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Neurofinance. Haufe Wirtschafts Sachbuch. Wie Vertrauen, Angst und Gier Entscheidungen treffen
 

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Neurofinance. Haufe Wirtschafts Sachbuch. Wie Vertrauen, Angst und Gier Entscheidungen treffen

 
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Buchausgabe: 24,80€
Download-Version: 18,99€

(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Christian E. Elger, Friedhelm Schwarz
Verlag: Haufe Verlag
Version: 1. Auflage, 2009
Umfang: 240 Seiten
Format: PDF: 1,61MB
ISBN: 3448093238
Bestell-Nr.: 44809323P
Artikeltyp: E-Book
 

Lernen Sie hier den Finanzsektor aus neurowissenschaftlicher Sicht kennen und verstehen Sie, wie die Banker, Anlageberater, Kunden, Finanzmarketing-Fachleute ticken, wenn es um Kaufen oder Verkaufen am Kapitalmarkt geht. Neue Erkenntnisse zeigen: Bei der Kaufentscheidung für eine Aktie oder einen Fonds wirkt sich bei den meisten Anlegern die Aversion gegen Verluste stärker aus als das Gewinnversprechen. Und: Im Hirnscanner ist deutlich erkennbar, dass Verlustängste einen anderen Teil des Gehirns aktiv werden lassen, als die Freude über einen Gewinn. Daher reagieren viele Anleger bei fallenden Aktienkursen nicht logisch, sondern panisch und verkaufen. INHALTE: - Jetzt erstmals aus neurowissenschaftlicher Sicht: Warum Geld für das Gehirn ein ganz besonderes Gut ist, warum wir im Umgang mit Geld immer wieder Fehler machen und wie wir sie vermeiden. - Wie Entscheidungen bei der Geldanlage und bei Investitionen getroffen werden und welche Rolle die Faktoren Risiko, Gier und Befriedigung des eigenen Belohnungssystems dabei spielen. - Welche spezifischen Prozesse im Gehirn beim Kunden zu risikoreichen bzw. risikoarmen Entscheidungen führen.


Leseprobe:

Zeitpräferenz: … lieber jetzt als später (S. 119-1120)

Der Zeithorizont spielt gerade im Zusammenhang mit dem Sparen für den einzelnen Menschen eine große, aber höchst unterschiedliche Rolle. Ist eine bestimmte Summe Geldes so angelegt, dass sie sich verzinst und die Zinsen nicht ausgezahlt werden, dann wird dieses Guthaben durch Zins- und Zinseszins immer größer werden, zumindest nominal, was, wie wir ja inzwischen wissen, für die meisten Menschen von besonderer Bedeutung ist.

Ob das Guthaben auch real wächst, hängt von vielen zukünftigen Faktoren ab, von denen die Inflationsrate und der damit verbundene Kaufkraftverlust nur einer ist. Auch Änderungen im Steuersystem oder Währungsumstellungen können Sparguthaben zunichte machen. Sparen oder zumindest bestimmte Formen des Sparens können also im Endeffekt unvernünftiger sein als aktueller Konsum. Die Hauptrolle spielt also immer die Zukunftserwartung, wobei die Eintrittswahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse sehr unterschiedlich beurteilt werden kann. Wenn man wissen möchte, wie Sparen im Gehirn aussieht, wird man sich mit den neuronalen Unterschieden bei der Bewertung der eigenen Gegenwart im Vergleich zur Zukunft befassen müssen.

Die so genannte „Future self-continuity" Hypothese geht davon aus, dass die Bedürfnisse des gegenwärtigen und des zukünftigen Selbst unterschiedlich bewertet werden. Im Prinzip steht immer die Gegenwart im Vordergrund. Aber natürlich sind wir auch in der Lage, uns Sorgen um die Zukunft zu machen oder ihr mit einer gewissen Unbekümmertheit entgegen zu blicken. Je optimistischer jemand in die Zukunft schaut, desto höher sind seine Aktivitäten in der Amygdala und dem rostralen anterioren cingulären Cortex, den beiden Optimismuszentren im Gehirn. Dabei gibt es allerdings ganz erhebliche individuelle Unterschiede, wenn es um die Differenzierung zwischen dem jetzigen und dem zukünftigen Selbst geht.

Je stärker man zwischen seinem heutigen Selbst und dem zukünftigen unterscheidet und je mehr Bedeutung man zu künftigen Ereignissen beimisst, desto höher steigt auch der Wert zukünftiger Belohnungen. Schauen wir uns dazu einmal folgende Beispiele an: Wenn vor 40 Jahren ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Bundesrepublik in den Ruhestand ging, war für ihn die aktive Phase des Lebens beendet. Er erhielt eine Altersente, die geringer war als sein Einkommen aus der Erwerbstätigkeit, und befand sich, etwas übertrieben formuliert, in einer Übergangszeit, die mit seinem Tod endete.

Seinen Wert als Arbeitskraft hatte er im Prinzip verloren. Entsprechend gering waren seine Interessen, aber auch seine Möglichkeiten, für die Zeit nach der Pensionierung vorzusorgen. Die am häufigsten abgeschlossene Versicherung war die so genannte Sterbegeldversicherung, die die Grundlage für eine anständige Beerdigung bildete und die Angehörigen nicht mit übermäßigen Kosten nach dem Dahinscheiden belasten sollte. Die Selbstwahrnehmung war also sehr stark auf die aktive Zeit als Arbeitnehmer konzentriert und die Bedeutung der danach folgenden Ereignisse wurde verhältnismäßig gering eingeschätzt.

Das änderte sich vor rund 20 Jahren. Die Arbeitnehmer, die in den Ruhestand und immer häufiger bereits in den Vorruhestand gingen, sahen in der Beendigung ihres Arbeitslebens immer häufiger den Beginn ihres „wirklichen Lebens". Durch die immer weiter verbreitete betriebliche Altersvorsorge hatten viele Ruheständler nach der Pensionierung netto mehr Geld zur Verfügung als während ihrer Berufstätigkeit. Entsprechend positiv wurde der Ruhestand gesehen, und auch die Wirtschaft betrachtete die „Silver Ager" als attraktive Konsumentengruppe, die nicht nur gern reiste, sondern sich auch hochwertige Güter wie neue Autos kaufte. Sowohl die finanziellen Möglichkeiten, selbst für den dritten Lebensabschnitt vorsorgen zu können, als auch die Bereitschaft waren gegeben. Man interessierte sich nicht mehr für Sterbegeldversicherungen, sondern für Kapitallebensversicherungen oder selbst genutzte Immobilien.

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