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Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof
 

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Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Alois Prinz
Verlag: Beltz & Gelberg
Version: 1. Auflage, 2007
Umfang: 343 Seiten
Format: PDF: 1,94MB
ISBN: 3407740123
Bestell-Nr.: 40774012P
Artikeltyp: E-Book
 

Ulrike Marie Meinhof (1934-1976) war Bürgerstochter, renommierte Journalistin und Mitbegründerin der RAF - eine christliche Pazifistin, die schließlich die Welt mit Gewalt verändern wollte. Alois Prinz folgt ihren Lebensspuren, von der Kindheit im Dritten Reich bis zu ihrem Tod in Stammheim. Mit gebotener Distanz erzählt er ein Leben, in dem sich die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik spiegelt und das zugleich fundamentale Fragen politischer Ethik aufwirft. Ein moralisches Urteil über den Menschen Ulrike Meinhof überlässt Prinz indes dem Leser.

Alois Prinz wurde 1958 in Wurmannsquick geboren, einem Ort in Niederbayern. Dort ist er auch aufgewachsen zusammen mit seinen sechs Geschwistern. Nach dem Abitur ging er nach München, um dort Germanistik, Politologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Parallel dazu absolvierte er eine journalistische Ausbildung und promovierte 1988 mit einer Arbeit über die 68er Studentenbewegung und ihren Einfluss auf die Literatur. Bis 1994 arbeitete er als freier Journalist und verfasste wissenschaftliche Texte. Alois Prinz lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einem kleinen Ort südlich von München.

Mittlerweile konzentriert er sich auf das Schreiben von Büchern - wobei sein Schwerpunkt auf Biographien liegt, die sich an Jugendliche und Erwachsene wenden. 2001 erhielt er für seine Hannah Arendt-Biographie den Evangelischen Buchpreis. Ebenfalls 2001 wurde seine Hesse-Biografie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Im Jahre 2004 erhielt seine viel besprochene Biografie "Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof" den Deutschen Jugendliteraturpreis.




Leseprobe:

VIII. Revolutionskasper (S. 133)

»Man zwingt mich, Dinge lächelnd zu sagen, die mir bluternst sind.«
Ende des Jahres 1965 schaffte sich Klaus Rainer Röhl ein neues Auto an, einen ziemlich flotten Wagen, einen roten Opel Rekord Coupe mit sechs Zylindern. Die Röhls konnten sich das jetzt leisten. Ulrike wurde für ihre Beiträge für Rundfunk und Fernsehen beraus gut bezahlt und konkret war innerhalb eines Jahres zu einem Massenblatt geworden.

Die Mischung aus Sex und Politik hatte die Auflage auf ber 100 000 explodieren lassen und die Tendenz war weiter steigend. Diesen sensationellen Erfolg hatte man auch dem skandalumwitterten Ruf der Zeitung zu verdanken. So hatten sich 6000 Brger der Stadt Schwabach zusammengetan, um konkret wegen seiner angeblich jugendgefährdenden Artikel und Bilder verbieten zu lassen.

Die Anträge, die man bei der zuständigen Bundesprfstelle einreichte, wurden abgelehnt, nur einzelne Fotos mit zu tiefen Einblicken und zu viel nackter Haut wurden beanstandet und mussten herausgeschnitten werden. Aber das machte nur noch neugieriger auf die nächsten Ausgaben.

Eine ähnlich gegenläufige Wirkung hatte auch der Rechtshändel mit Franz Josef Strauß. Ulrike Meinhof verlor zwar ihren zweiten Prozess gegen den ehemaligen Minister und musste 600 Mark Strafe zahlen, aber das rechnete sie sich als Ehre an und es steigerte nur ihre Bekanntheit und ihr Ansehen. Sie war nun so etwas wie ein Star geworden und wurde sogar zu Fernsehdiskussionen eingeladen.

Leute suchten ihre Nähe, zu denen man im linken Milieu um konkret eher Distanz hielt, Leute aus dem so genannten Establishment also, die im Ruf standen, weniger an politischen Veränderungen als an ihrer Karriere interessiert zu sein. In Hamburg fand Ulrike Meinhof Zugang zu solchen Kreisen durch den Rundfunkkommentator Peter Coulmas.

Er und seine Frau Danae waren der Mittelpunkt einer Gesellschaft von Journalisten, Künstlern, reichen Geschäftsleuten und Politikern, und eines Tages kam man auf die Idee, auch die Leute von konkret einzuladen. Peter Rhmkorf, der zu den konkret-Gästen gehörte, erinnert sich, dass es im Hause Coulmas immer sehr bunt und lustig zuging.

Man feierte Partys, tanzte zur Musik der Beatles und der Rolling Stones, aß griechischen Hammelbraten mit Knoblauchsoße und Kronsbeerenkompott und diskutierte etwa über die letzte Bundestagswahl, aus der wieder eine Koalition aus CDU/ CSU und FDP hervorgegangen war. Diese christlich-liberale Koalition war jedoch von vornherein durch die Wirtschaftskrise belastet, und man konnte schon darber spekulieren, wie lange sie überhaupt noch halten wrde und wann die SPD ihr Ziel, in Bonn an die Macht zu kommen, endlich erreichen würde.

Die Partygesellschaft in Hamburg verstand sich durchaus als »links«. Peter Rhmkorf schildert sie als eine »Society«, die mit den politischen Verhältnissen nicht einverstanden war, politische Meinungen aber lieber im Privaten, unter sich, austauschte, statt sich öffentlich dafür einzusetzen.

In den Briefen, die Ulrike Meinhof in dieser Zeit an Renate Riemeck schrieb, erwähnte sie oft ihren Umgang in Hamburg. Dabei redete sie einerseits recht ironisch über ihre neuen Bekannten, denen sie sich eigentlich gar nicht zugehörig fühlte, andererseits gab sie auch zu, dass sie es ganz angenehm fand, in dieser Gesellschaft zu verkehren. Das war sicher eine neue Erfahrung für Ulrike Meinhof, für die »links sein« immer noch bedeutete, »arm« oder bescheiden zu sein.



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