Maß und Zeit - Entdecken Sie die neue Kraft der klösterlichen Werte und Rituale
Buchausgabe: 19,90€
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Wilhelm Schmid-Bode |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 255 Seiten |
| Format: | PDF: 5,24MB |
| Gewicht: | 462 g |
| ISBN: | 3593385066 |
| Bestell-Nr.: | 59338506P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Wilhelm Schmid-Bode lädt dazu ein, klösterliche Ideale, die in Christentum, Hinduismus, Buddhismus und Islam entwickelt und gelebt wurden, zu entdecken: Demut, Stille und Schweigen, Kontemplation, Maßhalten, Wachsamkeit, Arbeit und Gemeinschaft. So ungewohnt und fremd sich diese Begriffe auch anhören, so brandaktuell und nützlich erweisen sie sich bei genauerer Betrachtung. Es ist nicht nur möglich, dieses uralte klösterliche Wissen in unseren Alltag zu integrieren - es bietet auch die Möglichkeit, dem Stress und der Beliebigkeit unseres Lebens etwas entgegenzusetzen und zu mehr Ruhe und zu einer sinnerfüllten Gelassenheit zu finden.
Leseprobe:
Die Askese (S. 50-51)
Am 27. April 1945 dröhnen die Panzer der US-Armee durch den Markt Türkheim im Unterallgäu in Richtung des Oberen Bahnhofs. Dort hatte im Herbst des Vorjahres die Organisation Todt ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau errichtet. Kurz danach sprengen die amerikanischen Soldaten die Tore. Unter den bis auf die Knochen abgemagerten Menschen, die ihnen entgegenwanken, ist auch Viktor Emil Frankl, ein Wiener Neurologe, Psychiater und Analytiker, vier Wochen vorher vierzig geworden, der in Konzentrationslagern seinen Vater, seine Mutter, seine Ehefrau und seinen Bruder verloren hat. Türkheim ist das vierte Lager, das er überlebt hat. In Auschwitz, von wo er hierher verbracht worden ist, war ihm sein letzter Besitz abgenommen worden, neben dem Ehering auch sein Abzeichen als Bergführer und ein Buchmanuskript mit dem Titel »Trotzdem Ja zum Leben sagen«, und diese beiden Kostbarkeiten sind für ihn miteinander eng verbunden. Der Berg war für Viktor Emil Frankl von Jugend an ein Lehrmeister gewesen, der ihm beibrachte, wie Glück »geht«.
Schon in den frühen 30er Jahren hatte Frankl die Sinnfrage in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt und war berühmt geworden durch seine erfolgreiche Arbeit mit selbstmordgefährdeten Jugendlichen, denen er zeigte, wie sie es üben können, zur Lebensbejahung zu kommen. Nun war er selbst zu einem Beispiel für seine Lehre geworden, denn er hatte sie selbst in den tiefsten Erniedrigungen des Lagerdaseins nie vergessen. »Bergsteigen, die Erinnerung, wie sich der Fels anfühlt, das war mit einer der Beweggründe, die Schrecken des KZs zu überstehen«, sagte er.
Was Askese bewirkt
Frankl war es beim Bergsteigen nur nebenbei um körperliche Ertüchtigung und Muskeltraining gegangen, sondern vor allem um die geistige Wirkung, um das mentale Training. Befragt, wie er zum Klettern gekommen sei, sagte er: »Durch die Angst davor.« Die Herausforderung anzunehmen und das in Gang zu setzen, was er »die Trotzmacht des Geistes gegenüber den Schwächen und Ängsten der Seele« nannte, war auch die Grundlage seiner Therapie. »Inseln der Askese« nannte er die Berge. Und Frankls Einstellung zum Sport stellt auch die Nähe der Askese zu ihrer ursprünglichen Bedeutung wieder her: askesis bedeutete im antiken Griechenland, für den Athleten wie für jeden Handwerker, die Geschicklichkeit durch ausdauerndes Üben und Trainieren zu verfeinern und dadurch zunehmend ökonomisch mit den Kräften hauszuhalten.
Als Frankl einmal am Seil eines anderen Bergführers, eines muskelbepackten Extremkletterers, auf der Rax bei Wien die Preiner Wand erstieg, betrachtete der den Psychiater mit einer Mischung aus Besorgnis und Bewunderung. »Sind Sie mir nicht böse, Herr Professor, wenn ich Ihnen so zuschaue«, sagte er schließlich. »Sie haben überhaupt keine Kraft mehr. Aber wissen Sie, wie Sie das wettmachen durch die raffinierte Klettertechnik, ich muss schon sagen, von Ihnen kann man klettern lernen.«
Askese wie Frankl sie verstand, hatte nichts mit einem weltabgewandten, entbehrungsreichen Dasein zu tun. Und auch nachdem er die Hölle der Konzentrationslager durchlitten hatte, überzeugte er jeden von der glücks- und sinnstiftenden Wirkung einer so verstandenen Askese durch seine Heiterkeit. Einen Asketen stellen sich die meisten als eine verhärmte, dürre, freudlos, oft sogar verbittert dreinblickende Gestalt vor. In meiner Praxis steht für jeden Patienten gut sichtbar die Figur eines anderen Asketen, von dem bereits die Rede war. Das Gesicht der Bronzegestalt ist rund, die Lippen sind füllig und sinnlich. Der Mann ist jung, hat aber bereits ein leichtes Doppelkinn und lächelt selig in sich hinein.
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Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!
Anhand verblüffender Experimente und einfacher Übungen lernen Sie, wie unsere Umwelt die Gedanken und die Gedanken unsere Umwelt beeinflussen.
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