Die Flicks
Sie sparen 12% gegenüber der Buchausgabe!
Buchausgabe: 24,90€
Download-Version: 21,90€
(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Thomas Ramge |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2004 |
| Umfang: | 289 Seiten |
| Format: | PDF: 2,02MB |
| Gewicht: | 512 g |
| ISBN: | 3593374048 |
| Bestell-Nr.: | 59337404P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Mythos, Macht, Moneten
Keine deutsche Unternehmerfamilie stand den Mächtigen so nahe wie die Flicks - ob nun ein Kaiser, ein Diktator oder Demokraten regierten. Thomas Ramge erzählt die dramatische Geschichte um Aktienpoker und Spendenskandal, Unternehmergeist und Familienzwist.
Waffen, Macht, Skandale - diese Stichworte beherrschen die Geschichte der einstmals reichsten deutschen Familie. Der Pakt mit Kaiser und NS-Staat begann für den Stahlkonzern jeweils mit riesigen Gewinnen und endete in Schutt und Asche. Mit dem Wirtschaftswunder lief das Zusammenspiel mit der Macht erneut wie geschmiert. Doch die Flick-Affäre stürzte die Familie Hand in Hand mit der politischen Klasse der BRD in eine tiefe Krise, das größte deutsche Privatunternehmen zerbrach im Familienstreit.
Flick bleibt ein Reizwort: Wenn im kommenden Herbst die Flick-Collection in Berlin ihre Türen öffnet, wird die Vergangenheit der Familie erneut zum Thema.
Leseprobe:
IV. Die Flicks und das Wirtschaftswunder (S. 146-147)
Die Richter hatten ihr Urteil gesprochen. Friedrich Flick wanderte ins Kriegsverbrechergefängnis in Landsberg am Lech. Der Bau, in dem bereits viel Politprominenz des Dritten Reiches einsaß, war nicht frei von historischer Symbolik. Gut 20 Jahre zuvor hatte hier Hitler, nach seinem misslungenen Putsch in München, Mein Kampf geschrieben. Otto-Ernst Flick, bis Prozessende in Nürnberg als Zeuge inhaftiert, kehrte Anfang 1948 zu Frau und Kindern zurück, die er drei Jahre nicht gesehen hatte. Als Kronzeuge im Prozess hatte er keinen Familienbesuch empfangen dürfen.
Frau Barbara und seine beiden Söhne, Mick und Muck genannt, hatte es in der Zwischenzeit an den Starnberger See verschlagen, wo sie in einem kleinen Drei-Zimmer- Holzhaus auf einem Hügel mit Seeblick wohnten. Die nach Alliiertenrecht benannten Treuhänder des Konzerns ließen der jungen Familie eine kleine Apanage zukommen. »Personal hatten wir damals keins. Unserer Mutter hat das nichts ausgemacht. Sie war immer eine praktische Frau. Die Zeiten waren, wie sie waren, und sie hat einfach zugepackt «, erinnert sich der ältere Sohn Gert-Rudolf. Barbara Flick verdiente mit Übersetzungen hinzu, die beiden Jungs lebten glückliche Kindertage. »Ich war den ganzen Tag in der Natur, hatte nur zwei Lederhosen und zwei Pullis wie alle anderen Jungs auch.
Ich habe mich mit meinem großen Bruder wunderbar geprügelt und vertragen. Und in meinen Zeugnissen stehen so Sachen wie: ›Friedrich nannte den Herrn Direktor einen Hundsfott.‹ Oder: ›Friedrich schubste ein Mädchen in eine gewisse Rinne‹«, berichtet Friedrich Christian, der Jüngere. In der Dorfschule wurden die verschiedenen Klassenstufen wegen Platz- mangel alternierend morgens und nachmittags unterrichtet, und so ging der kleine Mick oft auch noch mit dem großen Bruder Muck in den Unterricht.
Der alleinerziehenden Mutter war das nur recht. Auch nach seiner Entlassung aus der Zeugenhaft hatte der Vater Otto-Ernst laut Militärgesetz 52 keinen Zugriff auf das Familienvermögen. Das stand weiterhin unter »property control«. Der Stammhalter machte sich daran, eine eigene Existenz aufzubauen, und erinnerte sich wohl an den Aufstieg seines Vaters. In München eröffnete Otto- Ernst Flick die Stahlhandlung Süd-Ferrum und machte – wie einst FF nach dem Ersten Weltkrieg – in eisenknappen Jahren gute Geschäfte mit Schrott. Den ließ er in der noch intakten Maxhütte in Sulzbach- Rosenberg zu Stahl verarbeiten, um ihn wieder über Süd-Ferrum zu verkaufen. Die Begeisterung des »Alten« über die geschäftlichen Ambitionen seines Sohnes soll sich in Grenzen gehalten haben. Regelmäßig besuchte Familie Otto-Ernst Flick den Patriarchen in Landsberg.
Muck Flick, damals um die sechs Jahre alt, erzählte: »Wir packten Äpfel für den Großvater ein und nahmen den alten DKW, der noch mit Holz fuhr. Durch ein Gitter konnten wir dann ein bis zwei Stunden mit ihm sprechen, bewacht von zwei Militärpolizisten mit blank geputzten Helmen.« In den ersten Wochen in Landsberg musste Friedrich Flick Hosen nähen und Schuhe besohlen. Dann stieg der Lesemuffel zum Registrator der Gefängnisbibliothek auf, was ihn offenbar inspirierte, selbst zum Stift zu greifen. Er begann seine Autobiografischen Merkworte. Nach 13 Seiten hatte er keine Lust mehr und wandte sich wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu: Aus der Zelle heraus plante er den Wiederaufbau des Konzerns. Wichtigster Helfer war abermals Konrad Kaletsch. Der erinnerte sich später: »Mit einem alten Volkswagen und ein paar Tausend Papiermark, die mir gute Freunde geliehen hatten, bin ich in der Zeit, da der ›Alte Herr‹ noch in Haft saß, kreuz und quer durch die Lande gefahren und habe Bestandsaufnahme gemacht. Weder hatten wir brauchbare Unterlagen über das, was uns nach dem Zusammenbruch geblieben war, noch wussten wir, auf welchen Banken Konten bestanden oder gar wie viel Geld dort verbucht war.«
Kapitel:
0. Inhalt
1. I. Die absolute Freiheit (10 Seiten)
2. II. Friedrich Flick der Große (60 Seiten)
3. III. Die Flicks und die Nazis (67 Seiten)
4. IV. Die Flicks und das Wirtschaftswunder (47 Seiten)
5. V. FKF auf der Brücke (25 Seiten)
6. VI. Die gekaufte Republik (30 Seiten)
7. VII. Vom Erbe befreit (16 Seiten)
8. VIII. Das Schöne, Wahre, Gute (11 Seiten)
9. Zur Quellenlage, Literatur und Bildnachweise (5 Seiten)
10. Danksagung und Register
Keine deutsche Unternehmerfamilie stand den Mächtigen so nahe wie die Flicks - ob nun ein Kaiser, ein Diktator oder Demokraten regierten. Thomas Ramge erzählt die dramatische Geschichte um Aktienpoker und Spendenskandal, Unternehmergeist und Familienzwist.
Waffen, Macht, Skandale - diese Stichworte beherrschen die Geschichte der einstmals reichsten deutschen Familie. Der Pakt mit Kaiser und NS-Staat begann für den Stahlkonzern jeweils mit riesigen Gewinnen und endete in Schutt und Asche. Mit dem Wirtschaftswunder lief das Zusammenspiel mit der Macht erneut wie geschmiert. Doch die Flick-Affäre stürzte die Familie Hand in Hand mit der politischen Klasse der BRD in eine tiefe Krise, das größte deutsche Privatunternehmen zerbrach im Familienstreit.
Flick bleibt ein Reizwort: Wenn im kommenden Herbst die Flick-Collection in Berlin ihre Türen öffnet, wird die Vergangenheit der Familie erneut zum Thema.
Leseprobe:
IV. Die Flicks und das Wirtschaftswunder (S. 146-147)
Die Richter hatten ihr Urteil gesprochen. Friedrich Flick wanderte ins Kriegsverbrechergefängnis in Landsberg am Lech. Der Bau, in dem bereits viel Politprominenz des Dritten Reiches einsaß, war nicht frei von historischer Symbolik. Gut 20 Jahre zuvor hatte hier Hitler, nach seinem misslungenen Putsch in München, Mein Kampf geschrieben. Otto-Ernst Flick, bis Prozessende in Nürnberg als Zeuge inhaftiert, kehrte Anfang 1948 zu Frau und Kindern zurück, die er drei Jahre nicht gesehen hatte. Als Kronzeuge im Prozess hatte er keinen Familienbesuch empfangen dürfen.
Frau Barbara und seine beiden Söhne, Mick und Muck genannt, hatte es in der Zwischenzeit an den Starnberger See verschlagen, wo sie in einem kleinen Drei-Zimmer- Holzhaus auf einem Hügel mit Seeblick wohnten. Die nach Alliiertenrecht benannten Treuhänder des Konzerns ließen der jungen Familie eine kleine Apanage zukommen. »Personal hatten wir damals keins. Unserer Mutter hat das nichts ausgemacht. Sie war immer eine praktische Frau. Die Zeiten waren, wie sie waren, und sie hat einfach zugepackt «, erinnert sich der ältere Sohn Gert-Rudolf. Barbara Flick verdiente mit Übersetzungen hinzu, die beiden Jungs lebten glückliche Kindertage. »Ich war den ganzen Tag in der Natur, hatte nur zwei Lederhosen und zwei Pullis wie alle anderen Jungs auch.
Ich habe mich mit meinem großen Bruder wunderbar geprügelt und vertragen. Und in meinen Zeugnissen stehen so Sachen wie: ›Friedrich nannte den Herrn Direktor einen Hundsfott.‹ Oder: ›Friedrich schubste ein Mädchen in eine gewisse Rinne‹«, berichtet Friedrich Christian, der Jüngere. In der Dorfschule wurden die verschiedenen Klassenstufen wegen Platz- mangel alternierend morgens und nachmittags unterrichtet, und so ging der kleine Mick oft auch noch mit dem großen Bruder Muck in den Unterricht.
Der alleinerziehenden Mutter war das nur recht. Auch nach seiner Entlassung aus der Zeugenhaft hatte der Vater Otto-Ernst laut Militärgesetz 52 keinen Zugriff auf das Familienvermögen. Das stand weiterhin unter »property control«. Der Stammhalter machte sich daran, eine eigene Existenz aufzubauen, und erinnerte sich wohl an den Aufstieg seines Vaters. In München eröffnete Otto- Ernst Flick die Stahlhandlung Süd-Ferrum und machte – wie einst FF nach dem Ersten Weltkrieg – in eisenknappen Jahren gute Geschäfte mit Schrott. Den ließ er in der noch intakten Maxhütte in Sulzbach- Rosenberg zu Stahl verarbeiten, um ihn wieder über Süd-Ferrum zu verkaufen. Die Begeisterung des »Alten« über die geschäftlichen Ambitionen seines Sohnes soll sich in Grenzen gehalten haben. Regelmäßig besuchte Familie Otto-Ernst Flick den Patriarchen in Landsberg.
Muck Flick, damals um die sechs Jahre alt, erzählte: »Wir packten Äpfel für den Großvater ein und nahmen den alten DKW, der noch mit Holz fuhr. Durch ein Gitter konnten wir dann ein bis zwei Stunden mit ihm sprechen, bewacht von zwei Militärpolizisten mit blank geputzten Helmen.« In den ersten Wochen in Landsberg musste Friedrich Flick Hosen nähen und Schuhe besohlen. Dann stieg der Lesemuffel zum Registrator der Gefängnisbibliothek auf, was ihn offenbar inspirierte, selbst zum Stift zu greifen. Er begann seine Autobiografischen Merkworte. Nach 13 Seiten hatte er keine Lust mehr und wandte sich wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu: Aus der Zelle heraus plante er den Wiederaufbau des Konzerns. Wichtigster Helfer war abermals Konrad Kaletsch. Der erinnerte sich später: »Mit einem alten Volkswagen und ein paar Tausend Papiermark, die mir gute Freunde geliehen hatten, bin ich in der Zeit, da der ›Alte Herr‹ noch in Haft saß, kreuz und quer durch die Lande gefahren und habe Bestandsaufnahme gemacht. Weder hatten wir brauchbare Unterlagen über das, was uns nach dem Zusammenbruch geblieben war, noch wussten wir, auf welchen Banken Konten bestanden oder gar wie viel Geld dort verbucht war.«
Kapitel:
0. Inhalt
1. I. Die absolute Freiheit (10 Seiten)
2. II. Friedrich Flick der Große (60 Seiten)
3. III. Die Flicks und die Nazis (67 Seiten)
4. IV. Die Flicks und das Wirtschaftswunder (47 Seiten)
5. V. FKF auf der Brücke (25 Seiten)
6. VI. Die gekaufte Republik (30 Seiten)
7. VII. Vom Erbe befreit (16 Seiten)
8. VIII. Das Schöne, Wahre, Gute (11 Seiten)
9. Zur Quellenlage, Literatur und Bildnachweise (5 Seiten)
10. Danksagung und Register

