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Chancen des Wachstums
 

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Chancen des Wachstums

 
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Buchausgabe: 24,90€
Download-Version: 20,99€

(Preis inkl. Mwst. )

Autor(en): Beatrice Weder di Mauro (Hrsg.)
Verlag: Campus Verlag
Version: 1. Auflage, 2007
Umfang: 372 Seiten
Format: PDF: 3,39MB
Gewicht: 610 g
ISBN: 359338499X
Bestell-Nr.: 59338499P
Artikeltyp: E-Book
 

Hochkarätige Wissenschaftler, Politiker und Topexperten wie Joseph Stiglitz, Jean-Claude Trichet und der Dalai Lama vereinen ihre Thesen zum Thema »Nachhaltiges Wirtschaftswachstum« und gehen dabei auch auf die spezielle deutsche Situation ein. Sie zeigen: Wachstum birgt viele Chancen.

35 Jahre nach Erscheinen des Buches »Grenzen des Wachstums « hat sich die Welt stark verändert. Die Globalisierung hat die Volkswirtschaften flexibler gemacht und der Begriff des »nachhaltigen Wachstums« setzt sich immer mehr durch. International renommierte Wissenschaftler und erfolgreiche Staatsmänner stellen Thesen zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum auf und läuten so einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung des Wachstumsbegriffs ein. 

Die Herausgeberin 
Die Herausgeberin Beatrice Weder di Mauro gehört als eine der fünf Wirtschaftsweisen dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. Sie war für den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank tätig. Nach ihrer Habilitation ging sie für einen Forschungsaufenthalt nach Harvard, bevor sie 2001 eine Professur für Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Makroökonomie an der Universität Mainz übernahm.

Schlagwort-Katalog
Globalisierung
Marktwirtschaft
Schaffung
Nachhaltigkeit
Wirtschaftspolitik
Wirtschaftswachstum




Leseprobe:

Das Entwicklungsversprechen (S. 225-226)

Joseph Stiglitz

Das BIP ist ein nützlicher Maßstab für das Wirtschaftswachstum, aber es ist nicht die bestimmende Kennzahl für den Entwicklungsstand. Wachstum muss nachhaltig sein. Jeder weiß, dass man eine bessere Note bekommt, wenn man für eine Prüfung büffelt, aber das, was man lernt, ist schon bald wieder vergessen. Und so kann man auch das BIP steigern, indem man die Umwelt zerstört, knappe natürliche Ressourcen ausbeutet oder Kredite im Ausland aufnimmt – aber diese Art von Wachstum ist nicht nachhaltig. Papua-Neuguinea holzt seine tropischen Regenwälder ab, die eine unglaubliche Vielfalt biologischer Arten beherbergen, der Holzhandel erhöht heute sein BIP, in 20 Jahren gibt es jedoch nichts mehr, was abgeholzt werden könnte.

Dennoch haben sich die Volkswirte auf das BIP kapriziert, weil es sich relativ leicht berechnen lässt. Das Problem daran besteht darin, dass wir nur das messen, worauf wir uns konzentrieren. Manchmal geht eine Zunahme des BIP mit einer Verringerung der Armut einher, wie im Fall Ostasiens. Das war indes kein Zufall: Die Regierungen gestalteten ihre Wirtschaftspolitik gezielt so, dass auch die Armen etwas von den Früchten abbekamen. Anderswo war Wachstum oftmals mit einer Zunahme der Armut und manchmal sogar mit Einkommenseinbußen für die Mittelschicht verbunden. Nehmen wir zum Beispiel die USA: Zwischen 1999 und 2004 stieg das verfügbare Einkommen real im Durchschnitt um 11 Prozent, aber das mittlere Haushaltseinkommen – das Einkommen der echten Mittelschichtfamilie – fiel, inflationsbe reinigt, um 1 500 Dollar oder rund 3 Prozent. In Lateinamerika stieg das BIP zwischen 1981 und 1993 um 25 Prozent, der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen musste, wuchs jedoch auch, und zwar von 26,9 Prozent auf 29,5 Prozent. Wenn das Wirtschaftswachstum nicht allen Menschen zugute kommt, ist die Entwicklung gescheitert.

Die ostasiatischen Regierungen erkannten, dass der Erfolg gesellschaftliche und politische Stabilität erfordert und dass gesellschaftliche und politische Stabilität ihrerseits einen hohen Beschäftigungsgrad und eine begrenzte Ungleichheit zur Voraussetzung hat. Nicht nur der »Prestigekonsum«, sondern auch ein allzu großes Lohngefälle wurden unterbunden. In China verdienten leitende Angestellte, zumindest in den Frühphasen der Entwicklung, in der Regel höchstens das Dreifache dessen, was ein einfacher Arbeiters bekam, in Japan höchstens das Zehnfache. (Topmanager in den USA dagegen haben in den letzten Jahren mehrere hundert Mal so viel kassiert wie ein einfacher Arbeiter.)

Meines Erachtens ist es wichtig, dass sich Länder um eine gerechte Verteilung der Früchte des Wachstums bemühen. Es gibt zwingende moralische Gründe für eine gerechte Verteilung, aber sie ist auch notwendig, um nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Der wichtigste Produktionsfaktor eines Landes sind seine Menschen, und wenn ein hoher Prozentsatz der Menschen sein Potenzial nicht ausschöpft – wegen fehlenden Zugangs zu Bildungsangeboten oder wegen lebenslanger Folgen von Unterernährung im Kindesalter –, kann auch das Land insgesamt sein Potenzial nicht ausschöpfen. Länder, die ihr Bildungssystem vernachlässigen, werden für Firmen, die auf Fachkräfte angewiesen sind, kaum ausländische Investoren gewinnen – und heute sind mehr und mehr Firmen teilweise auf Fachkräfte angewiesen.



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