Die Oetkers
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| Autor(en): | Rüdiger Jungbluth |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2004 |
| Umfang: | 410 Seiten |
| Format: | PDF: 7,56MB |
| Gewicht: | 666 g |
| ISBN: | 3593373963 |
| Bestell-Nr.: | 59337396P |
| Artikeltyp: | E-Book |
»Ein Epos voller Triumphe und Tragödien« Stern über Die Quandts
98 Prozent der Deutschen kennen den Namen Oetker - er ist bekannter als der des Bundeskanzlers. Doch dass sich dahinter eine Familie verbirgt, die deutlich Spannenderes zu bieten hat als Pudding und Backpulver, wissen die wenigsten. Rüdiger Jungbluth, Autor des Bestsellers Die Quandts, stellt die Familie Oetker vor.
Ob mit Kuchen für die Söhne an der Front, mit Puddingpulver in der Fresswelle der Fünfziger oder mit Fertigpizza in der modernen Single-küche: Seit 150 Jahren bestimmt Dr. Oetker deutsche Speisezettel wie keine andere Marke. Heute ist Oetker der größte Bierbrauer, Sektkelterer und sogar Reeder Deutschlands.
Erfolgsautor Rüdiger Jungbluth schildert den wirtschaftlichen Aufstieg der Oetkers im Spiegel deutscher Zeitgeschichte, er enthüllt ihre Verstrickungen in der NS-Zeit und ihre privaten Tragödien. Er entdeckt ein gewaltiges Wirtschaftsimperium und einen der politisch einflussreichsten Familienclans Deutschlands.
Der Autor
Rüdiger Jungbluth studierte Volkswirtschaft und absolvierte die Journalistenschule in Köln. Zwischen 1992 und 2000 war er Wirtschaftskorrespondent bei Stern und Spiegel, danach stellvertretender Chefredakteur von Netbusiness. Bei Campus erschien 2002 seine Familienbiografie Die Quandts, die von der Süddeutschen Zeitung als »schnelles Buch über eine mächtige Dynastie« gelobt wurde. Rüdiger Jungbluth lebt und schreibt in Hamburg.
Leseprobe:
15. »Die meisten Verbraucher verlangten unsere Fabrikate« (S. 207-208)
Oetker profitiert von Währungsreform und Fresswelle
Am 8. April 1945 übergaben US-Einheiten die Stadt Bielefeld an die britische Militärführung. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 beschlossen Truman, Stalin und Attlee, »nazistische Parteiführer, einflussreiche Nazianhänger und die Leiter der nazistischen Ämter« zu verhaften und zu internieren. Vermutlich schon bald darauf wurde auch Rudolf-August Oetker von der britischen Militärpolizei verhaftet. Er war einer von rund 70000 Menschen, die die Briten im ersten Nachkriegsjahr internierten. Oetker wurde nach Paderborn-Staumühle gebracht. Dort befand sich ein riesiges Gefangenenlager, das Civil Internment Camp No. 5. Während der NS-Zeit hatte die Anlage als provisorische Garnison der Waffen-SS gedient.
Nach dem Krieg wurde Staumühle das größte Internierungslager der Briten. Zeitweilig wurden dort mehr als 10000 Menschen gefangen gehalten. Zu Anfang wussten viele der Inhaftierten nicht, weshalb man sie eingesperrt hatte. Dass die Briten nach festgelegten Arrestkategorien verfahren waren, die in bestimmten Fällen zu einer automatischen Verhaftung führten, war ihnen nicht bekannt. Unter den in Staumühle einsitzenden SS-Leuten glaubten zunächst nicht wenige, dass es zu einem Krieg zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion kommen würde.
Diese Männer wollten gegen den Bolschewismus kämpfen und rechneten damit, bald wieder zum Einsatz zu kommen. Aus Stimmungsberichten, die Militärangehörige und Geistliche über das Lager verfassten, geht hervor, dass viele der Internierten am meisten fürchteten, an die Sowjetunion oder osteuropäische Länder ausgeliefert zu werden. Tatsächlich wurden zahl- reiche Männer als mutmaßliche Kriegsverbrecher von den Briten nach Polen ausgeliefert. Im Lager Staumühle machten Gerüchte die Runde, die Ausgelieferten würden gar nicht angeklagt, sondern gleich misshandelt und umgebracht.
Rudolf-August Oetker bekam den Hass, den die Deutschen während des Kriegs in Osteuropa erzeugt hatten, am eigenen Leib zu spüren. Polnische Wachleute nahmen an ihm Rache für das, was sie unter der Naziherrschaft selbst erlitten hatten. Die Männer hatten offenbar erfahren, dass er der Waffen-SS angehört hatte. Dies war an der Tätowierung der Blutgruppe in der linken Achselhöhle zu erkennen, wie sie bei der Waffen-SS üblich war, oder an der Narbe, die entstand, wenn sie herausgeschnitten worden war. Die Wachleute schlugen Oetker so zusammen, dass er schwere gesundheitliche Schäden davontrug. Infolge der Misshandlungen musste Oetker später beim Gehen einen Stock benutzen.
Rudolf-August Oetker musste sich vermutlich schon während seiner Internierung in Staumühle einem Entnazifizierungsverfahren stellen. Über den Ausgang dieses Verfahrens ist bislang nichts bekannt geworden. Die Akten liegen heute noch unter Verschluss im Staatsarchiv in Düsseldorf. Es scheint sich um einen vergleichsweise langwierigen Prozess gehandelt zu haben. Oetker war an der Spitze der Nahrungsmittelfabrik tätig gewesen und Aufsichtsratsmitglied bei der Reederei Hamburg Süd. Vor allem aber war er Untersturmführer der Waffen-SS gewesen, in der auch Zehntausende von KZ-Wachen gedient hatten. Bei dieser Truppe war das Erschießen von Kriegsgefangenen eher die Regel als die Ausnahme gewesen. Im September 1946 wurde die Waffen-SS von den Alliierten zur verbrecherischen Organisation erklärt. Die Akten aus dem Entnazifizierungsverfahren Rudolf-August Oetkers sind mit rund 175 Seiten etwa siebenmal so umfangreich wie die aus dem Verfahren Karl Oetkers, der immerhin stellvertretender Betriebsführer der Nahrungsmittelfabrik gewesen war. Karl Oetker durchlief 1946 ein Entnazifizierungsverfahren.
Kapitel:
0. Inhalt
1. Prolog (4 Seiten)
2. 1870 - 1914 Eine wilhelminische Erfolgsgeschichte (66 Seiten)
3. 1914 – 1933 Weltkrieg, Wirren, Weimar (50 Seiten)
4. 1933 – 1945 Oetker im Dritten Reich (74 Seiten)
5. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von der Währungsreform bis zu Arend Oetker saniert das erbe seiner Mutter (57 Seiten)
6. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von der Entführung des Richard Oetker bis zum Postensammler Arend Oetker (63 Seiten)
7. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von drei Oetker-Frauen in der Politik bis acht Familienstämme in der fünften Generation (59 Seiten)
8. Epilog Eine deutsche Vorzeigefamilie (4 Seiten)
9. Quellen (8 Seiten)
10. Register
98 Prozent der Deutschen kennen den Namen Oetker - er ist bekannter als der des Bundeskanzlers. Doch dass sich dahinter eine Familie verbirgt, die deutlich Spannenderes zu bieten hat als Pudding und Backpulver, wissen die wenigsten. Rüdiger Jungbluth, Autor des Bestsellers Die Quandts, stellt die Familie Oetker vor.
Ob mit Kuchen für die Söhne an der Front, mit Puddingpulver in der Fresswelle der Fünfziger oder mit Fertigpizza in der modernen Single-küche: Seit 150 Jahren bestimmt Dr. Oetker deutsche Speisezettel wie keine andere Marke. Heute ist Oetker der größte Bierbrauer, Sektkelterer und sogar Reeder Deutschlands.
Erfolgsautor Rüdiger Jungbluth schildert den wirtschaftlichen Aufstieg der Oetkers im Spiegel deutscher Zeitgeschichte, er enthüllt ihre Verstrickungen in der NS-Zeit und ihre privaten Tragödien. Er entdeckt ein gewaltiges Wirtschaftsimperium und einen der politisch einflussreichsten Familienclans Deutschlands.
Der Autor
Rüdiger Jungbluth studierte Volkswirtschaft und absolvierte die Journalistenschule in Köln. Zwischen 1992 und 2000 war er Wirtschaftskorrespondent bei Stern und Spiegel, danach stellvertretender Chefredakteur von Netbusiness. Bei Campus erschien 2002 seine Familienbiografie Die Quandts, die von der Süddeutschen Zeitung als »schnelles Buch über eine mächtige Dynastie« gelobt wurde. Rüdiger Jungbluth lebt und schreibt in Hamburg.
Leseprobe:
15. »Die meisten Verbraucher verlangten unsere Fabrikate« (S. 207-208)
Oetker profitiert von Währungsreform und Fresswelle
Am 8. April 1945 übergaben US-Einheiten die Stadt Bielefeld an die britische Militärführung. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 beschlossen Truman, Stalin und Attlee, »nazistische Parteiführer, einflussreiche Nazianhänger und die Leiter der nazistischen Ämter« zu verhaften und zu internieren. Vermutlich schon bald darauf wurde auch Rudolf-August Oetker von der britischen Militärpolizei verhaftet. Er war einer von rund 70000 Menschen, die die Briten im ersten Nachkriegsjahr internierten. Oetker wurde nach Paderborn-Staumühle gebracht. Dort befand sich ein riesiges Gefangenenlager, das Civil Internment Camp No. 5. Während der NS-Zeit hatte die Anlage als provisorische Garnison der Waffen-SS gedient.
Nach dem Krieg wurde Staumühle das größte Internierungslager der Briten. Zeitweilig wurden dort mehr als 10000 Menschen gefangen gehalten. Zu Anfang wussten viele der Inhaftierten nicht, weshalb man sie eingesperrt hatte. Dass die Briten nach festgelegten Arrestkategorien verfahren waren, die in bestimmten Fällen zu einer automatischen Verhaftung führten, war ihnen nicht bekannt. Unter den in Staumühle einsitzenden SS-Leuten glaubten zunächst nicht wenige, dass es zu einem Krieg zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion kommen würde.
Diese Männer wollten gegen den Bolschewismus kämpfen und rechneten damit, bald wieder zum Einsatz zu kommen. Aus Stimmungsberichten, die Militärangehörige und Geistliche über das Lager verfassten, geht hervor, dass viele der Internierten am meisten fürchteten, an die Sowjetunion oder osteuropäische Länder ausgeliefert zu werden. Tatsächlich wurden zahl- reiche Männer als mutmaßliche Kriegsverbrecher von den Briten nach Polen ausgeliefert. Im Lager Staumühle machten Gerüchte die Runde, die Ausgelieferten würden gar nicht angeklagt, sondern gleich misshandelt und umgebracht.
Rudolf-August Oetker bekam den Hass, den die Deutschen während des Kriegs in Osteuropa erzeugt hatten, am eigenen Leib zu spüren. Polnische Wachleute nahmen an ihm Rache für das, was sie unter der Naziherrschaft selbst erlitten hatten. Die Männer hatten offenbar erfahren, dass er der Waffen-SS angehört hatte. Dies war an der Tätowierung der Blutgruppe in der linken Achselhöhle zu erkennen, wie sie bei der Waffen-SS üblich war, oder an der Narbe, die entstand, wenn sie herausgeschnitten worden war. Die Wachleute schlugen Oetker so zusammen, dass er schwere gesundheitliche Schäden davontrug. Infolge der Misshandlungen musste Oetker später beim Gehen einen Stock benutzen.
Rudolf-August Oetker musste sich vermutlich schon während seiner Internierung in Staumühle einem Entnazifizierungsverfahren stellen. Über den Ausgang dieses Verfahrens ist bislang nichts bekannt geworden. Die Akten liegen heute noch unter Verschluss im Staatsarchiv in Düsseldorf. Es scheint sich um einen vergleichsweise langwierigen Prozess gehandelt zu haben. Oetker war an der Spitze der Nahrungsmittelfabrik tätig gewesen und Aufsichtsratsmitglied bei der Reederei Hamburg Süd. Vor allem aber war er Untersturmführer der Waffen-SS gewesen, in der auch Zehntausende von KZ-Wachen gedient hatten. Bei dieser Truppe war das Erschießen von Kriegsgefangenen eher die Regel als die Ausnahme gewesen. Im September 1946 wurde die Waffen-SS von den Alliierten zur verbrecherischen Organisation erklärt. Die Akten aus dem Entnazifizierungsverfahren Rudolf-August Oetkers sind mit rund 175 Seiten etwa siebenmal so umfangreich wie die aus dem Verfahren Karl Oetkers, der immerhin stellvertretender Betriebsführer der Nahrungsmittelfabrik gewesen war. Karl Oetker durchlief 1946 ein Entnazifizierungsverfahren.
Kapitel:
0. Inhalt
1. Prolog (4 Seiten)
2. 1870 - 1914 Eine wilhelminische Erfolgsgeschichte (66 Seiten)
3. 1914 – 1933 Weltkrieg, Wirren, Weimar (50 Seiten)
4. 1933 – 1945 Oetker im Dritten Reich (74 Seiten)
5. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von der Währungsreform bis zu Arend Oetker saniert das erbe seiner Mutter (57 Seiten)
6. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von der Entführung des Richard Oetker bis zum Postensammler Arend Oetker (63 Seiten)
7. Seit 1945 Der Clan und seine Konzerne: von drei Oetker-Frauen in der Politik bis acht Familienstämme in der fünften Generation (59 Seiten)
8. Epilog Eine deutsche Vorzeigefamilie (4 Seiten)
9. Quellen (8 Seiten)
10. Register

