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Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design
 

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Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design

 
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Buchausgabe: 44,80€
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Rolf Schulmeister
Verlag: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH
Version: 4. Auflage, 2007
Umfang: 495 Seiten
Format: PDF: 6,87MB
ISBN: 3486273957
Bestell-Nr.: 48627395P
Artikeltyp: E-Book
 

Die Vielfalt der technischen Möglichkeiten und die psychologisch-didaktischen Ansätze von Hypermedia- und Multimedia-Lernprogrammen werden dargestellt, geordnet und bewertet. Die Bewertung hypermedialer Lernsysteme erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der hier die Disziplinen Informatik, Psychologie und Didaktik zusammenführt.

Instruktionalismus und Konstruktivismus werden verglichen und ihre Umsetzungen bzw. der Einfluss dieser Ansätze auf die Erstellung von Lernsoftware und der Erfolg resultierender Programme diskutiert. Die Darstellung mündet in einem "Plädoyer für die Phantasie", das dazu auffordert, Visionen für den zukünftigen Einsatz von Hypermedia-Systemen zu entwickeln, die ihre ganzen Möglichkeiten ausschöpfen.

Rolf Schulmeister gründete nach einer Ausbildung zum Sprach- und Literaturwissenschaftler 1971 das Interdisziplinäre Zentrum für Hochschuldidaktik (IZHD) der Universität Hamburg (jetzt Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung), an dem er seit 1976 als Professor für Hochschuldidaktik tätig ist. Seine Forschungsschwerpunkte sind seit Mitte der 1980er-Jahre Multimedia und eLearning. Er ist ebenfalls als Professor im Institut für Deutsche Gebärdensprache in der Fakultät für Sprache, Literatur und Medien tätig.


Leseprobe:

3 Theorien des Lernens (S. 65)

Epistemologische Theorie der Kognition

Die kognitive Psychologie, die auf die Theorien Jean Piagets und Jerome S. Bruners zurückgeht, geht im Gegensatz zum Behaviorismus1 und seinem Theorem der gepaarten Assoziationen davon aus, dass Lernen auf kognitiven Strukturen beruht und durch kognitive Konzepte ständig mediiert wird. Piagets Theorie der genetischen Epistemologie ist eine tief in der biologischen Evolution gründende Vorstellung von der Anpassung des Organismus an die Umwelt.

Die ontogenetische Entwicklung des Individuums wird durch Austauschprozesse mit der Umwelt reguliert, die Piaget als »Akkomodation« und »Assimilation « bezeichnet, als die Anpassung der erworbenen kognitiven Konzepte an neue pragmatische Gegebenheiten und als die Hereinnahme externer Objekte und Zustände in die inneren Strukturen des Individuums unter Modifikation der vorhandenen kognitiven Strukturen.

Ziel der Assimilations- und Akkomodationsprozesse ist die Überwindung von Perturbationen in der Begegnung mit der Umwelt und die Herstellung eines neuen Equilibriums. Die epistemologische Theorie der Kognition hat zwei pädagogisch-methodische Konzepte begründet: Das entdeckende Lernen [Bruner (1961)] und das Lernen mit Mikrowelten [Papert (1980)].

Und sie bildet zugleich die psychologisch- philosophische Grundlage für den Konstruktivismus [s. die Beiträge in den Sammelbänden von Forman/Pufall (1988) und Beilin/Pufall (1992), s.a. Varela (1990), Smith (1993)]. Auf das Konzept der Mikrowelten war ich im vorigen Kapitel bereits kurz eingegangen. Es bleibt mir, an dieser Stelle etwas zum entdeckenden Lernen nachzuholen. Den Konstruktivismus werde ich im nächsten Abschnitt eingehender behandeln.

Aus der kognitiven Psychologie heraus hat sich das Modell des »Entdeckenden Lernens« entwickelt: Für das entdeckende Lernen stehen der an der Heuristik menschlichen Denkens orientierte Erkenntnisprozess, der konzeptgeleitete Denkprozess und das konstruktive Problemlösen im Vordergrund. Lernmaterialien nach dem Frage-Antwort-Schema bieten den Lernenden nach Ansicht der kognitiven Psychologie viel zu wenig Spielraum, ihre vorhandenen kognitiven Konzepte zu aktivieren und neue zu entwickeln.

Aufgaben, die dem Suchen, Probieren und Explorieren weiten Raum geben, sowie die Simulation kognitiver Prozesse sind hierfür schon eher geeignet. Auf jeden Fall ist für ein solches Lernen – bezogen auf das Lernen mit Computern – die Freiheit des Lernenden wichtig, Wege und Strategien im Umgang mit Programmen selbst wählen zu können. Jacobs (1992), der die Geschichtslosigkeit in der Pädagogik beklagt, bietet eine historische Darstellung des entdeckenden Lernens von Sokrates bis heute.

Er möchte damit eine Kontinuität der Vorstellung vom entdeckenden Lernen im Geschichtlichen herstellen. Einen Überblick über Untersuchungen zum entdeckenden Lernen gibt Heller (1990). Sie gibt deutlich zu erkennen, dass entdeckendes Lernen kein Patentrezept ist, sondern dass der Erfolg des entdeckenden Lernens von vielen Faktoren abhängig ist: Studierende aus gehobenen sozio-ökonomischen Schichten und aus städtischen Umgebungen scheinen eher davon zu profitieren, ebenso selbstsichere, kompetente Lerner, während misserfolgsängstliche Studierende eher vom angeleiteten Lernen profitieren.

Heller stellt jedoch auch fest, dass die These von der motivierenden Wirkung des entdeckenden Lernens weitgehend bestätigt worden ist. Neuere Einzelstudien sind u.a.

• die Studie von Wilson und Tally (1991), die 10 Multimedia-Programme auf ihre Eignung für das entdeckende Lernen hin untersuchten, und

• die Studie von Wolfe (1992), der entdeckendes Lernen durch studenten-generierte Experimente in der Statistik fördern will, um die Studierenden mit Statistik und experimentellen Methoden vertraut zu machen und ihr empirisches Denken zu fördern.

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