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Der politische Einfluss von Rating-Agenturen
 

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Der politische Einfluss von Rating-Agenturen

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Jens Rosenbaum
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Version: 1. Auflage, 2009
Umfang: 244 Seiten
Format: PDF: 0,98MB
ISBN: 3531164910
Bestell-Nr.: 53191406P
Artikeltyp: E-Book
 

Die jüngste US-Finanzmarktkrise hat erneut gezeigt, dass Rating-Agenturen auf Grund ihres umfangreichen Einsatzes zu Regulierungszwecken und ihres Einflusses auf die Finanzierungskosten von Unternehmen und Staaten zu den wichtigsten Akteuren der globalen Finanzmärkte gehören. Am Beispiel der USA und Deutschlands analysiert der Autor anschaulich die politische und wissenschaftliche Debatte über Rating-Agenturen und entwickelt ein neues politikwissenschaftliches Modell, um den nicht legitimierten politischen Einfluss dieser privaten Finanzmarktakteure erklären zu können.




Leseprobe:

4 Die Bedeutung von Rating-Agenturen in den USA (S. 134-135)

Das vorangegangene Kapitel hat ein neues politikwissenschaftliches Modell vorgeschlagen, um den politischen Einfluss von Rating-Agenturen systematisch erklären zu können. Entwickelt wurde ein neues Modell, das auf einer dynamischen Sichtweise beruht und so das strategische Verhalten von Politikern und die spezifischen Wirkungen nationaler politischer Systeme und Finanzmärkte in die Analyse einbezieht. Dieses Kapitel ist das erste von zweien, welches das Modell in einer Länderstudie anwendet, in diesem Fall am Beispiel der USA. Diese Länderstudien haben nicht den Zweck, die Richtigkeit des Modells durch die Empirie zu „beweisen".

Vielmehr dienen beide Fallstudien zur Illustration der theoretischen Überlegungen und bieten dadurch ein neues Interpretationsschema zum politischen Einfluss von Rating-Agenturen. Die Methodik ist in allen Fallbeispielen gleich: Zuerst werden die für die Fragestellung dieser Arbeit relevanten Eigenschaften des jeweiligen politischen Systems knapp beschrieben. Schwerpunkte bilden das Parteiensystem und die Veto-Spieler. Das Parteiensystem wird analysiert, um die Grundstruktur des politischen Wettbewerbs zu verstehen: Haben sich die Parteien programmatisch so angenähert, wie es Downs´ Medianwählermodell postuliert oder orientiert sich der Parteienwettbewerb eher an einer bimodalen Wählerstruktur, die ideologisch und sozial-strukturell sehr heterogen ist?

Diese Erkenntnisse sind wichtig, damit der Verlauf des politischen Grenzertrags näher bestimmt werden kann. Um zu erfahren, inwiefern Regierungen ihr Stimmenmaximierungskalkül tatsächlich realisieren können, werden die Anzahl der Veto-Spieler, ihre ideologische Distanz zueinander und ihre interne Kohäsion identifiziert. Die Darstellung konzentriert sich auf das Veto-Potential im Bereich der Haushalts- und der Finanzmarktpolitik. Der zweite Teil der Länderstudien beschreibt die Charakteristika des betreffenden Finanzmarktes und Grundzüge des jeweiligen politischen Schuldenmanagements.

Hierdurch wird der Modellaussage Rechnung getragen, dass die politischen Grenzkosten neben der Besteuerung im hohen Maße nicht vom Rating alleine, sondern einer Vielzahl anderer finanzmarktpolitischen Faktoren beeinflusst werden. Hierzu zählen insbesondere die Rolle der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge, die Abhängigkeit der Unternehmensfinanzierung vom Kapitalmarkt, die Verschuldung der privaten Haushalte sowie der Umfang des Einsatzes von Ratings zu Regulierungszwecken. Diese genannten Faktoren korrelie ren modellgemäß positiv mit der Höhe der politischen Grenzkosten.

Darüber hinaus können Regierungen mit Hilfe eines politischen Schuldenmanagements ihre politischen Kosten reduzieren. Übertragen auf das in Kapitel 3 erarbeitete Modell bedeutet dies, dass die politischen Grenzkosten in den USA und Deutschland grundsätzlich unterschiedlich hoch sind. Die Höhe der politischen Grenzkosten wird zum einen durch ökonomische und allgemein strukturelle Variablen bestimmt (Altersversorgung, Unternehmensfinanzierung, private Verschuldung, Einsatz von Ratings zur Regulierung, Schuldenmanagement). Zum anderen ist sie selber keine fixe Größe, sondern erklärt sich erst im Zusammenspiel mit sozialen Variablen sowie dem politischen System und ändert sich innerhalb eines Landes im Zeitverlauf.

Im dritten Teil der Länderstudien wird das Modell in seiner Gesamtheit auf das jeweilige Land zu einem bestimmten Zeitpunkt angewandt, um den Verlauf der politischen Grenzkosten- bzw. Grenzertragskurve genauer zu spezifizieren. Argumentativ werden diverse Statistiken verwendet, um die in Abschnitt 2 erläuterten Indikatoren der politischen Grenzkosten abschätzen zu können. Zu Hilfe genommen werden außerdem detaillierte empirische Wahlanalysen: Sie liefern unerlässliche Informationen über die politischen Präferenzen der Wähler und damit die politischen Grenzkosten und den politischen Grenzertrag.

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