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Todesarten
 

Todesarten

Über Bilder der Gewalt
 

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Autor(en): Wolfgang Sofsky
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Auflage: 2011
Umfang: 271 Seiten
Format: 22,5 cm
Gewicht: 660 g
Einband: Gebunden
ISBN: 3882215577
Bestell-Nr.: 88221557A
 

Klappentext:

Verletzlichkeit der menschlichen Existenz." (Francis Bacon) Bildliche Darstellungen von Gewalt können erschrecken und verzaubern, verstören und erfreuen, ihre zwiespältige Wirkung verdanken sie auch der Distanz zum Dargestellten. Gewaltbilder stellen grausame Szenen vor Augen und bieten dem Betrachter
die Möglichkeit zur sinnlichen Anschauung, zur meditativen Versenkung und zur intellektuellen Erkenntnis. Stets konfrontieren sie uns mit der Frage, wer wir sind und wie wir uns selbst verstehen müssen. In Todesarten nimmt Wolfgang Sofsky ausgewählte Bildwerke der Gewalt akribisch in den Blick. In glänzenden Einzelanalysen geht er ihrer ästhetischen Wirkung und imaginativen Kraft nach. So entsteht ein Bildpanorama von Mord und Totschlag, Kampf und Krieg, Strafe und Opfer, das neue Sichtweisen eröffnet. Von den Anfängen in den Höhlenzeichnungen von Lascaux über christliche Martyrienbilder bis zur modernen Kriegsfotografie erweist sich die abendländische Kunstgeschichte als eine Bildkultur der Gewalt.

Autorenporträt:

Wolfgang Sofsky, geboren 1952, lehrte als Professor für Soziologie an den Universitäten Göttingen und Erfurt. Seit 2001 arbeitet er als Privatgelehrter, Autor und politischer Kommentator. 1993 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis. Seine Bücher wurden vielfach übersetzt. Seine Essays sind regelmäßig in der deutschsprachigen Presse zu lesen und im Rundfunk zu hören.

Leseprobe:

Bilder entmachten die Gewalt, rauben ihr die sinnliche Substanz und überwältigende Kraft. Auf Bildern ist Gewalt nur sichtbar, nicht riechbar, hörbar, tastbar, fühlbar. Bildgewalt ist daher ziemlich ungefährlich. Auf Bildern erscheint nur die im Bild anwesende Welt. Wie jedes Bildnis, das etwas darstellt, vergegenwärtigen Gewaltbilder Ereignisse, Szenen, Vorstellungen, die real nicht stattfinden. Bildlichkeit trennt die Sichtbarkeit eines Sachverhalts von der materiellen Anwesenheit der Tatsache. Die Ereignisse des Bildes sind nichts als Phantome. Man mag auf einem Bild einen schweren Gegenstand sehen, er ist nicht schwer. Man mag Blut und Wunden sehen, doch das gemalte Blut ist nicht warm und aus der Wunde fließt kein Blut. Die Ereignisse des Bildes gehören nicht der Realität an, sie bilden vielmehr eine Bildwirklichkeit eigener Art. Für Gewaltbilder ist nicht wesentlich, dass sie sich auf reale Begebenheiten beziehen. Die abgeschlagenen Häupter der Medusa, des Propheten Johannes, des Holofernes oder des Heiligen Dionysius existieren nur in Bildern. Wer Bilder verstehen will, kann nur hinsehen.

 

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