Mut zum Handeln
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Roman Herzog ua. (Hrsg.) |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 624 Seiten |
| Format: | PDF: 4,61MB |
| ISBN: | 359338650X |
| Bestell-Nr.: | 59338650P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Renommierte Politiker und Größen der Wirtschaft äußern ihre Ansichten zum Reformstau in Deutschland und rufen zu zweckmäßigen Lösungen auf.
Schlagwort-Katalog
Deutschland
Entwicklung
Politik
Reform
Wirtschaft
Leseprobe:
Facharbeitern gilt mein höchster Respekt (S. 485-489)
Manfred Kurz, Leiter der Würth-Repräsentanzen Berlin und Brüssel, Mitglied des Kuratoriums, im Gespräch mit Eric Gujer, Deutschland-Korrespondent Neue Zürcher Zeitung
Gujer: In Deutschland vergeht kein Tag, an dem nicht über »Heuschrecken « geklagt wird. Die großen Volksparteien sind unisono für stärkere Kontrollen der Investitionen, und in der Bevölkerung grassieren die Ängste vor der Globalisierung. Ist Deutschland aus Ihrer Sicht ein besonders globalisierungskritisches Land?
Kurz: Ich glaube, Deutschland ist nicht kritischer, als es unsere europäischen Nachbarländer sind, denn dort beobachten wir dasselbe Phänomen, in Frankreich, Italien und Spanien. Mit dem Stichwort Globalisierung wird vordergründig zunächst Bedrohung verbunden: Gefahr für Arbeitsplätze, Einsturz des Wohlstandsgefüges. Dies stimmt zwar nicht, aber das vorherrschende Bild der Globalisierung ist ohne Zweifel beängstigend. In Wirklichkeit haben wir eigentlich allen Grund, die Globalisierung weiter zu fördern, um diese zu gestalten. Ich spreche für ein Unternehmen, das Globalisierung seit vielen Jahren betreibt. Wir haben den ersten Schritt auf die Auslandsmärkte in den sechziger Jahren getan. Von daher plädiere ich für mehr Sachlichkeit in der Diskussion und vor allem für mehr Fakten in Bezug auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge. So bedeutet ein Arbeitsplatz, der durch ein deutsches Unternehmen in Indien oder China geschaffen wird, nicht gleich eine Gefährdung eines Arbeitsplatzes in der Bundesrepublik.
Gujer: Würth erwirtschaftet immer noch 40 Prozent seines Umsatzes in Deutschland, hat aber nur noch knapp 30 Prozent seiner Beschäftigten im Inland. Ist das eben doch ein Zeichen dafür, dass Globalisierung Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet?
Kurz: Ganz und gar nicht. Wir sind in Deutschland ebenso gewachsen wie in der Welt. Nur sind der deutsche und der europäische Markt zunehmend gesättigt. Wir bedienen ab jetzt vermehrt auch andere Wachstumsmärkte, wie jene der Schwellenländer. Daraus resultiert diese Verschiebung der Arbeitsplätze. Denn wir haben in Europa und in Deutschland keinen einzigen Arbeitsplatz abgebaut. Im Gegenteil, auch da wachsen wir. Nur wachsen wir momentan in der Welt etwas stärker. Wir generieren 40 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland, aber eben nur noch 8 oder 9 Prozent des Betriebsergebnisses. Strikt genommen könnte es Würth ziemlich gleichgültig sein, wo es seinen Unternehmenssitz hat. Es gibt keinen ökonomischen Grund, in Deutschland zu bleiben. Wir tun es aber! Wir sind ein deutsches Unternehmen. Hier gibt es Verbindungen, Verbundenheiten und Selbstverständnis. Das steht nicht zur Debatte. Aber wenn man diese Diskussion so »heuschreckenmäßig« weiterführen wollte, könnten wir genauso gut in Malaysia sitzen.
Gujer: Welche Gründe sprechen denn weiterhin für Deutschland?
Kurz: Wie gesagt, da gibt es ein gewisses Selbstverständnis. Wir betrachten uns als ein deutsches württembergisches Unternehmen. Da spielen auch die vielen Verbindungen hinein, die die Familie Würth in das Umfeld und die Region unterhält. Für ein Familienunternehmen ist dieser Kontext besonders wichtig. Denn letztlich kann kein Unternehmen gegen das Einverständnis seiner nächsten Umgebung prosperieren.
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