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Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft
 

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Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft

 
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(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Nouriel Roubini, Stephen Mihm
Verlag: Campus Verlag
Version: 1. Auflage, 2010
Umfang: 471 Seiten
Format: PDF: 4,93MB
ISBN: 3593391023
Bestell-Nr.: 59340830P
Artikeltyp: E-Book
 

Nouriel Roubini ist der neue Superstar der Ökonomie. Kein anderer Ökonom hat so frühzeitig und präzise vor der Wirtschaftskrise gewarnt wie er. Zunächst von Fachkollegen ungläubig bestaunt, haben sich seine Prognosen als äußerst treffsicher erwiesen. In seinem Buch liefert er eine große und fundierte Analyse der Krise und beantwortet die wichtigsten Fragen, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aktuell bewegen, wie: Wer ist schuld an der Krise, die Märkte oder der Staat? Was ist die Zukunft des Kapitalismus? Wie können wir das globale Wirtschaftssystem reformieren, um zukünftige Krisen zu verhindern? Roubini erklärt die globalen wirtschaftlichen Zusammenhänge ganz neu. Er schaut für uns in die Zukunft und sagt, wie die Weltwirtschaft aus der Krise herauskommen kann und draußen bleiben wird.


Leseprobe:

Kapitel 6 Die letzte Rettung (S. 185-187)

Als die Vereinigten Staaten im Jahr 2007 von der schlimmsten Finanzkrise seit Generationen heimgesucht wurden, war Ben Bernanke gerade zum Chef der amerikanischen Notenbank ernannt worden – ein bemerkenswerter Zufall, denn Bernanke war einer der führenden Experten für die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre. Er wusste über die komplexe Dynamik hinter diesem weltverändernden Ereignis so viel wie kaum ein anderer Wirtschaftswissenschaftler der Gegenwart. Während seiner akademischen Laufbahn hatte er wegweisende Artikel über die Ursachen und Auswirkungen der schlimmsten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Vereinigten Staaten verfasst.

Bernanke bezog sich dabei auf die Pionierarbeit der Monetaristen Milton Friedman und Anna Jacobson Schwartz. Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, hatten die beiden Vordenker mit früheren Auslegungen der Weltwirtschaftskrise gebrochen und behauptet, die Geldpolitik – mit freundlicher Empfehlung der Notenbank – sei für das Debakel verantwortlich gewesen. Nach ihrer Interpretation hatte es die Notenbank durch Untätigkeit und Unfähigkeit nicht nur versäumt, die Katastrophe zu verhindern, sondern sogar zu ihrer Entstehung beigetragen. Diese These griff Bernanke auf und entwickelte sie weiter. Er legte dar, wie der Kollaps des Finanzsystems Sand ins Getriebe der Wirtschaft geworfen und die Nation in eine schwere Krise gestürzt habe.

Bernankes kritische Beurteilung der historischen Rolle, die die Notenbank während der großen Krise gespielt hatte, und seine Verehrung für Friedman wurden im Jahr 2002 auf der Feier zum neunzigsten Geburtstag des betagten Wirtschaftswissenschaftlers deutlich. Damals gehörte Bernanke bereits dem Notenbankrat an. In seiner Ansprache wandte er sich mit folgender Bemerkung an die beiden Veteranen der Wirtschaftswissenschaft: »Sie hatten Recht, wir waren schuld [an der Weltwirtschaftskrise]. Wir bedauern das sehr. Aber Ihnen ist es zu verdanken, dass es nicht wieder dazu kommen wird.«

Dieser Mann war also für die Geldpolitik zuständig, als die Krise begann. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass er die Ereignisse durch die Brille der knapp 80 Jahre zurückliegenden Geschehnisse betrachtete und entsprechend handelte. Er brach Regeln und erprobte neue Instrumente. Die Geschichte durfte sich nicht wiederholen. Wie Bernanke im Sommer 2009 zu einem Journalisten sagte: »Ich wollte nicht der Notenbankchef werden, in dessen Amtszeit die zweite Weltwirtschaftskrise fällt.«

Zu diesem Zweck revolutionierte Bernanke die Geldpolitik mit einer atemberaubenden Reihe von Eingriffen in das Finanzsystem, die bis heute nur wenige durchschauen. Manche dieser Schritte hatte Bernanke bereits in petto, andere erfand er im Lauf der Monate, als die Gefahr einer Deflation und einer umfassenden Wirtschaftskrise zunahm. Er zog alle Register, von der konventionellen Währungspolitik wie der Nullzinspolitik bis hin zu beispiellosen Maßnahmen, die in vielerlei Hinsicht eine massive Ausweitung der wirtschaftspolitischen Befugnisse der Notenbank darstellten.

Diese Interventionen trugen vermutlich zur Abwendung einer neuen Weltwirtschaftskrise bei, warfen aber eine ganze Reihe beunruhigender Probleme auf. Neben der Frage, wie sich diese Schritte wieder zurücknehmen ließen, wenn sie erst einmal getan waren, barg Bernankes Politik die Gefahr, das leichtfertige Risikoverhalten der Manager im großen Stil zu fördern. In ihrem Eifer, das Finanzsystem zu stützen, rettete die Notenbank nicht nur nicht liquide, sondern auch zahlungsunfähige Finanzinstitute. Dies hatte eine Präzedenzwirkung, die schwer rückgängig zu machen sein wird und langfristig die Disziplin des Marktes aushöhlen könnte. Dies wiederum könnte den Boden für größere Blasen und verheerendere Krisen bereiten. Nicht minder problematisch ist, dass manche der währungspolitischen Strategien Bernankes einen Eingriff in die traditionellen finanzpolitischen Rechte der Regierung, vor allem in der Ausgabenpolitik, darstellen.

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