Ausgebremst: Warum das Recht auf Bildung nicht für alle gilt
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Katja Urbatsch |
| Verlag: | Heyne |
| Version: | 1. Auflage, 2011 |
| Umfang: | 224 Seiten |
| Format: | PDF: 0,63MB |
| ISBN: | 3453602145 |
| Bestell-Nr.: | 64106442P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Gleiches Recht auf gleiche Bildungschancen? Weit gefehlt! An den Hochschulen studieren überwiegend Akademikerkinder. Diese soziale Schieflage beginnt bereits im Grundschulalter mit der Empfehlung der Lehrer für die richtige Schulform. Das zeigt: In den Köpfen muss sich etwas ändern. Denn nach wie vor ist die Überzeugung weit verbreitet, dass die Herkunft über unser Potenzial bestimmt. Die Autorin weiß, wovon sie spricht: Sie studierte selbst als erste in ihrer Familie. Anhand ihrer eigenen Erfahrung und zahlreicher anderer Biografien beschreibt sie die Bildungshürden, mit denen Kinder aus Familien ohne akademischen Hintergrund konfrontiert sind. Ein Buch mit gesellschaftlicher Sprengkraft!
Leseprobe:
»Zu Hause muss ich mich rechtfertigen und in der Uni fühle ich mich verloren.« (S. 108-109)
Wie sich Nicht-Akademikerkinder zwischen zwei Welten bewegen
Regelmäßig wurden mein Bruder und ich während unserer gesamten Hochschulausbildung im Verwandten- und Bekanntenkreis kritisch auf unser Studium angesprochen, insbesondere auf unsere Fächerwahl: »Was wird man denn damit hinterher – Taxifahrer?«, »Und was bist du dann von Beruf, du musst doch hinterher etwas von Beruf sein! Guck’ mal, dein Vater ist Bankkaufmann, und was bist du dann?«, »Was verdient man dann?«, »Wann bist du denn endlich fertig mit dem Studium?«, »Da kann man doch hinterher nichts mit anfangen!«, »Hättest du denn nicht wenigstens auf Lehramt studieren können?«
Auch unsere Eltern wurden häufig gefragt, was wir denn genau machten und was aus uns eigentlich werden würde. Mit BWL war Marc zunächst noch relativ fein raus, als er dann jedoch auf die Idee kam, Philosophie als sein erstes Hauptfach zu wählen, konnte das niemand nachvollziehen. Bereits während der Schulzeit hatte er zudem großen Gefallen an Fremdwörtern entwickelt, sodass er während seines Studiums noch regelmäßiger zu hören bekam, er solle doch mal Deutsch reden. Bei mir waren mit meinem Hauptfach Nordamerikastudien eh schon Hopfen und Malz verloren – was sollte nur aus mir werden?
Mittlerweile kann ich darüber schmunzeln, doch gerade zu Beginn und in schwierigeren Zeiten meines Studiums hatte ich das Gefühl, mich ständig verteidigen zu müssen, weil ich so etwas äußerst Ungewöhnliches tat wie studieren und dann auch noch in Berlin. Ich empfand diese Diskussionen, dieses endlose Erklären, Nachfragen und Rechtfertigen bisweilen als sehr anstrengend und war teilweise echt genervt. Schließlich war ich mir auch nicht immer sicher, ob ich das alles packen würde. Ich fiel auch mal durch eine Klausur in meinem Nebenfach BWL, war auch immer wieder von Selbstzweifeln geplagt und unsicher, ob ich hinterher einen Job finden würde und wie es überhaupt nach dem Studium weitergehen sollte.
In einem Gutachten für meine Bewerbung um eine Doktorandenstelle schrieb ein Professor über mich, ich sei »die Königin des Understatements«. Doch selbst nach dem Studium hatte ich noch nicht verstanden, was er damit eigentlich genau gemeint hatte. Heute weiß ich, dass alles – mein Befinden damals, meine eigenen Reaktionen und die meines Umfelds – darauf zurückzuführen ist, dass ich zur Spezies der Nicht-Akademikerkinder gehöre. Denn so wie meinem Bruder und mir geht es vielen anderen, die als Erste in ihrer Familie studieren: Sie hören in ihren Familien dasselbe, ihre Erlebnisse an der Hochschule überschneiden sich mit meinen sehr stark und wir denken über vieles ganz ähnlich – selbst zum Start der Initiative hätte ich nicht mit so viel Übereinstimmung gerechnet.
Alle sind mit einem mehr oder weniger geringen Selbstbewusstsein ausgestattet, sie schätzen die Qualität der eigenen Leistung als äußerst gering ein, sie neigen dazu, sich als nicht gut genug zu empfinden und pflegen sich in der Regel unter Wert zu verkaufen. Durch mein Studium habe ich einerseits andere Ausdrucks- und Denkweisen kennengelernt, diese zum Teil angenommen und mich damit von meiner Familie entfernt. Andererseits fühle ich mich in der akademischen Sprache, der Art zu denken und der Hochschul-Welt bis heute nicht wirklich zu Hause.
Dies hat dazu geführt, dass ich insbesondere während des Studiums das Gefühl hatte, immer anders zu sein als alle anderen – der Familie nicht mehr richtig zugehörig, weil ich studierte, meinem Uniumfeld – vor allem meinen Kommilitonen – nicht verbunden, weil meine Eltern nicht studiert hatten. Mit ArbeiterKind.de wollte ich daher angehenden Studierenden und Akademikern der ersten Generation eine Heimat geben, in der sie sich aufgehoben, verstanden, akzeptiert und somit zugehörig fühlen.
Der besondere Tipp
Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!
Anhand verblüffender Experimente und einfacher Übungen lernen Sie, wie unsere Umwelt die Gedanken und die Gedanken unsere Umwelt beeinflussen.
Früher: 12,00€
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