Die richtige Corporate Governance - Mit wirksamer Unternehmensaufsicht Komplexität meistern
Sie sparen 17% gegenüber der Buchausgabe!
Buchausgabe: 42,00€
Download-Version: 34,99€
(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Fredmund Malik |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 336 Seiten |
| Format: | PDF: 3,27MB |
| ISBN: | 3593386968 |
| Bestell-Nr.: | 59338696P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Fredmund Malik zeigt, dass die Leistungskraft eines Unternehmens nur sichergestellt werden kann, wenn sich der Aufsichtsrat eines Unternehmens auch mit operativen Fragen wie der Personalauswahl beschäftigt, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Im Zentrum aller wirtschaftlichen Überlegungen darf weder der Shareholder Value noch der Stakeholder Value, sondern die Steigerung der Leistungskraft des Unternehmens stehen. So bietet Malik zahlreiche konkrete Verbesserungsvorschläge für eine Neuausrichtung von Unternehmen und Wirtschaft. » Viele Praktiker hängen an seinen Lippen und schätzen seine klare Sprache.« Wirtschaft und Weiterbildung
Leseprobe:
Kapitel 1 Neue Einführung 2008: Radikalkur für funktionierende Corporate Governance (S. 15)
Corporate Governance muss sich zu funktionierendem Management wandeln
Corporate Governance und dafür geeignete Corporate Governance Codes müssen sich an den inhaltlichen Prinzipien richtiger und guter Unternehmensführung, das heißt an funktionierendem Management und nicht nur an Formalregeln orientieren, die inhaltlich beinahe beliebig gefüllt werden können. Wie sie heute verstanden wird, ist Corporate Governance ein zwar vieldiskutierter, aber großteils falscher Schritt in der Geschichte der neueren Unternehmensführung.
Richtig ist der Schritt bezogen auf die Bedeutung, die dem Topmanagement und besonders der Aufsichtsfunktion im Gegensatz zu früher zugemessen wird. Hingegen ist heutige Corporate Governance ein dreifach falscher Schritt, nämlich bezüglich des Inhaltes der Corporate Governance-Funktion, somit auch bezüglich der konkreten Aufgaben der Topmanagement-Organe und folglich ihrer Ausgestaltung und Arbeitsweise. Der regelmäßig vorgebrachte Einwand, man könne nicht sagen, was richtige Unternehmensführung sei, scheint aus Unkenntnis über Management zu resultieren, denn die Inhalte richtiger Unternehmensführung können heute in großem Umfange für praktische Zwecke ausreichend definiert werden.
Es gibt also keinen Grund, darauf zu verzichten oder sie gar aus den Corporate Governance Codes systematisch auszuklammern. Heutige Corporate Governance muss daher neu orientiert und in ihren wesentlichen Punkten tiefgreifend und radikal reformiert werden, damit sie wirksam richtiges Management sicherstellt und zu effektiv funktionierenden Unternehmen, zu einer leistungsfähigen Wirtschaft und einer lebensdienlichen Gesellschaft unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts beiträgt. Für richtige Unternehmensführung muss als Erstes die innere Kausali- tät der Corporate Governance um 180 Grad gedreht werden: Shareholder Value als inhaltliche Ausrichtung ist falsch.
Richtig ist Customer Value. Inhaltliche Ausrichtung auf Wertsteigerung ist falsch, richtig ist Ausrichtung auf Wettbewerbsfähigkeit. Die Logik des Wirtschaftens erlaubt hier keine Kompromisse. Zweck des Unternehmens ist es, zufriedene Kunden zu schaffen. Obwohl es jedermann freisteht, den Zweck der wirtschaftlich produktiven Institution der Gesellschaft anders und auch falsch zu definieren, wird man es verantwortungsvoll nicht tun können, ohne die Folgen zu bedenken, die in jeder anderen Definition mit innerer Logik zu gravierenden Fehlentwicklungen der Wirtschaft führen. Diese Zweckbestimmung, die am Kunden orientiert ist, deckt simultan sowohl Customer Value als auch Konkurrenzfähigkeit ab.
Nur wenn dieser Zweck erfüllt ist, kann das Unternehmen – dann aber umso besser – seine Shareholder befriedigen und für diese Wertsteigerung bewirken, und es kann bestmöglich auch die Stakeholder zufriedenstellen - als Resultat der richtigen Ziele. Umgekehrt hingegen geht es nicht. Das heutige Verständnis von Corporate Governance hat seinen Ursprung in den Wall-Street-Exzessen der neunziger und frühen zweitausender Jahre.
Diese führten zu teilweise irreparablen Schädigungen von börsennotierten Unternehmen und ihren Aktionären sowie von Reputation und Glaubwürdigkeit ihres Managements. Darüber hinaus drohten sie, die Wirtschaft generell in Verruf zu bringen, und schufen im Kontext des Neoliberalismus eine neue Wirtschaftsskepsis, zum Teil Wirtschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft. Der derzeitige Stand von Corporate Governance, wie er in den verschiedenen Corporate Governance Codes zum Ausdruck kommt, ist also nicht Ergebnis systematischer Durchdringung der Sachfragen, sondern Folge von akuten und kritischen Anlässen, die bekanntlich selten zu guten Lösungen führen.
Die Folge der Orientierung an den Akutfällen war, dass Corporate Governance in ihrer heutigen Form einseitig von juristischen und finanzwirtschaftlichen Überlegungen dominiert wird, weil die Skandale in ebendiesen Kategorien in Erscheinung traten. Juristische und finanzorientierte Disziplinierungsmittel waren damals der einzige Weg, die Exzesse rasch genug einzudämmen. Weitgehend unbeachtet blieb dabei die Tatsache, dass es in allen entwickelten Ländern zahlreiche Firmen gab und gibt, die ausgezeichnet funktionieren, unabhängig davon, ob sie an Börsen notieren oder nicht. Statt von diesen zu lernen, wie man es richtig macht, wurden Regeln erfunden, um Falsches zu verhindern.
Falsches zu verhindern bedeutet nun keineswegs, dass damit schon das Richtige getan wird. Hinzu kommt, dass die Corporate Governance-Diskussion die Positionen des vorherrschenden Zeitgeistes, nämlich des Neoliberalismus und der Börsen- und Finanzeuphorie, weitgehend unkritisch als Grundlage übernahm.
Leseprobe:
Kapitel 1 Neue Einführung 2008: Radikalkur für funktionierende Corporate Governance (S. 15)
Corporate Governance muss sich zu funktionierendem Management wandeln
Corporate Governance und dafür geeignete Corporate Governance Codes müssen sich an den inhaltlichen Prinzipien richtiger und guter Unternehmensführung, das heißt an funktionierendem Management und nicht nur an Formalregeln orientieren, die inhaltlich beinahe beliebig gefüllt werden können. Wie sie heute verstanden wird, ist Corporate Governance ein zwar vieldiskutierter, aber großteils falscher Schritt in der Geschichte der neueren Unternehmensführung.
Richtig ist der Schritt bezogen auf die Bedeutung, die dem Topmanagement und besonders der Aufsichtsfunktion im Gegensatz zu früher zugemessen wird. Hingegen ist heutige Corporate Governance ein dreifach falscher Schritt, nämlich bezüglich des Inhaltes der Corporate Governance-Funktion, somit auch bezüglich der konkreten Aufgaben der Topmanagement-Organe und folglich ihrer Ausgestaltung und Arbeitsweise. Der regelmäßig vorgebrachte Einwand, man könne nicht sagen, was richtige Unternehmensführung sei, scheint aus Unkenntnis über Management zu resultieren, denn die Inhalte richtiger Unternehmensführung können heute in großem Umfange für praktische Zwecke ausreichend definiert werden.
Es gibt also keinen Grund, darauf zu verzichten oder sie gar aus den Corporate Governance Codes systematisch auszuklammern. Heutige Corporate Governance muss daher neu orientiert und in ihren wesentlichen Punkten tiefgreifend und radikal reformiert werden, damit sie wirksam richtiges Management sicherstellt und zu effektiv funktionierenden Unternehmen, zu einer leistungsfähigen Wirtschaft und einer lebensdienlichen Gesellschaft unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts beiträgt. Für richtige Unternehmensführung muss als Erstes die innere Kausali- tät der Corporate Governance um 180 Grad gedreht werden: Shareholder Value als inhaltliche Ausrichtung ist falsch.
Richtig ist Customer Value. Inhaltliche Ausrichtung auf Wertsteigerung ist falsch, richtig ist Ausrichtung auf Wettbewerbsfähigkeit. Die Logik des Wirtschaftens erlaubt hier keine Kompromisse. Zweck des Unternehmens ist es, zufriedene Kunden zu schaffen. Obwohl es jedermann freisteht, den Zweck der wirtschaftlich produktiven Institution der Gesellschaft anders und auch falsch zu definieren, wird man es verantwortungsvoll nicht tun können, ohne die Folgen zu bedenken, die in jeder anderen Definition mit innerer Logik zu gravierenden Fehlentwicklungen der Wirtschaft führen. Diese Zweckbestimmung, die am Kunden orientiert ist, deckt simultan sowohl Customer Value als auch Konkurrenzfähigkeit ab.
Nur wenn dieser Zweck erfüllt ist, kann das Unternehmen – dann aber umso besser – seine Shareholder befriedigen und für diese Wertsteigerung bewirken, und es kann bestmöglich auch die Stakeholder zufriedenstellen - als Resultat der richtigen Ziele. Umgekehrt hingegen geht es nicht. Das heutige Verständnis von Corporate Governance hat seinen Ursprung in den Wall-Street-Exzessen der neunziger und frühen zweitausender Jahre.
Diese führten zu teilweise irreparablen Schädigungen von börsennotierten Unternehmen und ihren Aktionären sowie von Reputation und Glaubwürdigkeit ihres Managements. Darüber hinaus drohten sie, die Wirtschaft generell in Verruf zu bringen, und schufen im Kontext des Neoliberalismus eine neue Wirtschaftsskepsis, zum Teil Wirtschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft. Der derzeitige Stand von Corporate Governance, wie er in den verschiedenen Corporate Governance Codes zum Ausdruck kommt, ist also nicht Ergebnis systematischer Durchdringung der Sachfragen, sondern Folge von akuten und kritischen Anlässen, die bekanntlich selten zu guten Lösungen führen.
Die Folge der Orientierung an den Akutfällen war, dass Corporate Governance in ihrer heutigen Form einseitig von juristischen und finanzwirtschaftlichen Überlegungen dominiert wird, weil die Skandale in ebendiesen Kategorien in Erscheinung traten. Juristische und finanzorientierte Disziplinierungsmittel waren damals der einzige Weg, die Exzesse rasch genug einzudämmen. Weitgehend unbeachtet blieb dabei die Tatsache, dass es in allen entwickelten Ländern zahlreiche Firmen gab und gibt, die ausgezeichnet funktionieren, unabhängig davon, ob sie an Börsen notieren oder nicht. Statt von diesen zu lernen, wie man es richtig macht, wurden Regeln erfunden, um Falsches zu verhindern.
Falsches zu verhindern bedeutet nun keineswegs, dass damit schon das Richtige getan wird. Hinzu kommt, dass die Corporate Governance-Diskussion die Positionen des vorherrschenden Zeitgeistes, nämlich des Neoliberalismus und der Börsen- und Finanzeuphorie, weitgehend unkritisch als Grundlage übernahm.

