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Finanzmarkt ohne Grenzen? - Regionalpolitik und Finanzplätze in der Globalisierung
 

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Finanzmarkt ohne Grenzen? - Regionalpolitik und Finanzplätze in der Globalisierung

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Johannes Loheide
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Version: 1. Auflage, 2008
Umfang: 401 Seiten
Format: PDF: 1,71MB
ISBN: 353115625X
Bestell-Nr.: 53190869P
Artikeltyp: E-Book
 

In Beiträgen zur Globalisierung wird regelmäßig von einem starken Machtgefälle ausgegangen: Hier die territorial organisierten Akteure wie Regierungen, Parlamente und Gewerkschaften, dort territorial ungebundene Kapital- und Finanzmächte. Der Finanzsektor gilt als ein Bereich, in dem die Entgrenzung besonders weit fortgeschritten und eine politische Steuerung kaum mehr möglich ist. Auf der Grundlage von Interviews mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zeigt der Band, dass auch im Finanzsektor weiterhin starke territoriale Bindungen von Unternehmen an die führenden Finanzzentren existieren. Es findet jedoch eine Neuverteilung von Unternehmensfunktionen und Produktionsschritten entlang der Wertschöpfungskette statt. Die regionalen politischen Akteure haben weiterhin ein eigenständiges Machtpotential und sind keinesfalls zu einer reinen Anpassungsleistung an die Bedürfnisse globaler Finanzdienstleister gezwungen. Sie müssen ihre Handlungsmuster jedoch anhand der Arbeitsteilung im Finanzsektor variieren. Die Untersuchung bietet Grundlagen für eine Differenzierung der Globalisierungsdebatte. Es werden Handlungsperspektiven regionaler Politikgestaltung aufgezeigt und konkrete Empfehlungen für die Gestaltung der Finanzplatzpolitik gegeben. Zudem wird eine Weiterentwicklung theoretischer Ansätze der Funktion von Finanzplätzen vorgenommen.


Leseprobe:

IV Interviews mit Experten – zum Methodischen (S. 111-112)

Vorgehen

In den beiden voran stehenden Kapiteln konnten Entwicklungen der Entgrenzung und der starken Bindung im Finanzsektor aufgezeigt werden. Die weltweite Liberalisierung von Finanzdienstleistungen und die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik haben tatsächlich die Bedeutung territorialer und räumlicher Barrieren für Finanzdienstleistungen verringert (vgl. Kapitel II Strukturentwicklungen im Finanzsektor). Dennoch ist eine starke Konzentration von Finanzdienstleistern an wenigen Plätzen zu verzeichnen und auch innerhalb der Finanzzentren finden sie sich auf wenigen Quadratkilometern wieder.

Die Gründe, die trotz der potenziellen Entgrenzung zu dieser Bindung an wenige Plätze führen, sollen im Rahmen von Experteninterviews betrachtet werden. Dafür wird im Folgenden das methodische Vorgehen erläutert, hierfür werden das Ziel sowie die Vorgehensweise der qualitativen Studie dargelegt: Für die vorliegende Untersuchung wurde in Ergänzung der Aufarbeitung von Studien und Literatur eine qualitative Studie auf der Grundlage von Interviews mit Expertinnen und Experten im Finanzmarkt Frankfurt durchgeführt.

Die Studie verfolgt zwei Ziele: A) Zum einen wird das Faktenwissen über Standortbindungen im Finanzmarkt und Handlungsmöglichkeiten regionaler öffentlicher Akteure erweitert. Bisher nicht gesehene Themen und Relevanzen ergänzen dadurch die Erkenntnisse, die auf der Grundlage von Daten, Studien und Literatur im Vorfeld aufgearbeitet wurden. Die Dimensionen von Bindung von Finanzdienstleistern an Standorte sowie mögliche Gewichte der Bindungsdimensionen stehen hierbei im Mittelpunkt.

Die Einschätzungen regionaler Akteure im Umfeld des Finanzmarktes Frankfurt fließen damit als Expertenwissen in die Untersuchung ein. B) Zum zweiten wird untersucht, wie sich die Vorstellungen von existierenden bzw. schwindenden Bindungen von Finanzdienstleistern an Standorte auf das Handeln der öffentlichen regionalen Akteure, konkret der Region Rhein- Main und des Landes Hessen auswirken. Es wird eruiert, welche Einflusssphären, Handlungsfelder und -instrumente die Akteure sehen und welche Strategien und Aktivitäten in Bezug auf den Finanzmarkt verfolgt werden. Hierbei werden Beziehungen zwischen den Bindungen, die von den Interviewten benannt werden, den Handlungsmöglichkeiten und den tatsächlichen Aktivitäten untersucht.

Diese sollen zudem mit den Aussagen der anderen Interviewteilnehmer verglichen werden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse soll ein Beitrag zur Erklärung des Handelns dieser öffentlichen Akteure geleistet werden. Zusätzlich zu diesen Zielen der Studie konnten aus den Interviews auch Rückschlüsse auf bestehende Theorien zur räumlichen Bindung an Finanzplätze gezogen werden. In den Interviews fanden sich Hinweise auf die Erklärungskraft von Finanzplatztheorien. Der in der Studie gewählte Ansatz ist insofern im Schwerpunkt deduktiv, da auf der Grundlage bestehender Erklärungsansätze für Bindungen im Finanzmarkt gearbeitet wird. Er wird jedoch durch einen Anteil an induktiven Fragestellungen in Bezug auf die Erklärung des Handelns regionaler öffentlicher Akteure ergänzt.

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