Der kleine Fahrradladen - Eine Geschichte von Selbstverantwortung und Motivation
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Werner Schwanfelder |
| Verlag: | Campus Verlag |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 94 Seiten |
| Format: | PDF: 1,3MB |
| ISBN: | 3593386550 |
| Bestell-Nr.: | 59338655P |
| Artikeltyp: | E-Book |
In dieser unterhaltsamen Fabel zeigt Werner Schwanfelder, wie ein Team eine Herausforderung meistern kann, wenn es sich ihr geschlossen stellt. Mit Motivation und Selbstverantwortung, mit Zielorientierung, Risikobereitschaft und Engagement nehmen die Mitarbeiter des kleinen Fahrradladens die Zukunft ihres Unternehmens selbst in die Hand - und lernen dabei zugleich viel über das Geschäft, die Kollegen und das eigene Leben.
Leseprobe:
Eigenverantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen (S. 39-41)
Eines Tages gab es im Fahrradladen einen unschönen Zwischenfall. Eigentlich hatte nichts darauf hingedeutet. Jeder ging seiner Arbeit nach. Herbert Jäger machte eine Bestellung über 300 Fahrräder bei einem seiner Hauptlieferanten fertig. Er hatte einen sehr guten Preis ausgehandelt und sich daher entschlossen, diese relativ große Menge eines einzigen Fahrradtyps einzukaufen. Bevor er die Bestellung losschickte, rief er noch kurz Franz Käfer hinzu, der die Fahrräder später würde verkaufen müssen, um ihn zu informieren. Doch statt zuzustimmen, blickte Franz ihn entsetzt an. »Nicht diese Fahrräder, die sind schon lange aus der Mode. Die kauft heute niemand mehr!«
Herbert Jäger war völlig überrascht. »Wir hatten aber vor vier Wochen mit dem Chef gerade dies besprochen. Auch du warst der Meinung, dass wir diese Fahrräder gut gebrauchen könnten, und wir hatten vereinbart, dass wir 200 Stück kaufen wollten. Jetzt habe ich für 300 Stück einen fantastischen Preis erzielt und wollte mit dir nur die Menge abstimmen.«
»Was vor zwei Wochen war, interessiert heute nicht mehr. Ich würde nicht einmal 100 dieser Räder einkaufen. Dafür aber 200 Stück von dem neuen Kaliber- Rennrad. Das verkauft sich gut. Ich habe allein letzte Woche 28 Stück verkauft.«
Jetzt war es an Herbert Jäger, entsetzt zu blicken. »Was bringt uns denn der Absatz, wenn wir keinen Gewinn machen? Du weißt doch selbst, dass wir bei diesen Kaliber-Rädern fast keine Spanne haben. Wir kaufen sie entweder zu teuer ein oder wir verkaufen sie zu billig.«
»Dann kauf sie halt besser ein. Das ist doch deine Aufgabe.«
»Du hast leicht reden. Über den Preis kann jeder verkaufen. Versuch du doch, einen besseren Preis bei unseren Kunden zu erzielen.« Die beiden starrten sich wütend an.
Maria kam hinzu und hatte die letzten Sätze mit angehört. »Vielleicht sollten wir solche Fragen gemeinsam besprechen und die entsprechenden Grundsätze festlegen. Das muss in die Spielregeln eingearbeitet werden.«
Die beiden Kontrahenten knurrten etwas, nickten aber. Beide erkannten die Notwendigkeit solcher Grundsätze.
»Und was mache ich jetzt konkret mit der Bestellung? « Herbert Jäger sah seinen Kollegen an. Franz Käfer nickte. Sie setzten sich gemeinsam an einen Tisch und legten fest, wie viele Fahrräder sie von welcher Sorte zu welchem Preis einkaufen wollten und welchen Verkaufspreis sie veranschlagen würden. Es ging doch.
Dennoch brachten sie das Thema am Abend in der gemeinsamen Runde zur Sprache. »Wie halten wir es denn nun in Zukunft mit Entscheidungen?«, fragte Herbert Jäger.
Maria rückte ihren Kaffeebecher zur Seite und sprach: »Jeder soll die Entscheidungen in seinem Bereich selbstverantwortlich treffen.«
»Du hast recht. Aber genau das ist ein immerwährender Kon. iktbereich. Keiner ist in seiner Aufgabe vom anderen unabhängig. Wenn ich Fahrräder einkaufe, muss Franz sie auch verkaufen. Wenn Maria die Kostenrechnung macht, muss sie zu einer Vorgabe für den Verkaufspreis kommen. Wenn Peter ein Fahrrad tunt, muss er wissen, was seine Arbeitszeit kostet und ob wir uns das Tunen leisten können oder nicht. Wie wollen wir diese Abhängigkeiten in den Griff bekommen? «
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