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Kulturschock China
 

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Kulturschock China

 
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Buchausgabe: 14,90€
Download-Version: 12,70€

(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Hanne Chen
Verlag: Reise Know-How Verlag
Version: 1. Auflage, 2004
Umfang: 264 Seiten
Format: PDF: 4,76MB
ISBN: 3831710759
Bestell-Nr.: 83171075P
Artikeltyp: E-Book
 

Wie wohl kein zweites Land hat gerade China den Westen immer wieder fasziniert, herausgefordert und verunsichert. Darauf sind viele Chinesen ausgesprochen stolz. "Ihr versteht uns nie!" hört man oft, und dabei denken Chinesen nicht nur an Konventionen wie Essen mit Stäbchen, sondern auch an Phänomene wie z.B. elterliche Liebe, die sie für eine speziell "chinesische" kulturelle Eigenheit halten. Was einem Westler an der chinesischen Kultur tatsächlich fremd ist, wissen die wenigsten einzuschätzen.

Dieses Buch will helfen, gängige China-Klischees abzubauen und auf die mentalitätsbedingten Schwierigkeiten vorzubereiten, mit denen jeder Westler auf Dauer in China konfrontiert wird.  


Leseprobe:

Zwischen Ressentiments und Gastfreundschaft (S. 199-201)

„Möchtest du in ein fremdes Land fahren?"
„Ja. Nach Indien. Da gibt es Tiger."
„Wohin noch?"
„Nach China. Da ist eine riesige Mauer."
„Du möchtest wohl gern hinüberklettern?"
„Die ist viel zu dick und zu groß.
Da kann keiner hinüber.
Darum hat man sie gebaut."


Wie der westliche Rassismus nährt sich auch der chinesische von der Überzeugung, nur Angehörige des eigenen Volkes seien richtige, ernst zu nehmende Menschen. Er lebt von denselben primitiven Vorurteilen bezüglich der perversen Sexualität und der Geschlechts- oder Erbkrankheiten, die dem Fremden angedichtet werden. Er kennt dieselbe Spezies von Witzen, die körperliche Merkmale oder die angeblich mangelnde Hygiene von Ausländern betreffen. Er ist bei dem gleichen Menschentypus verbreitet, bei dem sich ein enger geistiger Horizont mit wenig Herzensbildung verbindet. Eine kleine, aber klassische Auswahl aus der Volksweisheit:

Neger sind dumm und stinken. Westliche Frauen sind allesamt Prostituierte. In Italien bumsen sie sich öffentlich im Bus. Die Kultur der Westler besteht aus Sex, Drogen und Aids. Alle Deutschen liegen im Sommer nackt in den Parkanlagen. Deutsche Männer haben einen Bierbauch und sehen aus wie im siebten Monat schwanger. Chinesische Chauvinisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst die einfachsten Gebote von Taktgefühl, Anstand und Menschlichkeit für ein spezifisch chinesisches Kulturgut halten, das allen Nicht-Chinesen unbekannt ist. Also gelten im Umgang mit Ausländern auch andere Normen als mit Chinesen. Vor Ausländern kann man nicht das Gesicht verlieren. Man kann sich daneben benehmen, aufdringlich werden und dem Fremden Dinge sagen, die man sich keinem Chinesen gegenüber zu sagen traute ... Es ist ja nur ein Ausländer. Die volle Breitseite des Rassendünkels trifft wie fast überall auf der Welt Menschen mit schwarzer Hautfarbe am schlimmsten. Die chinesische Verachtung der Afrikaner und Afro-Amerikaner ist völlig ungeniert. In dieser Ungeniertheit unterscheidet sich chinesischer Chauvinismus vom europäischen.

Die Reaktionen auf die weißen „Übersee-Teufel" (yangguizi) sind vielschichtiger. Sie reichen von offener oder versteckter Ausländerfeindlichkeit bis zu mitleidiger Nachsicht, herzlicher Hilfsbereitschaft und großer Gastfreundschaft. Abwehr und Feindseligkeit, die der westliche Besucher in der VR China hin und wieder zu spüren bekommt, sind unter anderem das Ergebnis jahrzehntelanger Abschirmung des Landes von äußeren Einflüssen sowie einer raffinierten, wenn auch etwas hinterhältigen Ausländerpolitik: Bis Ende der achtziger Jahre wurden Ausländer mit Privilegien überschüttet. Da waren zum Beispiel die so genannten „Freundschaftsläden" (youyi shangdian), in denen es alles zu kaufen gab, was das Herz begehrte, nur nicht für Chinesen. In solchen Läden wurde mit einem besonderen Devisengeld gezahlt, dem so genannten waihuiqian. Das war die chinesische Touristenwährung. Die Einheimischen-Währung renminbi wurde nicht akzeptiert. Viele Touristen tauschten ihr Devisengeld zu guten Schwarzmarkt-Kursen gegen renminbi, mit dem in Chinesenläden bezahlt werden konnte. Der Schwarzmarkt wurde übrigens vor allem von Chinas uigu- rischer Minderheit beherrscht: Es ging das Gerücht, dass die Uiguren von dem eingetauschten Devisengeld Fernseher u.ä. in den Freundschaftsläden kauften, um die Geräte gegen Rauschgift über die Grenze nach Afghanistan zu schmuggeln. Diese Zeiten dürften nun vorbei sein. 1994 ist das waihuiqian abgeschafft worden. Die Freundschaftsläden gibt es immer noch, aber inzwischen zahlt man auch dort mit renminbi.

Die Trennung zwischen Ausländer- und Chinesen-Hotels gibt es ebenfalls immer noch. In den prachtvollen Westler-Hotels wurden früher Führungen zur Besichtigung für das chinesische Volk durchgeführt. Die Teilnahme an einer Führung kostete einen halben Tageslohn. Dafür durfte der kleine Mann von der Straße dann einen Luxus bestaunen, den er sich kaum je würde leisten können. Eine Tasse Tee trinken durfte er dort natürlich nicht. Selbst in scheinbar normalen Chinesen-Läden gab es oft genug eine Sonderabteilung für Ausländer, die mit den besseren Dingen bestückt war. Die Blicke, die uns von unten folgten, wenn wir in so einem Laden die Treppe hinauf in eine Sonderabteilung gingen, werde ich nie vergessen.



Kapitel:
0. Inhalt und Vorwort
1. Der kulturhistorische Rahmen: Weltsicht, Geschichte, Sprache (82 Seiten)
2. Der chinesische Alltag (106 Seiten)
3. Fremde im chinesischen Kulturkreis (48 Seiten)
4. Anhang (20 Seiten)
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