Hochschule im Wandel - Die Universität als Forschungsgegenstand. Festschrift für Ulrich Teichler
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Barbara M. Kehm |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 491 Seiten |
| Format: | PDF: 2,9MB |
| ISBN: | 3593387468 |
| Bestell-Nr.: | 59338746P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Der Bologna-Prozess hat mit seinen umfassenden Reformen die Hochschullandschaft in Europa grundlegend verändert. Er führte unter anderem zur Öffnung für internationale Kooperationen und zu einem neuen Verständnis der Universität als Vorbereitung für den Beruf. Ulrich Teichler hat auf diesen Gebieten grundlegende Forschungsarbeit geleistet. In dieser Festschrift knüpfen renommierte Hochschulforscherinnen und -forscher an seine Arbeit an und analysieren aktuelle Entwicklungen.
Leseprobe:
Zwischen universeller Inklusion und neuer Exklusivität (S. 181-182)
Institutionelle Differenzierungen und Karrieremuster im akademischen Feld: Deutschland im internationalen Vergleich
Reinhard Kreckel
Die Studierendenzahlen der Hochschulen haben sich seit den 1950er und 1960er Jahren weltweit vervielfacht (Meyer und Schofer 2005, Reisz und Stock 2007). In den fortgeschrittenen Wissensgesellschaften hat mittlerweile das Zeitalter der »universal higher education« begonnen, in dem über die Hälfte der nachwachsenden Bevölkerung ein Hochschulstudium aufnimmt (Trow 2006). Wenn man den alljährlich veröffentlichten Zahlen der OECD Glauben schenkt, so beginnen heute im Durchschnitt der OECD-Länder bereits 54 Prozent eines Altersjahrganges ein Hochschulstudium. Die nordischen Länder und Polen sowie Australien und Neuseeland nähern sich mit Werten von über 70 Prozent bereits dem Zustand der »allgemeinen Hochschulpflicht« (vgl. OECD 2007, S. 294). In Deutschland lag die Hochschulbeteiligungsquote im Jahr 2005 mit 37 Prozent zwar deutlich darunter. Noch 1995 betrug sie aber nur 27 Prozent, so dass auch hier innerhalb eines Jahrzehnts eine dramatische Steigerung stattgefunden hat (Statistisches Bundesamt 2007, S.10). In den Augen von Ulrich Teichler (2005, S. 165) ist für Deutschland das Erreichen der 50-Prozent-Grenze wohl nur noch eine Frage der Zeit. Die Hochschulen sind inklusiv geworden und haben ihre alte Exklusivität verloren.
Während einerseits die Studierendenzahlen dramatisch zunehmen, werden andererseits die Forderungen nach Spitzenleistungen in der Forschung und nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit immer drängender. Die sogenannte Exzellenzinitiative in Deutschland, in deren Rahmen 2006 und 2007 insgesamt neun »Eliteuniversitäten« gekürt worden sind, mag dafür als Beleg genügen. Generell gewinnt der Elitebegriff in der hochschulpolitischen Diskussion wieder an Boden (vgl. Kreckel 2006, Münch 2007). Das Hauptaugenmerk gilt dabei der Forschung, nicht der Lehre. Es stellt sich damit die Frage, ob im Hochschulbereich der zunehmend inklusiven Wissensgesellschaften neue Exklusivitätsstrukturen im Entstehen sind.
Alle fortgeschrittenen Hochschulsysteme stehen vor dem Problem, wie sie die Notwendigkeiten expandierender Breitenausbildung mit den Erfordernissen der Spitzenforschung und der Qualifikation erstklassigen wissenschaftlichen Nachwuchses vereinbaren können, und das bei stagnierenden Finanzmitteln. Auf dieses Breite-Spitze-Dilemma gibt es auf struktureller Ebene zwei typische Antworten. Die eine lautet: strukturelle Diversifizierung und Differenzierung, die andere: Personalstrukturreform. Mit diesen beiden Aspekten möchte ich mich hier beschäftigen, und zwar in international vergleichender Perspektive. Denn trotz beobachtbarer Angleichungs- und Standardisierungstendenzen im globalen und europäischen Rahmen sind die Antworten auf den weltweiten Druck zur Hochschul- und Wissenschaftsexpansion immer noch in hohem Maße pfadabhängig und an nationale Strukturvorgaben und Traditionen gebunden. Meine folgenden Ausführungen stützen sich auf eine noch unveröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in der die akademischen Personalstrukturen in Frankreich, Großbritannien, USA, Schweden, Niederlande, Österreich und der Schweiz im Kontrast zu Deutschland untersucht wurden (Kreckel u.a. 2007).
Strategische Konstellationen: Institutionelle Externalisierung, interne Funktionsdifferenzierung, kategoriale Segmentierung, vertikale Stratifizierung
Das europäisch-amerikanische Modell der Forschungsuniversität hat sich heute weltweit als Leitbild durchgesetzt: Überall ist die Universität der zentrale institutionelle Ort, wo höhere Bildung in Verbindung mit wissenschaftlicher Forschung vermittelt und durch formelle Prüfungen zertifiziert wird. Andere tertiäre Bildungseinrichtungen, etwa die Fachhochschulen, orientieren sich an den Universitäten. Ebenso hat sich auch die (Forschungs-)Promotion als notwendige Mindestqualifikation für universitäre Hochschullehrerpositionen weitgehend durchgesetzt.
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