Ausbildungsfähigkeit im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis
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(Preis inkl. Mwst. )
| Autor(en): | Elisabeth Schlemmer, Herbert Gerstberger |
| Verlag: | VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV) |
| Version: | 1. Auflage, 2008 |
| Umfang: | 252 Seiten |
| Format: | PDF: 0,98MB |
| ISBN: | 3531155490 |
| Bestell-Nr.: | 53190839P |
| Artikeltyp: | E-Book |
Leseprobe:
Was ist Ausbildungsfähigkeit? Versuch einer bildungstheoretischen Einordnung (S. 13)
Elisabeth Schlemmer
Zusammenfassung
Der Artikel bietet eine Einleitung in den Reader und versucht über eine bildungstheoretische Einordnung in bildungssoziologische, erziehungswissenschaftliche und didaktische Dimensionen die Beiträge zu würdigen. Ausbildungsfähigkeit wird anhand von acht Thesen als Bildungskategorie abgehandelt: Globalisierung als makrosoziologische Bedingung, gesellschaftliche Partizipationschancen, Anschlussfähigkeit von Bildungsprozessen im Übergang Schule/Arbeitswelt, Defizitperspektive vs. bildungswissenschaftliche Definition von Ausbildungsfähigkeit bezogen auf die Ebenen der Lernenden und der Institutionen, Interstrukturalität und Interdisziplinarität von Ausbildungsfähigkeit sowie die Forderung nach Schulreform durch Vernetzung von allgemeiner und beruflicher Bildung.
1 Einleitung
Die Schule hat die Aufgabe, die nachwachsende Generation für eine gelingende Partizipation an der Gesellschaft zu bilden und zu erziehen. Sie hat dabei auch auf die Arbeitswelt und deren Qualifikationsanforderungen vorzubereiten. Im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt entfalten sich das Potenzial der Allgemeinen Bildung und die in der Schule erworbenen Kompetenzen je nach
1. gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Stabilität bzw. Wandel, sowie je nach Geschlecht, sozialer und nationaler Herkunft,
2. pädagogischen Konstrukten der Schulen (Schulart und Didaktik),
3. individuellen Interessen, Motivation und Leistungsfähigkeit sowie nach 4. deren Nachfrage bzw. Akzeptanz aufgrund betrieblicher Anforderungen.
Diese Bildungsaspekte werden in der öffentlichen und der wissenschaftlichen Diskussion in Verbindung gesetzt zu Ausbildungsfähigkeit. Sie stellen die basalen Einflussfaktoren für die Berufswahl und den Erfolg bei der Suche nach ei- nem Ausbildungsplatz dar. Im Folgenden werden diese Faktoren systematisch abgehandelt und kritisch in Abgrenzung gegen ideologische Vorstellungen von Ausbildungsfähigkeit diskutiert.
2 Die bildungssoziologische Dimension von Ausbildungsfähigkeit
Die Globalisierung führt zu einem Wandel der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Bildungsprozesse. Prozesse der Globalisierung wirken sich nicht nur auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt, sondern auch auf – dem Arbeitsmarkt vorgelagerte – national organisierte Institutionen und in Folge dessen auf individuelle Lebens- und Erwerbsverläufe aus (Blossfeld i.d.B.). Blossfeld (ebd.) legt dar, dass Institutionen und Sozialstrukturen einer Nation einerseits eng verwoben sind und eine länderspezifische Komplementarität bilden.
Dazu gehört in Deutschland auch die spezifisch bildungspolitische Relation der allgemeinen und beruflichen Bildungsinstitutionen. Die duale Berufsausbildung in Deutschland organisiert den Übergang von der Schule in den Beruf über eine institutionelle „Brücke zwischen Ausbildung und Betrieb, damit die Qualifikationen gesichert, „planmäßiger verlaufen.
Die Stärke der dualen Ausbildung liegt zum einen darin, dass durch die betriebliche Ausbildung Nähe zum Betrieb bzw. „Industrienähe erreicht wird und durch die parallele schulische Ausbildung zugleich die individuelle Mobilität beim Betriebswechsel aufgrund der erworbenen Berufsqualifikation erleichtert wird.
Im internationalen Vergleich geht die duale Ausbildung aufgrund dieser engen Koppelung von Ausbildungsabschluss und Berufschance, wie Blossfeld (i.d.B.) feststellt, jedoch mit einer geringeren beruflichen Mobilität einher.
Die Ausbildung durch das Training „on-the-job führt hingegen zu einer rascheren Heranführung an neu entstehende, zukunfstorientierte Berufstätigkeit, bei jedoch geringerer „sozialer Sicherheit im Karriereverlauf, wie Blossfeld empirisch nachweist.
Die Globalisierung bedingt folglich, dass sich die verschiedenen nationalen Berufsbildungssysteme nach Maßgabe der Inklusionsgeschwindigkeit von jungen Menschen in expandierende Wirtschaftssektoren bzw. in (neue) Berufe resp. (partiell nur noch!) berufliche Tätigkeiten. D.h. auch die im dualen Bildungssystem erworbenen Berufsqualifikationen sind in Bezug auf zukünftige, sich schnell wandelnde betriebliche Nutzbarkeit zu überprüfen.
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