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Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen
 

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Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Hans Weiß
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Version: 1. Auflage, 2000
Umfang: 265 Seiten
Format: PDF: 35,99MB
ISBN: 3497015393
Bestell-Nr.: 49701539P
Artikeltyp: E-Book
 

"Die Frühförderung, als interdisziplinäres System der Hilfe für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder und ihre Familien, hat sich seit ihren Anfängen vor einem Vierteljahrhundert auch für jene Säuglinge und Kleinkinder verantwortlich erachtet, deren Entwicklung durch prekäre Lebensumstände gefährdet ist. Bereits die Empfehlungen der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates (1973), die für die Entstehung der Frühförderung impulsgebend waren, haben ihr für diese Aufgabe eine hohe Verantwortung zugemessen. In den letzten 10 bis 15 Jahren gewann dieses Arbeitsfeld offensichtlich weiter an Bedeutung. Wenngleich es dafür vielfältige, im einzelnen noch zu klärende Gründe geben dürfte, hat dies sicher auch damit zu tun, daß im Zuge gesellschaftlicher und ökonomischer Umbrüche und Verwerfungen die Zahl der sog. „Modernisierungsverlierer"", vor allem aufgrund von Massen- und Dauerarbeitslosigkeit, angestiegen ist. Zusammen mit dem Brüchigwerden normativer Leitbilder sind davon auch Familien mit Kindern betroffen, besonders jene, die ohnehin nur über eingeschränkte finanzielle, soziale und kulturelle Ressourcen verfügen.

Der Autor


Prof. Dr. Hans Weiß, seit 1995 Professur für Körperbehindertenpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Fakultät für Sonderpädagogik, Reutlingen"


Leseprobe:

Armut in einer reichen Gesellschaft (S. 12-13)

Begrifflich-konzeptionelle, empirische, theoretische und regionale Aspekte
Von Karl August Chasse

Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts lassen sich als eine Zeit kennzeichnen, in der gesellschaftlich und politisch offensichtlich größere soziale Ungleichheiten akzeptiert werden als noch in den 60er und 70er Jahren. Soziale Polarisierungen, Kürzungen sozialer Leistungen, Steuersenkungen scheinen konsensfähiger zu sein als der Kampf um soziale Gerechtigkeit und der Ausbau des Sozialstaats. „Armut44 ist seit der Zeit der Aufklärung u. a. ein politischer Kampfbegriff. Die Enzyklopädisten Diderot und D'Alembert hatten mit der Darstellung der Armut die Forderung nach Emanzipation und gesellschaftlicher und politischer Teilhabe der unteren Klassen verbunden. Armut sahen sie als Folge politischer Ungleichheit und gesellschaftlicher Unterdrückung und Ausbeutung, sie bezeichnete gesellschaftliche Klassen. Noch im 19. Jahrhundert wird das Proletariat als Klasse der „working poor"" von den „idle poor"" unterschieden. Da deren absolute Armut unter der überlebensnotwendigen Grenze lag, hatte sie als Elend empirische Evidenz, wie etwa Engels' Schilderung der „Die Lage der arbeitenden Klasse in England"" von 1845 zeigte (Engels 1845, 1969). Armut war augenfällig. Heute - im Zeitalter der Individualisierung - gilt Armut als ein Merkmal von Personen, nicht von Klassen, Schichten, Gruppen. Als relative Armut ist sie nicht augenfällig.

Doch wird auch heute mit dem Begriff „Armut"" Teilhabe und gesellschaftliche Integration für benachteiligte und ausgeschlossene Menschen eingefordert. Dies geschieht allerdings in einer gesellschaftlichen Situation, die von großer „Unübersichtlichkeit"" gekennzeichnet ist.

Unübersichtlich bleibt in der politischen, öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion, was Armut heute, im Modernisierungsprozeß, bedeutet und wie sie sich auf verschiedene Personengruppen auswirkt. Unstrittig ist jedoch, daß Armut zunimmt, gleichgültig welches Armutsmaß verwendet wird. Insgesamt scheint sich die Gesellschaft gegenwärtig sozial polarisiert zu entwickeln, Armut nimmt ebenso zu wie der gesellschaftliche Reichtum, bei einer breiten Mitte der Gesellschaft (Huster 1997).

Zugleich hat sich der wissenschaftliche Umgang mit Armut verändert. Zwar stieg mit dem Anwachsen der Armut die Aufmerksamkeit für dieses Thema vor allem bei Sozialwissenschaftlern und Sozialpädagogen an, aber auch bei den Wohlfahrtsverbänden. So sind in den letzten 10 Jahren nach langer Stagnation empirischer Forschung große Armutsberichte erschienen (Paritätischer Wohlfahrtsverband 1989, Hauser &, Hübinger 1993, Hanesch et al. 1994, Hübinger 1996). Ebenso gibt es auf lokaler Ebene inzwischen eine Vielzahl von Armutsberichten, in denen Städte und Gemeinden oder auch Verbände versuchen, eine Analyse der sozialen Entwicklung in ihrem Raum zu geben. Zum überwiegenden Teil handelt es sich freilich nur um Sozialhilfeberichte. Nach Ansicht der Politik jedoch stellt Sozialhilfe bekämpfte Armut dar, d. h., Sozialhilfebezieher befinden sich eben nicht in einer Armutslebenslage. Die Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen fordert, den sinkenden materiellen Lebensstandard von Teilen der Bevölkerung hinzunehmen. Es gebe bei gesellschaftlichen Erneuerungsstrategien Gewinner und Verlierer (Bericht 1996).

1. Armutsbegriffe und Armutskonzepte

Es existieren unterschiedliche wissenschaftliche Konzepte einer Armut in hochentwickelten Gesellschaften, einer Armut im Wohlstand (Döring et al. 1990). Diese Unübersichtlichkeit hängt auch mit der völlig unterentwickelten Datenbasis zusammen, die eine Weiterentwicklung theoretischer Positionen nicht begünstigt. Die folgende Darstellung zeigt auch eine historische Abfolge der Konzepte, die in etwa der zunehmenden Komplexität der Problematik folgt."

Kapitel:
0. Inhalt
1. Vorwort (4 Seiten)
2. I. Armut und Benachteiligung in Deutschland (22 Seiten)
3. II. Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Familien und Kindern in Armutsverhältnissen als fachliches und sozialpolitisches Thema (80 Seiten)
4. III. Familien und Hilfesysteme: Innerfamiliäre Beziehungsdynamiken und Spannungsfelder mit Fachleuten (28 Seiten)
5. IV. Frühe Hilfen bei armuts- und benachteiligungsbedingten Entwicklungsgefährdungen: Erkenntnisse der empirischen Forschung (34 Seiten)
6. V. Frühförderung mit Familien in Armutslagen: Konzeptionelle Orientierungen, Handlungsmöglichkeiten und bewährte Praxis (61 Seiten)
7. Literatur (22 Seiten)
8. Autorenverzeichnis (1 Seite)
9. Sachregister
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