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Die Joghurt-Lüge. Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie
 

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Die Joghurt-Lüge. Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie

 
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Buchausgabe: 19,90€
Download-Version: 16,89€

(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Marita Vollborn, Vlad D. Georgescu
Verlag: Campus Verlag
Version: 1. Auflage, 2006
Umfang: 300 Seiten
Format: PDF: 2,11MB
ISBN: 3593379589
Bestell-Nr.: 59337958P
Artikeltyp: E-Book
 

Die Lebensmittelbranche ist eine gigantische Industrie. Im Milliardengeschäft mit den Lebensmitteln wird gelogen, betrogen und mit der Gesundheit der Verbraucher gespielt. Dieses Buch zeigt, wie die Lebensmittelindustrie funktioniert, und stellt die Akteure vor:Wer steckt eigentlich hinter dem Geschäft mit unserem Essen?

Marita Vollborn war Lebensmitteltechnologin im Management von Langnese-Iglo (Unilever).

Der Chemiker Vlad D. Georgescu beschäftigte sich mit Nachweisverfahren und -grenzen der wichtigsten Schadstoffe und Belastungssubstanzen. Vollborn und Georgescu arbeiten als freie Wissenschafts- und Medizinjournalisten für Focus, Spiegel online, SZ und andere Medien.


Leseprobe:

Kapitel 2 Functional Food (S.40)

Das Marketingversprechen

Vorgestern nannten wir es noch Essen, heute nennen wir es Schlemmen. Morgen aber werden herkömmliche Bezeichnungen die moderne Ernährung nicht mehr treffend beschreiben können. »Nahrung soll eure Medizin und Medizin eure Nahrung sein«, lautet die derzeit häufig bemühte hippokratische Lebensmaxime, die ihre Renaissance im 21. Jahrhundert zu erleben scheint.

Doch die »Gesundheit zum Essen«, wie Functional Food umschrieben wird, offenbart sich ganz anders, als es sich der Vater der Medizin um 400 vor Christus hätte träumen lassen. Denn Lebensmittel sind längst nicht mehr das, was sie einmal waren: durch einfache Technologien wie Erhitzen, Kühlen, Salzen, Zuckern oder Trocknen haltbar gemachte oder aufbereitete Mittel zum Leben, die den Menschen unabhängiger werden lassen von den Jahreszeiten und ihn vor Krankheiten schützen, die der Verderb mit sich bringt.

Zu Zeiten des Überflusses sollen Speisen nicht mehr nur sättigen. Sie verkörpern Lebenslust und sozialen Status, offenbaren Standpunkte und Denkweisen ihrer Konsumenten. Auch soll Nahrung von heute Bedürfnisse aller Art befriedigen, mögen diese auch noch so widersprüchlich sein: Sie soll schmecken, ohne dick und krank zu machen, sie soll »natürlich« hergestellt, aber ohne Makel und schnell zubereitet sein, sie soll frisch und immer verfügbar, aber billig sein.

Verzicht ist nicht die Sache des Verbrauchers, und so ersteht eine neue Lebensmittelgeneration. Produkte des Functional Food, so die hochfliegenden Träume der Industrie, verschaffen Genuss, sind auf das Individuum zugeschnitten und beugen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies, Osteoporose oder Diabetes mellitus vor.

Was ist Functional Food ?

Weil die Grenze zwischen Medikamenten und Nahrung zunehmend verschwimmt, ist es nicht leicht, eine klare Trennlinie zu konventionellen Nahrungs- und Genussmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilstoffen und Therapeutika zu ziehen. Wissenschaftler und Ernährungsfachleute tun sich schwer mit dem Begriff Functional Food.

Die Definition des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), bei funktionellen Lebensmitteln handele es sich um solche Verzehrgüter, »die über ihre Ernährungsfunktion hinaus gesundheitlich bedeutsame, physiologische Parameter langfristig und gezielt beeinflussen sollen«1, bleibt vage, die Synonyme »Designer-Lebensmittel« oder »Nutraceuticals« verwirren den Verbraucher eher, als dass sie Klarheit fördern.

Eine einheitliche Produktgruppe wie zum Beispiel Teigwaren, Tiefkühlkost oder Milcherzeugnisse bietet Functional Food nämlich nicht. Wenn sich der Glaube in den kommenden Jahren durchsetzt, nicht die Änderung des Lebensstils entscheide über Fitness und Widerstandskraft, sondern der gezielte Griff ins Supermarktregal, kann im Prinzip jedes beliebige Lebens- und Genussmittel zu Functional Food aufgepeppt werden.

Gegenwärtig verfolgen die Unternehmen der Lebensmittelbranche verschiedene Strategien bei der Herstellung von Functional Food:

1. Als negativ bewertete Bestandteile werden durch positiv bewertete ersetzt. Das bedeutet nicht zwingend, dass die als negativ bewerteten Bestandteile per se ungesund sind.

2. Stoffe, die üblicherweise nicht im Lebensmittel vorkommen, werden zugesetzt.

3. Bestandteile, die unerwünschte Effekte haben, werden entfernt.

4. Die Konzentration von Substanzen, denen ein positiver Effekt zugeschrieben wird und die das Lebensmittel natürlicherweise enthält, wird erhöht.

5. Die Bioverfügbarkeit bestimmter Bestandteile wird verbessert. Zu den bedeutsamsten Gruppen unter den Functional Foods zählen probiotische und prebiotische Produkte sowie mit Vitaminen, Mi- neralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen angereicherte Lebensmittel.

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