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Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft
 

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Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Bernd Ziesemer
Verlag: Campus Verlag
Version: 1. Auflage, 2007
Umfang: 220 Seiten
Format: PDF: 1,03MB
ISBN: 3593382350
Bestell-Nr.: 59338235P
Artikeltyp: E-Book
 

Seit Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller hält sich unter deutschen Politikern hartnäckig der Irrglaube, durch eine regulatorische Ordnungspolitik könne man die Wirtschaft erfolgreich steuern. Die Folge sind meterdicke Regelwerke und Gesetze, die oftmals das genaue Gegenteil von dem bewirken, was sie erreichen sollen.

Der Autor

Bernd Ziesemer ist Chefredakteur des Handelsblatts und lebt in Düsseldorf. Er ist Autor des Buches »Die Neidfalle.Wie Missgunst unsere Wirtschaft lähmt« (Campus 1999) und Herausgeber von »Pioniere der deutschen Wirtschaft.Was wir von den großen Unternehmerpersönlichkeiten lernen können« (Campus 2006).

Schlagworte
Erhard, Ludwig
Gesetzesflut
Gesetzgebung
Hartz IV
Hartz, Peter
Marx, Karl
Ökonomie
Ordnungspolitik
Schilling, Karl
Sozialgesetze
Sozialstaat
Wirtschaftsordnung
Wirtschaftspolitik




Leseprobe:

Kapitel 3
Karl Schiller
oder: der Einzug des Machbarkeitswahns in die deutsche Politik (S. 57-59)

Nur drei Männer haben seit 1949 als Bundeswirtschaftsminister nachhaltige Spuren in Deutschland hinterlassen: Ludwig Erhard, Karl Schiller und Otto Graf Lambsdorff. Am Beispiel dieser drei so unterschiedlichen Politiker lässt sich sehr gut beschreiben, wie die ökonomische Unvernunft allmählich die deutsche Politik eroberte. Erhard ging als Vater der sozialen Marktwirtschaft in die Geschichte der Bundesrepublik ein. Otto Graf Lambsdorff hingegen bleiben seine visionären Forderungen und seine Weitsicht, was die zukünftigen Entwicklungen des Sozialstaates anging. Beide konnten sich jedoch in ihren Parteien und Koalitionen nur partiell mit ihren Vorstellungen durchsetzen. Was aber bleibt von Karl Schiller, dem dritten im Bunde der prägenden Wirtschaftsminister in Deutschland? Mit ihm, der dieses Amt von 1966 bis 1972 inne hatte, zog jener Machbarkeitswahn in die deutsche Wirtschaftspolitik ein, der sie bis heute prägt. Durch seine Vorstellungen von der Möglichkeit einer Feinsteuerung der Konjunktur schuf der Sozialdemokrat überhaupt erst das Instrumentarium, mit dem seine Nachfolger Deutschland immer stärker in eine gefährliche wirtschaftspolitische Komplexität trieben. Schiller schuf in der Zeit der ersten Großen Koalition zum Teil bewusst, zum Teil aber auch gegen seine eigenen gutgläubigen Intentionen die geistigen Grundlagen und Begründungszusammenhänge für den Staatsinterventionismus, der bis heute in den beiden großen Volksparteien, sowohl in der SPD als auch in der CDU/CSU, vorherrscht.

Die öffentliche Wahrnehmung: ein wortmächtiger Fachmann

Die Erinnerung der breiten Bevölkerung an Karl Schiller dürfte eine ganz andere sein. Der Volkswirtschaftsprofessor war in seinen Hochzeiten in der Bevölkerung fast so populär wie Erhard kurz nach der Währungsreform 1948, als sich die Schaufenster über Nacht mit begehrten Waren füllten. Schillers Einfluss auf die deutsche Wirtschaftspolitik im Ganzen war auf jeden Fall wesentlich größer als der Lambsdorffs, der sich eher als unbequemer Mahner denn als Macher profilierte. Möglicherweise prägte Schiller die deutsche Wirtschaftspolitik sogar nachhaltiger als Erhard, der sich mit vielen seiner Vorstellungen schon kurz nach der Währungsreform nicht mehr durchsetzen konnte. Adenauer setzte beispielsweise gegen den ausdrücklichen Widerstand Erhards ein Rentensystem durch, das bereits den Keim seines späteren Scheiterns in sich trug. Kein anderer Wirtschaftsminister in der Geschichte Deutschlands, schon gar nicht der eher dröge Redner Erhard, konnte sich mit Schillers Wortmächtigkeit messen. Sein praktischer Erfindungsreichtum in der Politik galt als legendär. Der Hamburger setzte wie kein zweiter Politiker neue Begriffe – zum Beispiel den der »konzertierten Aktion«, der institutionalisierten Zusammenarbeit von Unternehmern, Gewerkschaften und Bundesregierung. Als »Bündnis für Arbeit« lebte die gleiche Idee unter Bundeskanzler Schröder später wieder auf.

Die Erinnerung der breiten Bevölkerung an Karl Schiller dürfte eine ganz andere sein. Der Volkswirtschaftsprofessor war in seinen Hochzeiten in der Bevölkerung fast so populär wie Erhard kurz nach der Währungsreform 1948, als sich die Schaufenster über Nacht mit begehrten Waren füllten. Schillers Einfluss auf die deutsche Wirtschaftspolitik im Ganzen war auf jeden Fall wesentlich größer als der Lambsdorffs, der sich eher als unbequemer Mahner denn als Macher profilierte. Möglicherweise prägte Schiller die deutsche Wirtschaftspolitik sogar nachhaltiger als Erhard, der sich mit vielen seiner Vorstellungen schon kurz nach der Währungsreform nicht mehr durchsetzen konnte.

Adenauer setzte beispielsweise gegen den ausdrücklichen Widerstand Erhards ein Rentensystem durch, das bereits den Keim seines späteren Scheiterns in sich trug. Kein anderer Wirtschaftsminister in der Geschichte Deutschlands, schon gar nicht der eher dröge Redner Erhard, konnte sich mit Schillers Wortmächtigkeit messen. Sein praktischer Erfindungsreichtum in der Politik galt als legendär. Der Hamburger setzte wie kein zweiter Politiker neue Begriffe – zum Beispiel den der »konzertierten Aktion«, der institutionalisierten Zusammenarbeit von Unternehmern, Gewerkschaften und Bundesregierung. Als »Bündnis für Arbeit« lebte die gleiche Idee unter Bundeskanzler Schröder später wieder auf.



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