Internationales Risikomanagement
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Torsten M. Kühlmann, Hans-Dieter Haas (Hrsg.) |
| Verlag: | Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 333 Seiten |
| Format: | PDF: 3,89MB |
| ISBN: | 3486588753 |
| Bestell-Nr.: | 48658875P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Ausländische Märkte zu erschließen, Niederlassungen in anderen Ländern zu begründen oder Allianzen mit fremden Partnern einzugehen, ist für Unternehmen ein riskantes Unterfangen. Zur Absicherung gegen die vielfältigen politischen, wirtschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und menschlichen Risiken eines Auslandsengagements verfügen Unternehmen und andere Organisationen nur über begrenzte Ressourcen. Als Ausweg bietet sich an, auf die Potenziale von in- und ausländischen Geschäftspartnern, Freunden, Behördenvertretern oder Repräsentanten von Interessengruppen zurückzugreifen. M.a.W.: Im bestehenden Netz von formellen und informellen Beziehungen werden Ressourcen der Beziehungspartner mobilisiert, um dem eigenen Auslandsengagement zum Erfolg zu verhelfen. Wer diese Ressourcen nutzt, gibt damit zugleich das Versprechen ab, wiederum die eigenen Potenziale bei Bedarf den Beziehungspartnern zur Verfügung zu stellen. Typische Tauschobjekte im Netzwerk sind sowohl nicht-materieller Natur (Informationen, Beratungen, Ermunterungen) als auch materieller Natur (Überbrückungskredite, Arbeitskräfte, Waren).
Netzwerke stellen für die Partner aber nicht nur ein Instrument des Risikomanagements dar, sondern können gleichzeitig als Quelle neuer Risiken angesehen werden. Ein zentrales Risiko - besonders in Branchen, die durch Innovationen und Organisationslernen geprägt sind - stellt der Wissenstransfer zwischen den Kooperationspartnern dar. Das Wissen um die Zusammensetzung von Produkten, die Konstruktionsmerkmale von Neuentwicklungen oder die Besonderheiten von Produktionsverfahren kann in einem Netzwerk unbeabsichtigt an Kooperationspartner weitergegeben werden.
Die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren von Netzwerken im Kontext von Internationalisierungsbemühungen von deutschen Unternehmen untersucht seit zwei Jahren ein Forschungsverbund aus Betriebswirten, Ethnologen, Geografen und Psychologen für verschiedene Zielgebiete, in denen deutsche Unternehmen im Ausland tätig sind.
Das Buch zielt darauf ab, Unternehmen, die internationale Tätigkeiten beginnen, ausweiten oder stabilisieren wollen, an den Ergebnissen der umfangreichen Feldstudien teilhaben zu lassen. Anhand einer Kombination aus praktischen Erfahrungsberichten und wissenschaftlicher Analyse wird die Bedeutung von Netzwerken im Zusammenhang mit dem Management von Internationalisierungsrisiken dem Leser vor Augen geführt. Ergänzt wird der Einblick in die Praxis der Netzwerke bei internationaler Unternehmenstätigkeit um erfahrungsgestützte Hinweise zum Aufbau und zur Pflege von grenzüberschreitenden Netzwerken.
Leseprobe:
3 Kulturelle Risiken der internationalen Unternehmenstätigkeit (S. 61-62)
Alois Moosmüller
Wenn Unternehmen erfolgreich auf dem globalen Markt agieren wollen, müssen sie mit unterschiedlichen Landeskulturen zu Recht kommen. Die Unternehmenstätigkeiten auf der internationalen Bühne ähneln sich in vieler Hinsicht, in mancher Hinsicht unterscheiden sie sich aber auch, je nach dem, von welcher Landeskultur ein Unternehmen geprägt ist. Diese Unterschiede nicht zu bemerken, oder falsch einzuschätzen, kann geschäftsschädigend sein. So gelten in amerikanischen Unternehmen vielfach andere ethische Prinzipien als in deutschen oder indischen Unternehmen. Kollegialität und Teamarbeit hat für französische Mitarbeiter eine andere Bedeutung als für britische oder japanische Mitarbeiter, Projektmanagement funktioniert in Spanien anders als in Österreich oder Finnland, usw. Die unterschiedlichen Kulturen beeinflussen die internationalen Unternehmenstätigkeiten auf vielen Ebenen. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie in den verschiedenen Ländern Verhandlungen geführt und Entscheidungen getroffen werden, wie Vertrauen geschaffen und Probleme bewältigt werden, wie Geschäftsbeziehungen angebahnt und Kunden gepflegt werden, etc. Wie geht man z. B. in Korea mit Kunden um? Ein mittelständisches deutsches Unternehmen schickt zwei Sachbearbeiter und einen Projektmanager nach Korea, um bei einem sehr wichtigen Kunden über Lösungsmöglichkeiten für jüngst aufgetretene Qualitätsprobleme zu verhandeln. Als die koreanischen Kunden zu bestimmten Punkten spezifischere Informationen verlangen, werden sie von den deutschen Lieferanten gebeten, doch näher zu erläutern, wofür sie diese Information brauchen. Der koreanische Verhandlungsführer läuft dunkelrot an und brüllt die Deutschen an. Die Verhandlung wird unterbrochen.
Eine völlig normale Gesprächssituation zwischen Kunden und Lieferanten endete abrupt in einem Zerwürfnis. Allerdings: „normal" war die Situation lediglich für die deutschen Lieferanten, die ganz selbstverständlich davon ausgingen, mit dem Kunden auf „gleicher Augenhöhe" zu sein und über alles diskutieren zu können. Die koreanischen Kunden empfanden das Verhalten der deutschen Lieferanten dagegen als anmaßend und völlig unakzeptabel. Warum dieses Verhalten von den einen als normal, von den anderen aber als völlig ungebührlich empfunden wird, hat offensichtlich mit den Unterschieden zwischen der koreanischen und deutschen Kultur zu tun. Wenn die Rede von „Kultur" ist, werden Aussagen über das normalerweise zu erwartende Verhalten gemacht, also in diesem Fall darüber, wie sich Lieferanten gegenüber Kunden verhalten sollen, nämlich devot. Wird dieser – aus koreanischer Sicht – völlig selbstverständlichen Erwartung des Kunden nicht entsprochen, löst dies Irritationen aus. Dass der Delegationsleiter so harsch reagierte, hat jedoch nicht unbedingt kulturelle, sondern wohl eher subjektive Gründe. Kultur bedeutet so gesehen Handlungssicherheit, bedeutet zu wissen oder zu ahnen, wie sich der Andere verhalten wird. Mit einer fremden Kultur konfrontiert zu werden und zudem wenig über sie zu wissen, bedeutet Unsicherheit, da Handlungsweisen und Ereignisse, Haltungen und Einstellungen nicht vorhergesagt werden können. Kultur wird dann zu einem Risikofaktor.
Unter „Kultur" werden oft ganz unterschiedliche Dinge verstanden. Die Kulturanthropologen Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn stellten bereits 1952 eine Sammlung von über 150 Definitionen des Begriffs „Kultur" zusammen. Bis heute sind sicherlich noch zahlreiche Definitionen hinzugekommen. Für das Anliegen dieses Beitrags soll eine praktikable Definition von Kultur gegeben werden, die drei Aspekte umfasst:
(1) erstens wird Kultur als das „selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe" verstanden, in das der Mensch verstrickt ist (Geertz, 1987: 9)
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