Mehrwertiger Kapitalismus - Multidisziplinäre Beiträge zu Formen des Kapitals und seiner Kapitalien
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| Autor(en): | Stephan A. Jansen, Eckhard Schröter, Nico Stehr (Hrsg.) |
| Verlag: | VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV) |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 280 Seiten |
| Format: | PDF: 1,49MB |
| ISBN: | 3531158643 |
| Bestell-Nr.: | 53191784P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Kapitalismus- ein scheinbar konkurrenzfreies System der Konkurrenz um wertvolle Kapitalien. Kapitalismus legitimiert sich über einen gesellschaftlichen Mehrwert. Aber welchen Wert sprechen wir dem Kapitalismus heute zu - in Zeiten der Gleichzeitigkeit von Heilsversprechung und Krisenanlass freier Märkte? Ist der Kapitalismus selbst das entscheidende Kapital einer Marktgesellschaft? Oder sind kapitale Fehler im heutigen Systemverständnis vorliegend? Welche Formen des Kapitalismus und der Kapitalien lassen sich in einer globalen Wissensgesellschaft unterscheiden?
Vorliegender Herausgeber-Band nähert sich diesen Fragen vor dem Hintergrund aktueller Phänomene der Wirtschaft, Politik, Medien, Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriegeschichte sowie dem Verhältnis moderner Marktwirtschaften zu politischen Institutionen stehen im Zentrum. Die Mehrdeutigkeit - damit auch die Ambivalenz der Ökonomie - von Kapital- und Marktkonzepten wird aus soziologischer und kulturwissenschaftlicher Sicht betrachtet. Eine Spurensuche zur Mehrwertigkeit des nächsten Kapitalismus.
Leseprobe:
"Private Equity-Gesellschaften – Aussauger oder disziplinierende Akteure des Kapitalismus? (S. 149-150)
Heike Proff
Seit 2005 beherrschen Private Equity-Gesellschaften die öffentliche Diskussion. Diese bis dahin unbekannten Akteure des Kapitalismus beteiligen sich an Unternehmen, die bei geeigneten Restrukturierungsmaßnahmen Wertsteigerungspotenziale und einen Wiederverkauf mit hohen Gewinnen versprechen. „Heuschrecken"" nannte sie der frühere SPD-Chef Franz Müntefering. Er meinte damit die Texas Pacific Group (TPG), die die Grohe AG in Hemer, einen Anbieter von Sanitäranlagen in seinem sauerländischen Wahlkreis gekauft hatte und zur Erhöhung des Wiederverkaufspreises zu restrukturieren begann.
Dabei wurden auch Werke geschlossen, Teile der Produktion ins Ausland verlagert und das Unternehmen zur Finanzierung des Kaufpreises stark verschuldet. Die IGMetall hob deshalb die Private Equity-Gesellschaften im Frühjahr 2005 als „Aussauger"" auf den Titel ihres Monatsmagazins. Es gibt Beispiele von Unternehmen, die durch Private Equity-Gesellschaften tatsächlich ausgepresst und nahezu in den Ruin getrieben wurden. Andere Unternehmen, die in das Portfolio aufgenommen wurden (Portfoliounternehmen), stehen dagegen heute sehr gut da.
In diesem Beitrag wird deshalb der Einfluss der Private Equity-Gesellschaften auf den Unternehmenssektor untersucht (Abschnitt 4). Dazu wird zunächst das Geschäftsmodell von Private Equity-Gesellschaften kurz vorgestellt (Abschnitt 1) und dann deren Strategien bezogen auf Portfoliounternehmen untersucht (Abschnitt 2). Anschließend wird beispielhaft das Private Equity- Engagement bei den deutschen Unternehmen Grohe und Kiekert, Hersteller von Türschlössern für die Automobilindustrie, vorgestellt (Abschnitt 3).
1 Das Geschäftsmodell von Private Equity-Gesellschaften Private
Equity bedeutet privates Beteiligungskapital. Private Equity-Gesellschaften sind Beteiligungsgesellschaften, die Portfoliounternehmen Eigenkapital zur Verfügung stellen im Austausch für Kapitalanteile an diesen Unternehmen, die es ihnen erlauben, mittelfristig an der Leistung der Unternehmen teilzuhaben (vgl. z.B. Ernst/Häcker 2007: 57). Private Equity-Finanzierung bezeichnet ent sprechend die Finanzierung von Unternehmen mit Eigenkapital, das von außerhalb der organisierten Kapitalmärkte, v.a. der Börsen, kommt. Kapitalgeber der Private Equity-Gesellschaften waren 2005 in Deutschland vor allem (zu 37%) Pensionsfonds, d.h. versicherungsähnliche, rechtlich selbständige Versorgungseinrichtungen, die den Arbeitnehmern seiner Trägerunternehmen Leistungen der betrieblichen Altersversorgung gewähren.
So hat das California Public Employees’ Retirement System (CalPERS), der größte öffentliche Pensionsfonds in den USA, über 11 Mrd. US-Dollar Kapital in Private Equity investiert. Daneben investierten v.a. Dachfonds, d.h. Investmentfonds, die das Geld der Anteilseigner ausschließlich in Anteilen an Investmentfonds anlegen, Kreditinstitute und Versicherungen. Private Equity-Gesellschaften erhalten auch öffentliches Kapital von Gebietskörperschaften und von Universitäten wie z.B. der Harvard University. 2005 beschäftigten die Unternehmen, die durch Private Equity-Gesellschaften übernommen wurden oder in die sie investiert hatten, in Deutschland rund 800.000 Mitarbeiter (vgl. Ernst/Häcker 2007)."
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