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Klöster und Orden im Mittelalter
 

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Klöster und Orden im Mittelalter

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Gudrun Gleba
Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Version: 2. Auflage, 2006
Umfang: 158 Seiten
Format: PDF: 0,78MB
ISBN: 3534700597
Bestell-Nr.: 53470059P
Artikeltyp: E-Book
 

Klar, anschaulich und übersichtlich gegliedert vermittelt die Reihe GESCHICHTE KOMPAKT historisches Grundlagenwissen auf dem neuesten Stand der Forschung. Ob für den ersten Zugang zu einem neuen Thema oder für den fundierten Überblick - GESCHICHTE KOMPAKT bietet zuverlässige Informationen für Studierende, Lehrende und historisch Interessierte.

Zeittafeln, Erläuterungen zu Personen, Ereignissen und Begriffen, Grafiken und ein kommentiertes Quellen- und Literaturverzeichnis unterstützen und ergänzen die im Text dargestellten Inhalte. In ihrer kulturellen Bedeutung und Kontinuität waren die Klöster die vielleicht wichtigsten Institutionen der mittelalterlichen Gesellschaft. Über Jahrhunderte hinweg waren sie die einzigen Archive und die einzigen Schulen des Wissens.

Gudrun Gleba gibt einen hervorragenden Überblick über die Entwicklung des Klosterlebens und des Ordenswesens von den Anfängen im Frühchristentum bis zu den Reformbewegungen des 15. Jahrhunderts. Sie macht den Stellenwert der Klöster im sozialen, wirtschaftlichen und herrschaftlichen Gefüge des Mittelalters deutlich und schildert die Konstanten und Veränderungen, die die Klöster in fast anderthalb Jahrtausenden prägten.

Das gesamte Mittelalter hindurch waren Klöster die wichtigste Institution der Wissensbewahrung und -schöpfung, des Kulturaustausches und der Ausbildung der Geistlichkeit. Gudrun Gleba gibt einen kompakten chronologischen und systematischen Überblick über anderthalb Jahrtausende mönchischen Lebens. 


Leseprobe:

X. Grundlegende Veränderungen im 12. Jahrhundert (S. 108)

Das 12. Jahrhundert hat in der geschichtswissenschaftlichen Forschung immer schon besondere Charakterisierungen erfahren. Es gilt als das Jahrhundert des Aufbruchs und der Entdeckung des Individuums, als Umbruchszeit, in der die Blüte der Klöster zu Ende ging und die Zeit der Kathedralen begann. Expansion und Urbanisierung sind zwei Kernbegriffe, die wichtige Entwicklungsaspekte erfassen und die auch in der sich verändernden Kloster- und Ordenslandschaft wieder zu finden sind.

1. Expansion

Mit den Kreuzzügen hatte die europäische Expansion nach außen begonnen. Sie beschränkte sich nicht allein auf militärische Eroberungszüge – deren Erfolge letztendlich keine Dauer beschieden war –, sondern eröffnete auch die Chance, Vergleiche zwischen europäischen Verhältnissen und fremden Kulturen anzustellen. In unterschiedlichem Ausmaß profitierten alle davon, Europäer und Nicht-Europäer, Angehörige des christlichen und islamischen Glaubens. Zum einen dehnten sich die internationalen Handelsmöglichkeiten aus, wurde das genutzte Wegenetz erweitert und das Warenangebot in alle Richtungen vergrößert. Zum anderen gaben die expandierenden Kommunikationswege den Anstoß zu geistigem Austausch, zur Wahrnehmung anderer Denkweisen, zum Erwerb unbekannter antiker Schriften, zur Entdeckung medizinischer Kenntnisse und philosophischer Methoden. Die territorialen Expansionsbemühungen fanden ein unrühmliches Ende; die wirtschaftlichen und intellektuellen Gewinne aber waren insbesondere für Europa beträchtlich.

Neben der Expansion nach außen stand die Expansion nach innen, bei der mannigfaltige Faktoren eine Rolle spielten. Befördert durch ein sich günstig entwickelndes Klima und die Verbesserung der Agrartechniken – z.B. den Einsatz des Wendepfluges auf tieferen, schwereren Böden oder die Anwendung der Dreifelderwirtschaft, die eine optimale Bodennutzung ermöglichte – erzielten die Bauern bessere Ernteerträge. Die Häufigkeit von Hungersnöten und Mangeljahren verringerte sich; die Bevölkerung wuchs rasch an. Innerhalb des bereits mehr oder weniger dicht besiedelten Landes rangen die Menschen den Wäldern, Sümpfen und Mooren neue Ackerflächen ab und nahmen kargere Böden mit Hilfe verbesserter Fruchtfolge und intensiver Düngung erfolgreich unter den Pflug. In den dünner besiedelten Gegenden Nord-, Nordwest- und Osteuropas wurde neues Siedlungsland erschlossen. Dies geschah nicht zuletzt durch landesherrliche Förderung, indem man Neusiedler mit bestimmten Privilegien lockte, z.B. Steuerbefreiungen für eine festgelegte Zahl von Jahren. Sowohl bei der äußeren wie der inneren Landeserschließung spielten die Klöster der Zisterzienser eine bedeutende Rolle.

Landwirtschaftliche Überschüsse, verbreitertes Warenangebot und eine wachsende Bevölkerung veränderten die adeligen Vorstellungen von Lebensqualität und die soziale Zusammensetzung insbesondere der urbanen Bevölkerung, die sich in Händlergruppen wie Fernhändler und einfache lokale Kaufleute, handwerkliche Berufsgruppen und eine große Unterschicht aus Gesellen und Lehrlingen, Knechten, Mägden und Tagelöhnern ausdifferenzierte.

So entstand im 12. und verfeinerte sich im 13.Jahrhundert die höfische Kultur adeliger Damen und Herren, die in der Architektur von Burgen und Palästen sowie in der Selbstinszenierung der Mitglieder des adeligen Standes in der Kleidung, dem höfischen Fest, dem Turnier und anderen Repräsentationsformen ihren Ausdruck fand. Um ihre Ansprüche an feine Stoffe, erlesene Speisen, kunstvoll bearbeitete Waffen etc. „standesgemäß" befriedigen zu können, bedurfte es der notwendigen Barmittel. Diese beschaffte man sich durch die Umstellung der von den Bauern geforderten Leistungen. Statt Naturalabgaben verlangte man Geldpacht, was dem adeligen Lehnsherrn die Möglichkeit bot, sich auf den Märkten nach seiner Vorstellung und Vermögenslage mit den von ihm gewünschten Produkten zu versorgen, und den Bauern ein eigenverantwortliches Wirtschaften – je nach Erfolg – aufbürdete bzw. ermöglichte. Auch benediktinische und zisterziensische Klöster verfuhren mit ihren grundherrschaftlichen Besitzungen auf diese Weise. Sie wandelten sich von Lehnsherren zu Pachtherren, für die die Eigenwirtschaft eine immer geringere Rolle spielte.


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