, gehörte er zu den Protagonisten einer Empirisierung, die der neuen Universitätsdisziplin den Weg in die bildwissenschaftliche Eigenständigkeit ebnete. Mit diesen organisatorischen und didaktischen Leistungen koinzidieren wegweisende methodische Ansätze: Neuere wissenschaftsgeschichtliche Arbeiten sind sich einig, daß Springer in erheblichen Maßen die Ikonogra phie Erwin Panofskys mit vorbereitet hat. Harry Graf Kessler sah in der Vermittlung formanalytischer Kriterien einen wichtigen Beitrag zur Moderne, selbst Aby Warburg notierte an den Rand eines Aufsatzes in den Bildern aus der neueren Kunstgeschichte „bravo“.Ebenso kann die Kunsterzieherbewegung Alfred Lichtwarks in Zusammenhang mit Springers Bemühungen um eine popularisierte Wissenschaftsvermittlung gesehen werden. Eine konsolidierende Wirkung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts entfaltete ferner das von Springer begründete Handbuch der Kunstgeschichte, welches, in zahlreichen Überarbeitungen wiederaufgelegt, zu den wichtigsten kunsthistorischen Lehrbüchern zählte.
Der Name Springer suggeriert aber auch: Theorieferne, Trockenheit, Positivismus.



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