Mirakelberichte des frühen und hohen Mittelalters
Buchausgabe: 89,90€
Download-Version: 69,90€
(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Klaus Herbers, Lenka Jiroušková, Bernhard Vogel (Hrsg.) |
| Verlag: | Wissenschaftliche Buchgesellschaft |
| Version: | 1. Auflage, 2005 |
| Umfang: | 313 Seiten |
| Format: | PDF: 1,55MB |
| ISBN: | 3534700392 |
| Bestell-Nr.: | 53470039P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Für das Verständnis der Religiosität, Mentalität und Vorstellungswelt der mittelalterlichen Menschen sind hagiographische Mirakelberichte eine hervorragende, bisher viel zu wenig genutzte Quellengattung. Die Herausgeber haben in diesem Band zwölf zum Teil bisher nicht zugängliche Mirakelberichte des 7. bis 12. Jh. zusammengestellt und jeden mit einer erläuternden Einleitung versehen.
Leseprobe:
5. Der heilige Martin von Tours und der Libellus de miraculo sancti Martini Bischof Radbods von Utrecht (Anfang des 10. Jahrhunderts) (S. 125-126)
Bernhard Vogel
Die Verehrung des heiligen Martin († 397) setzte in seiner Bischofsstadt Tours und im römisch geprägten südlichen Gallien schon unmittelbar nach seinem Tode ein und dehnte sich bereits im 6. Jahrhundert auf das neu entstandene merowingische Frankenreich sowie Teile Italiens und der Iberischen Halbinsel aus. Namentlich durch Sulpicius Severus († nach 406) und Gregor den Großen († 604) sowie Venantius Fortunatus († nach 600) und Gregor von Tours († nach 593), einen der Amtsnachfolger Martins, erfuhr sein Kult alsbald eine schriftliche Unterfütterung durch Werke, die für die frühmittelalterliche, merowingisch-karolingische Kultur in literarischer Hinsicht eine ebenso prägende Bedeutung erlangen sollten, wie der Martinskult insgesamt zu den geistlichen Grundlagen des fränkischen Königtums jener Epoche und der von diesem gestützten Christianisierungsbemühungen gezählt werden muß.
Der heilige Martin von Tours Libellus de miraculo sancti Martini Zu den frühmittelalterlichen Hagiographen, die sich mit demWunderwirken des heiligen Martin befaßten, zählt auch Radbod von Utrecht († 917), dem nach seinem Tode selbst eine – allerdings im wesentlichen auf das Einzugsgebiet seiner Diözese beschränkte – Heiligenverehrung zuteil geworden ist. Um 850 als Sproß einer vornehmen fränkischen Familie geboren, genoß Radbod eine umfassende und breite literarische Ausbildung, zunächst in Köln, später dann am Martinskloster in Tours und als Mitglied der Hofkapelle Karls des Kahlen († 877). 899 zum Bischof von Utrecht gewählt und noch von Kaiser Arnulf kurz vor dessen Tod 900 approbiert, mußte Radbod seinen Bischofssitz vor den anrückenden Normannen alsbald räumen und residierte fortan in Deventer.
Seine literarische Hinterlassenschaft umfaßt neben verschiedenen Homilien und religiösen Dichtungen auch den hier näher vorzustellenden Libellus de miraculo sancti Martini, dessen Kern die wundersame Bewahrung der Stadt Tours vor einem Angriff der Normannen im Sommer 903, bei dem das nähere Umland sowie das Martinskloster zerstört wurden, mit Hilfe der Martinsreliquien bildet. Dabei bettet Radbod die eigentliche Wundergeschichte in einen predigthaften Kontext ein, wie er insgesamt für sein hagiographisches Werk kennzeichnend ist, das man jüngst als „hagiographie pastorale" (Trigalet) bezeichnet hat und das natürlich im dramatischen Kontext der unmittelbaren Bedrohung seiner eigenen Utrechter Diözese durch die heidnischen Eroberer, aber auch mit Blick auf seine Rolle in der Friesen- und Sachsenmission des späten 9. und frühen 10. Jahrhunderts (van Egmond) betrachtet werden muß. Radbods „Beschwörung" des heiligen Martin als potentiellen Schutzpatron auch der eigenen Gefilde fällt dabei in eine Zeit, in der die „Aktualität" des Martinskultes bereits deutlich nachgelassen hatte und durch die in die ost- wie in die westfränkischen Teile des alten Karolingerreiches quasi importierten Kulte römischer Märtyrer verdrängt wurde.
Der besondere Tipp
Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!
Anhand verblüffender Experimente und einfacher Übungen lernen Sie, wie unsere Umwelt die Gedanken und die Gedanken unsere Umwelt beeinflussen.
Früher: 12,00€
bei uns nur: 4,99€

